Lange hatten die Fans auf diesen Moment gewartet - Guns N’Roses, die Rock-Götter der 1980er- und 1990er-Jahre, spielten am Sonntag nach langer Pause endlich wieder in Berlin, eröffneten im Olympiastadion ihre „Not In This Lifetime“-Tour - und das sogar in weitgehend klassischer Besetzung mit Axl Rose (Vocals), Slash an der Leadgitarre und „Duff“ McKagan am Bass.

Aus allen teilen Deutschlands und sogar aus dem Ausland waren die Fans nach Berlin gekommen, hatten Eintrittspreise ab 86,70 Euro für das billigste Ticket gezahlt. „Die Band ist ein Teil meiner Jugend. Es fühlt sich an wie eine Zeitreise“, sagte Anja aus Friedrichshain vor Konzertbeginn voller Enthusiasmus der Berliner Morgenpost. Ihre Tochter Helene, trotz ihres jugendlichen Alters von 16 Jahren ebenfalls hartgesottener Fan, war ebenfalls voller Vorfreude. „Slash ist mein Idol. Ich spiele selbst Gitarre und liebe ihn einfach“, sagte sie der Berliner Morgenpost.

Guns N’ Roses in Berlin

Xi Chen (21, l.) und Runquan Yang (21): "Seit ich 16 bin, liebe ich diese Band", sagt Runquan. "Ich spiele Gitarre und habe eine eigene Band. Seit ich 'Sweet Child O Mine' zum ersten Mal gehört habe, bin ich Fan."
Xi Chen (21, l.) und Runquan Yang (21): "Seit ich 16 bin, liebe ich diese Band", sagt Runquan. "Ich spiele Gitarre und habe eine eigene Band. Seit ich 'Sweet Child O Mine' zum ersten Mal gehört habe, bin ich Fan."© Milica Nikolic
Anja (40) und Helene (16) aus Friedrichshain:  Helene ist Fan, seit sie zum ersten Mal "Use Your Illusion 1" gehört hat. "Slash ist mein Idol. Ich spiele selbst Gitarre und liebe ihn einfach." "Die Band ist Teil meiner Jugend. Es fühlt sich an wie eine Zeitreise", meint Anja.
Anja (40) und Helene (16) aus Friedrichshain: Helene ist Fan, seit sie zum ersten Mal "Use Your Illusion 1" gehört hat. "Slash ist mein Idol. Ich spiele selbst Gitarre und liebe ihn einfach." "Die Band ist Teil meiner Jugend. Es fühlt sich an wie eine Zeitreise", meint Anja.© Milica Nikolic
Michelle Runge (34), Rico Runge (40) und Tochter Michelle (15) sind extra aus Usedom gekommen. "Unsere Tochter ist mit der Musik aufgewachsen. Wir versuchen, sie auf jedes Konzert mitzuschleppen. Man weiß nie, wann es das letzte sein wird."
Michelle Runge (34), Rico Runge (40) und Tochter Michelle (15) sind extra aus Usedom gekommen. "Unsere Tochter ist mit der Musik aufgewachsen. Wir versuchen, sie auf jedes Konzert mitzuschleppen. Man weiß nie, wann es das letzte sein wird."© Milica Nikolic
Patricia (30) und Mario Bauer (33)  sind aus Österreich nach Berlin gekommen. "Es ist die Band unserer Jugendzeit. 'November Rain' ist unser absolutes Lieblingslied."
Patricia (30) und Mario Bauer (33) sind aus Österreich nach Berlin gekommen. "Es ist die Band unserer Jugendzeit. 'November Rain' ist unser absolutes Lieblingslied."© Milica Nikolic
Kathrin Bohnet (37) und Mario Bohnet (41) kommen aus Sachsen-Anhalt. "Selbst unser Kind (7) liebt diese Band und singt fast jedes Lied mit. Es hat geweint, weil es nicht mitkommen konnte."
Kathrin Bohnet (37) und Mario Bohnet (41) kommen aus Sachsen-Anhalt. "Selbst unser Kind (7) liebt diese Band und singt fast jedes Lied mit. Es hat geweint, weil es nicht mitkommen konnte."© Milica Nikolic
Mandy Stößel (l.) und Gaby Kunert kommen aus Bad Neustadt. "Wir sind Kolleginnen und lieben die Band. "Für mich stand fest, dass ich gehe aber nicht alleine", sagt Gaby. "Weil ich wusste, dass meine Kollegin die Band auch so liebt, habe ich sie sofort gefragt."
Mandy Stößel (l.) und Gaby Kunert kommen aus Bad Neustadt. "Wir sind Kolleginnen und lieben die Band. "Für mich stand fest, dass ich gehe aber nicht alleine", sagt Gaby. "Weil ich wusste, dass meine Kollegin die Band auch so liebt, habe ich sie sofort gefragt."© Milica Niklolic | Milica Nikolic
Am S-Bahnhof Olympiastadion drängen sich die anreisenden Fans.
Am S-Bahnhof Olympiastadion drängen sich die anreisenden Fans.© Milica Nikolic | Milica Nikolic
Viel Konzertbesucher waren schon am Nachmittag am Olympiastadion angekommen.
Viel Konzertbesucher waren schon am Nachmittag am Olympiastadion angekommen.© Milica Nikolic | Milica Nikolic
Viel versuchten noch, vor dem Stadion an Karten zu kommen.
Viel versuchten noch, vor dem Stadion an Karten zu kommen.© Milica Nikolic | Milica Nikolic
Das Konzert ist nicht ausverkauft. 85 Euro teure Tribünenkarten wurden für 35 bis 55 Euro angeboten.
Das Konzert ist nicht ausverkauft. 85 Euro teure Tribünenkarten wurden für 35 bis 55 Euro angeboten.© BM | BM
Die Fans müssen sich noch gedulden. Zunächst treten mehrere Vorbands, u.a. die Manic Street Preachers, auf.
Die Fans müssen sich noch gedulden. Zunächst treten mehrere Vorbands, u.a. die Manic Street Preachers, auf.© BM | BM

Ob ihre Begeisterung am Montag immer noch so groß ist? Das Konzert hinterließ bei den Fans einen, gelinde gesagt, gemischten Eindruck. Schon während der Show äußerten viele in den sozialen Medien ihren Unmut über Axl Roses stimmliche Aussetzer und vor allem die miserable Soundqualität in einigen Bereichen des Olympiastadions. „Katastrophenauftritt, schade fürs Geld“, schimpfte Parvis S. auf der Facebook-Seite der Morgenpost. „Übel, übel, haben 19.48 Uhr das Stadion verlassen“, zürnte Olivia Q. „Die Akustik ist im Olympiastadion immer mies. Deswegen gehe ich da seit Jahren nicht mehr hin“, ergänzte Adolar v. E.

Nach Konzert im Olympiastadion - Petition im Internet: Fans wollen Geld zurück

Anderen Fans genügte es nicht, ihren Zorn in den sozialen Medien loszuwerden. „Guns N’ Roses at Olympiastadion Berlin - Get my money back“ ist eine Petition auf der Plattform Change.org, die bis zum Montagabend mehr als 1100 Menschen unterschrieben hatten. „Der Sound war so schlecht, dass die Leute nicht einmal die Songs erkennen konnten“, heißt es dort. Und weiter: "Viele Fans haben das Konzert deswegen vorzeitig verlassen, weil sie überhaupt keinen Spaß hatten.“

Die Unterzeichner wollen das Geld für die Tickets erstattet bekommen - eine Forderung, mit der sie aber wohl keine Aussicht auf Erfolg haben dürften. Dafür verleihen die Unterzeichner ihrem Frust in deutlichen Worten Ausdruck. „Das war mit ABSTAND das Schlechteste, was mir je untergekommen ist“, schreibt Katrin B. „Da freut man sich monatelang auf dieses Konzert und bekommt dann so etwas geboten. Wir haben gar nichts gehört...“

Trotz der großen Enttäuschung gibt es aber auch Fans, die den Abend offenkundig genossen haben - auch wenn sie dafür deutlich mehr Geld ausgeben mussten als andere. „Also mal jenseits von Axl (manche Songs so, manche so) knallte es vorne im FOS 1-Bereich (FOS = Front of Stage, Anmerkung der Redaktion) ordentlich gut. Drums/Bass kickten in der Magengrube und die Gitarrensoli waren der Hammer“, schreibt Falk B. Und auch Marilyn T. zeigte sich mit dem Konzert sehr zufrieden. „Ich fühlte mich toll unterhalten. War richtig super (FOS2). Verstehe das Gemecker nicht. Es war ein Rockkonzert in einem Sportstadion. Wer Akustik will, sollte sich vor seinen Dolby Surround-Fernseher setzten und sich dort den perfekten Klang reinziehen.“

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tok