Film

Schwester Jodie wird’s schon richten

„Hotel Artemis“ ist ein schräger Endzeit-Thriller mit lauter Stars, die gegen ihr Image anspielen. Und ein Comeback für Jodie Foster.

Der Gangsterboss (Jeff Goldblum, l.) und sein Sohn (Zachary Quinto, Mi.) bei der Schwester (Jodie Foster)

Der Gangsterboss (Jeff Goldblum, l.) und sein Sohn (Zachary Quinto, Mi.) bei der Schwester (Jodie Foster)

Foto: - / dpa

Es war einmal eine Schauspielerin namens Jodie Foster. Man konnte mit ihr buchstäblich aufwachsen, hat sie von früh auf in „Taxi Driver“ als kleine Göre erleben können, ist mit ihr groß geworden. Und dabei hat sie sich zu einem immer größeren Star und dann sogar zu einer ziemlich erfolgreichen Regisseurin entwickelt.

Aber in den letzten Jahren hat sie sich eher rar gemacht. Ihr letzter Regiefilm, die Mediensatire „Money Monster“, war trotz Spitzenbesetzung mit George Clooney und Julia Roberts alles andere als ein Erfolg. Und als Schauspielerin war sie zuletzt im Science-Fiction-Film „Elysium“ vor fünf Jahren zu sehen – in einer Gastrolle.

Illegales Krankenhaus für Kriminelle

Nun aber kann man sie endlich mal wieder in einer Hauptrolle erleben. Und in was für einer. „Hotel Artemis“ ist eine ziemlich schräge Science-Fiction-Geschichte, die im Los Angeles von 2028 spielt. Wie so oft sieht die Zukunft ziemlich verheerend aus, die Stadt ist auf den Hund gekommen, ein Konzern dreht den Bewohnern das Wasser ab, auf den Straßen toben deshalb Krawalle und Gewalt. Und das Verbrechen lauert an jeder Straßenecke.

Gleich anfangs wird der Zuschauer mitten hineingestoßen in einen Bankraub, der komplett aus dem Ruder läuft und in einer wilden Schießerei endet. Nur drei Gangster können sich schwer verletzt retten und machen sich auf zum „Hotel Artemis“.

Wie es in den „John Wick“-Filmen mit Keanu Reeves das Hotel Continental für Profikiller gibt, in dem strenge Regeln gelten und keine Gewalt unter den Ballerkonkurrenten geduldet wird, ist das Hotel Artemis eine illegale Zufluchtsstätte für alle verwundeten Kriminellen mit gleichen Regeln. Freilich kein Fünf-Sterne-Refugium wie das Continental, sondern so schäbig und runtergekommen wie der Rest der Stadt.

Dieser Laden wird geleitet von einer knorrigen älteren Dame, die alle nur „The Nurse“, also Krankenschwester nennen. Obwohl sie eher die Chefärztin ist, ein „Cleaner“, der all die angeschossenen Klein- und Großganoven wieder zusammenflickt. Als solche hat Jodie Foster einen grandiosen Auftritt: aufgedunsen, mit strähnigem Haar, einer schmuddeligen Strickjacke, trippelt sie mit kleinen Schrittchen durch die endlosen Flure und grummelt und knurrt dabei mit quäkender, kaum zu verstehender Stimme ständig Sätze wie: „Kein Wasser in Los Angeles, aber hier drin regnet’s Arschlöcher.“ Das ist ganz klar der obskurste Star-Auftritt seit Frances McDormands Oscar-Performance in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“.

Und wirklich regnet es neue „Kunden“: Nicht nur die verwundeten Bankräuber, auch eine exotische Französin, die im Hotel einen ganz eigenen Plan verfolgt, einem Mädchen, das den richtigen Namen der Schwester kennt und offensichtlich auch noch mehr aus deren Vergangenheit. Und schließlich auch noch den Gangsterkönig der Stadt (Jeff Goldblum in einer Gastrolle), der sich als der Beraubte in der Bank erweist und hier auf seine Diebe trifft.

Keine Fortsetzung, kein Remake, kein Comicfilm und keine Buchadaption – eine originäre Science-Fiction-Dystopie, das hat im Hollywood dieser Tage schon fast Seltenheitswert. Und Drew Pearce hat zwar die Drehbücher zu „Iron Man“ und „Mission Impossible: Rogue Nation“ geschrieben, ist aber noch relativ unbekannt und darf hier sein Regiedebüt feiern.

Und das birst geradezu vor Ideen, Gags und Fabulierlust, auch wenn man bei den vielen überraschenden Hotelgästen irgendwann den Überblick verlieren kann und der Film auch über manchen Ball, den er in die Luft wirft, stolpert.

Das Hübsche aber: Fast jeder in dieser star-trächtigen Besetzung war schon mal in einem anderen Science-Fiction- oder Comic-Franchise zu sehen: Dave Bautista, der Drax aus „Guardians of the Galaxy“, gibt den Bodyguard der Schwester, Zachary Quinto, der Spock aus „Star Trek“, ist der hypernervöse Sohn des Gangsterbosses. Auch Jeff Goldblum hat so seine Sci-Fi-Erfahrung mit „Jurassic Park“ und „Independence Day“. Dann sind noch Sterling K. Brown aus „Black Panther“ und Sofia Boutella, ebenfalls aus „Star Trek“, dabei. Und auch Frau Foster ist in dem Genre bewandert, von „Elysium“ bis zu ihrem Regiefilm „Contact“. Ein einziger Sci-Fi-Inzest also, bei dem alle Beteiligten mit Lust gegen das Genre – und gegen ihr Image – spielen.

Über allem thront die Schwester, die, wie sich herausstellt, eine schwere Phobie hat und sich nicht vor die Tür traut. Am Ende, wenn ihre Zuflucht nur noch ein einziges Chaos ist, wagt sie doch den Schritt hinaus in die unruhige Welt da draußen. Wollen wir hoffen, dass auch Jodie Foster sich wieder mehr hinauswagt mit solch herrlich schrägen, ungewöhnlichen Filmen.