Nach Dercon-Abgang

Der Volksbühne droht jetzt eine Hängepartie

Die Nachfolge von Intendant Chris Dercon ist offen. Die Opposition sieht eine Mitschuld beim Kultursenator.

Wie es mit der Volksbühne weitergeht, ist derzeit völlig offen

Wie es mit der Volksbühne weitergeht, ist derzeit völlig offen

Foto: Sergej Glanze

Die Berliner Volksbühne muss sich nach der Trennung von ihrem umstrittenen Intendanten Chris Dercon auf eine Hängepartie einstellen. Im zuständigen Ausschuss des Abgeordnetenhauses fand Kultursenator Klaus Lederer (Linke) am Montag breite Unterstützung für seinen Kurs, die Nachfolgefrage in aller Ruhe zu klären. Auch Volksbühnen-Interimschef Klaus Dörr mahnte Geduld an.

Lederer sagte, zunächst gehe es darum, das Theater überhaupt wieder arbeitsfähig zu machen. Sämtliche Mitarbeiterverträge sollten deshalb wie vereinbart weiterlaufen. Dercon, als Nachfolger des langjährigen Theaterchefs Frank Castorf von Anfang an umstritten, hatte vergangene Woche überraschend seinen Rücktritt erklärt. Nach Darstellung von Lederer im Kulturausschuss war die Trennung unvermeidbar. So habe es schon im November Anzeichen gegeben, dass Dercons Konzept finanziell nicht aufgehe. "Es gab keinerlei Ansatz, keine Idee, wo es hingehen sollte", so Lederer. Zwar wies er Berichte zurück, die Bühne stehe kurz vor dem Ruin. Zugleich schloss er jedoch nicht aus, dass zusätzliche öffentliche Mittel nötig sein könnten. Der Grünen-Abgeordnete Daniel Wesener forderte einen schriftlichen Bericht zur Finanzlage des Hauses.

Vertreter der Opposition gaben dem Regierungschef Michael Müller, dem früheren Kulturstaatssekretär Tim Renner (beide SPD) und Lederer eine Mitschuld an dem Debakel. "Vonseiten der Exekutive ist alles getan worden, dass das Konzept Dercon scheitert", sagte der CDU-Abgeordnete Robbin Juhnke.

Der kurzfristig berufene Interimschef Klaus Dörr brachte eine Führungsstruktur mit mehreren Personen ins Gespräch. Angesichts "der Bedeutung der Ära Frank Castorfs", der das Haus 25 Jahre geleitet hatte, halte er es fast für ausgeschlossen, dass ein einzelner Intendant die Aufgabe schaffe.

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