Culture-Clash-Komödie

Treffen sich ein Priester, ein Rabbi und ein Imam

„Eind Lied in Gottes Ohr“ ist eine Komödie über Religionen und gelebte Toleranz, die leider nicht ohne Klischees auskommt.

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Barbara Schweizerhof

Was seine Religion mit der jüdischen verbinde, wird der katholische Priester gefragt. Das alte Testament natürlich, antwortet der sofort. Dann stellt die Radiomoderatorin dieselbe Frage an den Imam. Der muss erstmal nachdenken, dann kommt ihm der rettende Gedanke: „Rabbi Jacob“. Wie Louis de Funès da den Rabbi spiele... Allein die Erinnerung bringt den Imam so zum Lachen, dass das Interview unterbrochen werden muss.

Auf so unterschiedliche Art lassen sich interreligiöse Verbindungen bilden. Wer will vorschreiben, was da die richtige ist? Der Priester und der Imam nämlich bilden im Film „Ein Lied in Gottes Ohr“ zusammen mit einem Rabbi die Band „Coexister“. In ihren jeweiligen religiösen Outfits singen sie davon, dass man einander tolerieren und beachten muss. Nach ein paar Anlaufschwierigkeiten haben sie großen Erfolg damit.

Die Idee zur religionsüberspannenden Sängertruppe hatte Nicolas (gespielt vom Regisseur und Drehbuchautor des Films, Fabrice Eboué). Seine Chefin hat den Musikproduzenten dazu verdonnert, binnen Kurzem eine hit-verdächtige Band zu entdecken oder seinen Leitungsposten aufzugeben. Dabei hat Nicolas gerade an privater Front genug zu tun.

Seine Frau hat ihn mit einer anderen erwischt und rausgeschmissen. In mieser Stimmung landet er bei einer Party, lässt sich volllaufen – und hat am morgen die Eingebung: Wäre das nicht im Geist der Zeit, wenn man einen Rabbi, einen Priester und einen Imam zusammen mit klassischen französischen Chansons auftreten ließe? Die Idee scheint so gut, dass man sich wundert, warum es das noch nicht gegeben hat.

Feelgood-Movie um jeden Preis

Eboué versammelt in seinem Film ausdrucksstarke, sympathische Schauspieler. Doch die lässt er dann leider nur Klischees spielen. Priester Benoît (Guillaume de Tonquédec) ist der steife Katholik, der keine Witze erzählen kann. Rabbi Samuel (Jonathan Cohen) hat mit Schuldgefühlen zu kämpfen, weil ihm bei einer Beschneidung das Messer ausgerutscht ist. Und Imam Moncef (Ramzy Bedia) ist gar kein echter Imam, sondern raucht und trinkt und steigt den Frauen nach.

Mehr noch als die Figuren sind die Dialoge von Klischees durchzogen: Bei den immergleichen Fragen kocht es zwischen Moncef und Samuel hoch: Wem gehört das Heilige Land, wer hatte mehr zu leiden, wer sind die Terroristen. Immerzu tauschen die Drei die Stammtischparolen ihrer Gemeinden aus.

Das könnte alles sehr interessant sein, aber Eboué will seinen Stoff so unbedingt als Feelgood-Movie umsetzen, dass er auf abgründige Dinge wie unbewusste Vorurteile keine Aufmerksamkeit verschwendet. Während ihre Musikkarriere unweigerlich ihren Anfang nimmt, lernen die drei, über die Witze der anderen zu lachen, statt sich aufzuregen. Aber vielleicht braucht es zu friedlichen Koexistenz tatsächlich nicht viel mehr.