Comic-Film

Wespen-Alarm im Comic-Kino

Erst war es nur ein Ameisenmann. Jetzt brummt auch noch eine Wespe ins Marvel-Universum: „Ant-Man and the Wasp“.

Foto: Marvel Studios / picture alliance / ZUMAPRESS.com

Von Barbara Schweizerhof

Nicht nur wegen seiner Größe ist Ant-Man, der Ameisenmann, ein Gegenentwurf zum Rest der Superhelden-Crew. Scott Lang (Paul Rudd) teilt sich das Sorgerecht an der Tochter mit seiner Ex, kämpft ums Überleben seiner kleinen Sicherheitsfirma und hat als Ex-Knacki mit den Vorurteilen der Gesellschaft zu kämpfen. Er ist zwar nicht gerade „einer wie wir“, aber mit „bescheiden“ und „nett“ charakterisieren ihn zwei Eigenschaften, die im „Marvel Cinematic Universe“ nicht unbedingt an erster Stelle stehen.

Tatsächlich ist dieser Scott Lang derartig nett und bescheiden, dass der neue Film „Ant-Man and the Wasp“ erkennbar Schwierigkeiten hat, aus ihm einen Helden zu machen, der im Zentrum steht. Der verwirrende Plot um eine Mutter, die in einer anderen Dimension herumirrt, während ein Trupp dümmlicher Verbrecher und eine weitere Superheldin mit dunkler Seele es auf das Labor des Erfinders Hank Pym (Michael Douglas) abgesehen haben, kann das nur notdürftig verdecken.

Ein Quantum Action

Wegen Ereignissen, die sich im letzten „Captain America“-Film abgespielt haben, an die man sich aber nicht weiter erinnern muss, sitzt Lang zu Beginn von „Ant-Man and the Wasp“ mit elektronischer Fußfessel zuhause. Während das FBI in Person von Jimmy Woo (Randall Park) nur darauf wartet, dass er endlich seine Auflagen bricht und dadurch erpressbar wird, verwickeln ihn Pym und dessen Tochter Hope (Evangeline Lilly) – die als Wespenfrau schon am Ende des ersten Teils zur neuen Mitstreiterin wurde –, erneut in Aktionen, die weit über seinen (und unseren) physikalischen Kenntnisstand hinausgehen.

Es hat mit anderen Dimensionen zu tun und viel mit fiktiver Quanten-Physik, oder wie es Lang passend einwirft, als das Gespräch zwischen Pym und Hope mal wieder total über seinen Kopf geht: „Ihr setzt einfach vor jeden Begriff das Wort „Quantum“, oder?“

Der betont lockere Ton soll das Markenzeichen der „Ant-Man“-Serie sein, weshalb nicht nur Rudds Superheld die eine oder andere Pointe vom Stapel lässt, sondern mit fast jeder Nebenfigur eine Art Running Gag verbunden ist. Angefangen von Bobby Cannavale, der sich als neuer Mann der Ex immer übertrieben in Familienumarmungen stürzt, bis zu Jimmy Woo, der nie die richtigen coolen Formulierungen findet. Sobald Michael Pena und David Dastmalchian als Langs engste Mitarbeiter auftauchen, glaubt man sich mehr in einer Sketchparade als in einem Superheldenfilm. Was ja nicht unbedingt gegen den Film spricht.

Das Genre schreibt aber vor, das die Action-Szenen das Herzstück eines Superheldenfilms ausmachen, und in dieser Hinsicht enttäuscht „Ant-Man and the Wasp“. Das Rauf und Runter der Straßen San Franciscos haben Filme mit weniger Digitalbudget erheblich eindrucksvoller ausgenutzt, und überhaupt gibt es zu viele Szenen, in denen man Michael Douglas durch Computer generierte Nebelschwaden steuern sieht.

Schade ist auch, dass der Film zu oft die Vergrößerung als Handlungselement einsetzt, und weniger die Überraschungen, die ein auf Ameisenformat geschrumpfter Held bereiten kann. Eine Kampfszene in der Küche, in der Ant-Man und Wasp auf Messerspitzen surfen, mit Mehl werfen und andere Kochutensilien gegen den Strich nutzen, bleibt da leider ein einsamer Höhepunkt.