Am Sonntag war schon Halloween. Zumindest im Theater des Westens (TdW). Da wurde der Dauer-Erfolg „Tanz der Vampire“ wieder aufgenommen. Und nicht nur die Untoten auf der Bühne wandelten dabei in gruseligem Gothic-Outfit. Auch mancher Zuschauer hatte sich so gekleidet. Und wurde auf Wunsch vor der Aufführung von den Maskenbildnern des Hauses auf Vampir-Opfer oder -Täter geschminkt, was viele mutig annahmen. Damit passt die Neuauflage bestens in die Jahreszeit.
Gleich zwei große Wiedererkunngswerte
Es ist allerdings schon die dritte Wiederaufnahme des Stücks, seit es 2006 seine Berlin-Premiere an diesem Hause feierte. Nachdem das „Ghost“-Musical abgespielt ist und bevor im April „The Band“ mit der Musik von Take That an die Kantstraße kommt, übernehmen die Vampire den unschönen Part des Lückenfüllers. Bei so viel Wiederaufnahmen in so kurzer Zeit muss man sich indes schon fragen: Ist das Musical mit den langen Zähnen nicht langsam etwas abgekaut? Haben die „Vampire“ überhaupt noch Biss? Oder wetzen sie schon die dritten Zähne?

Eine komplett neue Besetzung sorgt für frisches Blut. Die Inszenierung ist dagegen ganz die alte, und sie spielt auch in den bewährten Kulissen: Zunächst in einem Gasthaus, das ständig auf der Bühne gedreht sowie auf- und zugeklappt wird, wo der Vampirjäger Professor
Abronsius auf der Suche nach dem finsteren Grafen Krolock aufschlägt und sein Assistent Alfred sich in die Wirtstochter Sarah verliebt. Auf sie hat auch der Graf ein Auge geworfen und lädt sie auf sein Schloss ein, wo dann der zweite Akt spielt, in dem der Professor und sein Assistent die schöne Maid aus den Klauen der blutrünstigen Vampire, die nachts aus ihren Särgen kriechen, entreißen wollen.

„Tanz der Vampire“ ist nicht umsonst das größte Erfolgsstück des Hauses, seit die Stage hier nach der Sanierung des TdW den Betrieb aufgenommen hat. Es kann gleich mit zwei großen Wiedererkennungswerten aufwarten. Da ist zum einen der Filmklassiker von Roman Polanski, eine Parodie auf alle Dracula-Filme, die als Vorlage diente. Und da sind zum anderen die rockigen Songs von Jim Steinman, in denen er seinen größten Hit, Bonnie Tylers „Total Eclipse of the Heart“, verarbeitet.
Die neue Besetzung wurde hörbar nach Stimmen gecastet. Und die sind ein Ohrenschmaus, gerade bei Filippo Strocchi als Graf und bei Diana Schnierer, auch wenn die als zarte Sarah fast zu viel aufdreht. Beim Spiel aber, vor allem beim Zusammenspiel hapert es zuweilen. Abronsius ist mit seinen Slapsticknummern eigentlich ein dankbarer Part, was man aber schon lustiger gesehen hat. Und ausgerechnet bei Krolock, der Schlüsselfigur, fehlt alles Diabolische, auch alles Verführerische, womit er Sarah in seine Welt ziehen will. Star des Abends ist so Raphael Groß als Alfred, eine Rolle, die sonst neben den anderen eher etwas blass bleibt. Groß weiß aber als Einziger, sowohl beim Singen als auch beim Spielen zu punkten.
Dem TdW wird hier die eigene Programmierpraxis zur Krux: Man hat das am Hause alles schon mal besser gesehen. Aber das Stück ist unkaputtbar und rockt noch immer. Nur beim Schauspiel müsste noch mal die Zahnfee ran.
Theater des Westens, Kantstr. Kartentel.: 01805-444. Di.–So., 19.30 Uhr, Mi. 18.30 Uhr,
Sbd. u. So. auch 14.30 Uhr. Bis März 2019.





