Schon lange wollte sie mit dem Theater zusammenarbeiten, aber bislang hatte es sich nie ergeben. Nun spielt Gesine Cukrowski erstmals an der Komödie am Kurfürstendamm. Und gleich in einer ganz besonderen Produktion: „Willkommen bei den Hartmanns“, das in einer Woche, am 23. September, Premiere feiert, läutet nicht nur die neue Spielzeit des Hauses ein, es ist auch die erste Produktion am neuen Standort, im Schiller Theater.
Dorthin musste die Komödie bekanntlich ausweichen, weil ihr angestammtes Areal, das Ku’damm-Karree, einem Neubau weichen muss. Dass sie nun gleich am großen Schiller Theater mit seiner langen, bewegten Geschichte spielt, ist natürlich noch mal eine ganz andere Herausforderung für die 49-Jährige.
Die Flüchtlingsursachen vor Ort bekämpfen
Wir treffen die Schauspielerin im Café Lenzig in Schöneberg, ihrem Kiez. Sie hatte den ganzen Tag Probe, war nur kurz zuhause und muss auch bald zurück, um zu kochen. Jetzt gönnt sie sich erst mal einen Kaffee. Und erzählt, dass sie eigentlich ganz zufällig bei dieser Produktion gelandet ist. „Rufus Beck hat sich mich gewünscht“, sagt sie. „Obwohl wir uns gar nicht kennen.“
Sie war aber sofort Feuer und Flamme. Gerade wegen des Stücks. „Willkommen bei den Hartmanns“ war ja zunächst ein Film von Simon Verhoeven. Eine Komödie über die Willkommenskultur, in der eine Hausfrau beschließt, einen Flüchtling bei sich aufzunehmen, und ihre Familie damit vor den Kopf stößt. Schon der Film ist seinerzeit von der Realität überholt worden, als noch während der Dreharbeiten 2015 die große Flüchtlingswelle einsetzte und er plötzlich der Film zur Stunde war.
Chemnitz hat alle aufgewühlt
Das scheint sich jetzt zu wiederholen. Denn mitten in die Proben der Bühnenfassung platzten die Nachrichten und Bilder aus Chemnitz. Die Mehrheit denkt anders als der Mob dort, da ist sich Gesine Cukrowski ganz sicher, diese Mehrheit müsse nur lauter werden. „Aber ich hätte nie gedacht, dass ich meiner Tochter aus aktuellem Anlass erklären muss, was ein Pogrom ist“, sagt sie: „Und dass es überhaupt wieder Pogrome in Deutschland gibt.“
Seit der Film ins Kino kam, ist viel passiert, worauf man natürlich reagieren müsse. Aber Chemnitz sei jetzt ein Einschnitt, bei dem man noch einmal ganz neu nachdenken müsse, wie man das jetzt spielen soll. „Das“, so die Cukrowski, „wühlt uns alle auf.“
Empathie erzeugen, das Gebot der Stunde
Vergeht einem bei solchen Nachrichten nicht das Lachen? Kann man da überhaupt noch eine Komödie spielen? Nein, da schüttelt die Schauspielerin den Kopf und wird prinzipiell: „Humor ist ganz wichtig. Wir sollten uns alle nicht den Humor nehmen lassen.“ Auch in harten Phasen ihres Lebens, gesteht sie, habe Humor sie immer gerettet. Lachen könne man ja auch in den schwärzesten Situationen. Und: „Wir machen ja nicht nur Unterhaltungstheater. Gerade dieses Stück schneidet ein wichtiges Thema an. Und vielleicht kann man gerade mit dem Boulevardtheater Menschen erreichen, zum Nachdenken bringen.“ Im Theater könne man Emotionen hervorrufen, und Empathie sei ja nichts anderes als Emotion für einen anderen Menschen. „Und das ist es, was gerade verloren zu gehen schein.“
Die meisten kennen Gesine Cukrowski aus dem Fernsehen. Aus Serien wie „Der letzte Zeuge“ mit Ulrich Mühe oder zuletzt „Letzt Spur Berlin“. Sie hat aber auch reichlich Bühnenerfahrung und tourt immer wieder mit der Lesung „Drei Frauen aus Deutschland“ über Erika Mann, Bettine von Arnim und Else Lasker-Schüler durch Deutschland. Sie hat dabei den Part von Erika Mann übernommen, die ins Exil gehen musste und eine glühende Streiterin gegen den Faschismus war. Als das Projekt begann, schien das noch weit weg, findet die Schauspielerin, mit jeder Lesung aber werde das Thema aktueller und brennender.
Engagement gegen den Hunger in Afrika
Sie findet es auch ganz mutig und richtig, dass die Komödie als Willkommensstück im Schiller Theater „Willkommen bei den Hartmanns“ ausgewählt hat. „Das Stück ist nicht oberflächlich. Aber es behandelt dieses schwere Thema mit einer Leichtigkeit, mit der man sich darauf einlassen kann.“ Natürlich solle einem das Lachen manchmal auch im Hals stecken bleiben. „Wenn uns das gelingt“, sagt sie, „haben wir viel erreicht.“
Das Stück ist Gesine Cukrowski auch deshalb so wichtig, weil es zu ihrem Engagement für die Welthungerhilfe passt, mit dem sich Flüchtlingsursachen vort Ort bekämpfen will. Sie setzt sich in Uganda für eine Region ein, die zu den ärmsten der Welt gehört, Karamoja. Vor drei Jahren begann sie dort mit einem Ziegenprojekt, weil Ziegen das dürregeeignetste Nutztier sind. Eine Ziege kostet 26 Euro, selbst ihr damals siebenjähriger Neffe hat eine gespendet, von seinem Taschengeld. Danach hat sie auch eigene Projekte angeschoben, wie das Ausbauen von Schlafräumen für Mädchen, den Bau von Waschräumen und Latrinen.
Wiederholt war sie dafür in Afrika. „Hunger ist ein Thema, das uns alle betrifft“, sagt sie. „Solange Menschen noch verhungern, sind wir in der Verantwortung, etwas zu tun.“ Anfangs hatte sie selbst noch das Gefühl, das sei nur ein Tropfen auf dem heißen Stein: „Aber ich habe mit eigenen Augen gesehen: Das ist es nicht. Es verändert Regionen.“
„Willkommen bei den Hartmanns“: Premiere am 23. September. Willkommensfest der Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater: 16.9. ab 17 Uhr u. .a. mit Rezitationen von Gesine Cukrowski und Rufus Beck und Liedern von Walther Plathe und Klaus Hoffmann.



