Das fängt ja gut an. Mit einem großen Fest haben sich die Ku’dammbühnen im Mai von ihrer angestammten Adresse verabschiedet. Mit einem großen Willkommensfest haben sie am Sonntag ihre erste Spielzeit im Schiller Theater eingeläutet. Nächste Woche ist die erste Premiere: „Willkommen bei den Hartmanns“. Aber schon gestern konnten die Freunde des Hauses mit ihren Stars feiern – „Hier und Jetzt“, wie über dem Portal steht. Und Intendant Martin Woelffer durchschneidet ein rotes Band.
Der Saal ist übervoll. Wer keinen Sitz mehr findet, hockt und steht, wo noch Platz ist. Solidarisch rückt man zusammen. Woelffer ist erst mal erleichtert. Er hat ja schon Angst, wie sie den viel größeren Saal füllen und ob die Touristen sie hier finden werden. Der Name „Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater“ ist auch ein wenig verwirrend. Aber so sehr der Abschied geschmerzt hat, gibt Woelffer eingangs zu, so sehr freue er sich nun auf die nächsten fünf Jahre an diesem Haus. Und ein bisschen was hat man ja auch mitgebracht. Der rote Vorhang ist der vom Ku’damm. Und die Stühle in der allerletzten Reihe sind auch von da.
Alles ist Generalprobe an diesem Abend. Für die Technik, die Garderobe, die Getränkeausgaben – und die Mimen. Aber sie alle lassen es sich nicht nehmen und sind mit dabei. Gesine Cukrowski, die mit den „Hartmanns“ ihren Kudamm- wie ihren Schiller-Einstand gibt, liest aus Kurt Tucholskys „Lottchen beichtet 1 Geliebten“. Rufus Beck, auch ein „Hartmann“, liest aus John Irvings „Garp und wie er die Welt sah“. Er hat schon etliche Irving-Hörbücher eingespielt.

Walter Plathe rezitiert Otto Reutter, Klaus Hoffmann, der hier vor 20 Jahren im „Brel“-Musical spielte, singt Brel-Chansons. Tanja Wedhorn und Roman Kniszka, die in der Komödie lange in „Lieber schön“ zu sehen waren, lesen einen reizenden Briefwechsel von Anton Tschechow und der Schauspielerin Olga Knipper, der nach ihrer Heirat einen ganz anderen Ton annimmt. Katharina Thalbach, die am letzten Abend am Ku’damm auftrat und einst zum Schiller-Ensemble gehörte, liest aus Trude Hesterbergs Memoiren. Und Marion Kracht und Klaus-Peter Grap spielen einen eigens für den Abend geschriebenen Sketch. Ein Kessel Buntes: Willkommen bei den Schillers! Nicht wenige mögen da an einen ähnlichen Abend an diesem Haus denken, als 1993 das Schiller Theater als Staatliche Schauspielbühne geschlossen wurde. Auch die Thalbach erinnert daran.
Ein Kessel Buntes – und ein Geburtstagsständchen
In der Pause gibt es Deftiges, Bulletten und Kartoffelsalat. Die werden auch im Saal verputzt. Das hätte es zu Zeiten, als die Staatsoper hier übergangsweise logierte, sicher nicht gegeben. Dafür geben die Schauspieler im ersten Rang auch willfährig Autogramme. Stars zum Anfassen.
Den Abend moderiert Johannes B. Kerner. Der kennt martin Woelffer schon seit klein auf hat auch mal mit ihm zusammen gewohnt. Und dabei fast die Bude abgefackelt, wie beide gestehen. Dass der Fernseh-Mann gerade in Berlin ist, hat noch einen anderen Grund: Er ist morgens beim Marathon mitgelaufen, in 3 Stunden und 56 Minuten. Und dann noch so einen langen Abend moderieren: Chapeau.
Kerner verrät auch, dass Woelffer an diesem Tag Geburtstag hat. Sein 55. – eine Schnapszahl! Natürlich singt der ganze Saal „Happy Birthday“. Ein wundervoller Auftakt. Jetzt müssen die Besucher nur auch hier die Treue halten. Klaus Hoffmann animiert schon mal dazu: „Schön, dass Sie immer hierher kommen werden.“





