Ein minutenlanges, fulminantes Gitarrensolo schallt durchs Olympiastadion, Hardrock trifft auf „Speak Softly, Love“ aus dem ersten Teil von „Der Pate“, bevor sich das Ganze im Welthit „Sweet Child O‘ Mine“ auflöst. Doch so beeindruckend kommt der Auftakt der Europa-Tournee „Not In This Lifetime“ von Guns N‘ Roses leider nur stellenweise daher, denn der Klang lässt an diesem Sonntag zu wünschen übrig.

Donnerstag

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Die Show im Olympiastadion beginnt mit dem Song „It’s so Easy“ vom Debütalbum „Appetite For Destruction“. Durchaus energiegeladen nehmen die sechs Musiker um Axl Rose und Slash die Bühne ein, doch schnell fällt auf, dass der Sound eindimensional und aufdringlich ist, hinzu kommt, dass die Stimme des Sängers stellenweise kaum oder gar nicht zu hören ist, was zu lebhaften Debatten im Publikum führt; man ist sich bis zum Schluss nicht einig, ob diese Gesangsausfälle an Rose oder an der Technik liegen.

Erst 2016 kam es zur Wiedervereinigung der Band aus Los Angeles, die seit 2012 einen Platz in der Rock and Roll Hall of Fame einnimmt. Wie der Name der Tour „Not In This Lifetime“ verrät, hatte Sänger Axl Rose noch vor einigen Jahren abgestritten, dass er jemals wieder mit Gitarrist Slash auf der Bühne stehen würde, zur Freude der Fans kam es anders.

Die Akustik bleibt unbefriedigend

Es folgt „Mr. Brownstone“, eine Nummer, in der es um Heroin-Konsum geht. Die Band, die sich schon immer zwischen den Prädikaten „Klassiker“ und „Klischee“ bewegte, wird von Feuerwerk begleitet, dazu schießen meterhohe Flammen auf der Bühne empor. Kurze Zeit später spielen sie „Welcome To The Jungle“, Slashs Gitarrensolo liefert das erste Highlight. In ähnlicher Weise wird Slash an diesem Abend immer wieder die Fans begeistern, die es auf den Rängen spätestens beim Refrain von ihren Sitzen reißt.

Auch während des Songs „Double Talkin‘“ überzeugt Slash. Der Gitarrist mit dem markanten Outfit nimmt im Laufschritt einige Stufen, ohne sein Spiel zu unterbrechen, und springt dann mit Leichtigkeit zurück auf die Bühne. Man merkt ihm kaum an, dass er nächsten Monat 53 Jahre alt wird.

Natürlich hat es optische Veränderungen bei den frühen Mitgliedern der Band gegeben, die einst aufgrund ihrer hedonistischen Lebensführung als „gefährlichste Band der Welt“ bekannt war. Auch das Publikum ist älter geworden, die Zeiten haben sich geändert, man raucht jetzt E-Zigarette statt Joint während des Konzerts und anstelle von Feuerzeugen reckt man während der Balladen Handylichter in die Höhe.

Zwischendurch darf Duff McKagan das Mikro für einen Song übernehmen. Dem Bassisten, der wie Slash und Rose seit 1985 in der Band ist, wird nachgesagt, dass er im Laufe seines Lebens 133 Autos gestohlen haben soll. Zwar ist sein Gesang besser verständlich als der des Lead-Sängers, doch die Akustik bleibt weiterhin unbefriedigend.

Verschwenderisches Feuerwerk zum Abschluss

Während die Fans bei Songs wie „Sweet Child O‘ Mine“ und „November Rain“ kaum an sich halten können, veranlassen vor allem die Lieder des letzten Albums „Chinese Democracy“ das Publikum immer wieder zu Verschnaufpausen. Das abwechselnde Hinsetzen und Aufstehen auf den Rängen erinnert dabei entfernt an eine katholische Messe.

Die Band beendet ihr Konzert mit einem Knall. Zu den Akkorden von „Paradise City“ wird ein geradezu verschwenderisches Feuerwerk abgebrannt, Goldregen geht auf das Publikum nieder. Slash und Rhythmusgitarrist Richard Fortus holen noch einmal alles aus ihren Instrumenten, bevor sie sich verabschieden und ihr Publikum in den Nebelschwaden des Feuerwerks mit einem Rauschen in den Ohren zurücklassen.

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