Film

Jim Knopf im Kino: Die Erfüllung eines Kindheitstraums

Dennis Gansel hat den Kinderbuchklassiker „Jim Knopf“ verfilmt. Ein echtes Kulturgut. Jetzt hat er Sorge, ob die Fans seine Version akzeptieren.

Foto: Warner Bros.

Berlin. Als Kind musste er nicht nur sofort die Michael-Ende-Verfilmung „Die unendliche Geschichte“ im Kino sehen, er hat seine Eltern auch so lange bekniet, bis sie mit ihm in den Bavaria Filmstadt fuhren, wo er auf dem Glücksdrachen Fuchur reiten konnte. Vor allem aber liebte Dennis Gansel Endes „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“. Jetzt hat der Regisseur („Die Welle“, „Napola“) den Stoff als Realfilm adaptiert. In den Filmstudios Babelsberg, aber teils auch in der Bavaria. Mit einem Budget von 25 Millionen Euro ist dies eine der teuersten deutschen Produktionen, die je realisiert wurden. Bleibt die Sorge, ob der Film, der am Donnerstag ins Kino kommt, das je wieder einspielt. Wir sprachen den Regisseur nach der Berlin-Premiere seines Films.

Berliner Morgenpost: Philipp Stölzl hat Winnetou neu verfilmt, Andreas Dresen „Timm Thaler“, Sie jetzt „Jim Knopf“. Woher kommt diese Lust an Neuadaptionen von Klassikern aus der eigenen Kindheit?

Dennis Gansel: Bei mir war das einfach die erste Kindheitsgeschichte, die mich total fasziniert hat. Ich habe auch Astrid Lindgrens Bücher geliebt, aber fasziniert hat mich „Jim Knopf“ mit seinen riesengroßen Welten. Wahrscheinlich ist das bei den Kollegen auch so, dass das einfach Stoffe waren, die sie total geprägt und geformt haben. Da ergreift man gern die Chance, der Geschichte einen eigenen Stempel aufzudrücken.

Es gibt „Jim Knopf“-Fans, die auf das Buch schwören, und es gibt die, die das eher mit der Augsburger Puppenkiste verbinden. Bei Ihnen war es aber weder noch?

Genau. Ich bin ein klassisches Kassettenkind. Die Hörspielkassetten, die Michal Ende selbst gesprochen hat, habe ich immer bei einem Kumpel gehört, der hatte die, wollte sie aber nie ausleihen. Da musste ich mir auf dem Nachhauseweg immer ausmalen, wie das weitergehen wird, bis wir bei meinen nächsten Besuch weiterhörten. Das ich mir in den Zwangspausen was ausdenken musste, hat die Faszination wahrscheinlich noch verstärkt. Das Buch, auch die Augsburger Puppenkiste kam erst später. Das Hörspiel aber habe ich Hunderte Male gehört, das konnte ich fast auswendig.

Der Film war 15 Jahre in der Entwicklung und ursprünglich international geplant, da wurden für den Lukas Namen wie Gerard Depardieu oder John Goodman gehandelt. War es am Ende besser, es als rein deutsche Produktion zu drehen? Weil es doch ein Stück deutsches Kulturgut ist?

Ich finde ja. Ich war auch lange der Überzeugung, es müsste international werden. Aber die Finanzierung hat sich als sehr schwierig erwiesen. Irgendwann habe ich mich gefragt: Warum willst du das partout auf Englisch drehen? Endes Namen kennt man auch im Ausland, aber die Liebe und Bekanntheit, die die Geschichte genießt, hat er dort gar nicht. Deshalb dachte ich, mach’s lieber regionaler, aber authentisch.

Das hat man ja auch Wolfgang Petersens Verfilmung der „Unendlichen Geschichte“ vor 30 Jahren vorgeworfen, dass sie zu amerikanisch geraten ist.

Ich hab den Film als Kind geliebt, aber Michael Ende hat ihn damals nicht gemocht. Und das war uns ganz wichtig: dass uns eine Adaption gelingt, mit der er auch glücklich geworden wäre.

Stimmt es, dass Sie erst 2012 durch Zufall mit an Bord gekommen sind, um Aufnahmen mit Shirley MacLaine zu machen?

Genau. Da hatte man noch international gedacht, und Shirley MacLaine sollte den Drachen Frau Mahlzahn sprechen. Ich bin damals eingesprungen für einen guten Freund, der für die Regie vorgesehen war. Der hat dann von dem Projekt Abstand genommen, er glaubte wohl nach all dem Hin und Her nicht mehr daran, dass der Film noch zustande kommt. Ich kenne den Produzenten Christian Becker gut, seit wir mal eine WG zusammen hatten. Ich wusste also schon von dem Projekt. Aber dass ich das machen würde, war nicht abzusehen. Ich kam dazu wie die Jungfrau zum Kinde.

Und wie fühlten Sie sich dann als Jim-Knopf-Fan, als Sie selber in den Filmsets von Lummerland und Mandala standen?

Wie ein kleiner Junge. Ich hab das früher im Sandkasten ja alles nachgespielt. Wir haben alle unser Spielzeug zusammen getan, um diese Welten erstehen zu lassen. Dann in realen Bauten zu stehen, das war unbeschreiblich.

Der Film wurde im Studio Babelsberg gedreht, aber auch in der Bavaria in München und sogar in Südafrika. Wie bewältigt man das alles logistisch?

Mit tollen Leuten. Das ist eine Mammutaufgabe, aber mit den richtigen Leuten kriegt man das hin und dann macht es auch Spaß. Viele hatten Lust, dabei zu sein, weil in Deutschland normalerweise kein Projekt von so einer Größenordnung und auch kein Genre gemacht wird. Ich habe jahrelang für Genrefilme gekämpft. Nie schien das zu gehen. Jetzt geht es plötzlich, da reibt man sich verblüfft die Augen: in den neuen Serienformaten. Das schlägt hoffentlich auch aufs Kino zurück.

Und die Kulissen sind jetzt Teil der Studiotour in Babelsberg?

Genau. Die Sets von Lummerland stehen noch da, und mit der Lokomotive Emma kann man sogar fahren. Das ist natürlich prima: Sollten wir, wenn der Film Erfolg hat, auch das zweite Buch „Jim Knopf und die Wilde 13“ verfilmen, kann man das alles wiederverwenden.

Wie nervös sind Sie jetzt, ob der Film auch ankommt? Immerhin hat der Stoff ganze Generationen von Kindern geprägt. Spürt man da eine besondere Verantwortung?

Ja, unbedingt. Ich habe mich selber immer geärgert, wenn Lieblingsbücher verfilmt wurden und alles verändert wurde. Ich wollte deshalb möglichst werkgetreu sein. Vor vier Wochen habe ich noch gebibbert: Hoffentlich hast du’s nicht versaut. Aber bei der Premiere und ersten Testscreenings ist der Film gut angekommen, von daher bin ich jetzt etwas gelassener.

Es lastet auch ein großer finanzieller Druck auf Ihrem Film. Man wird nicht müde zu betonen, dass er eine der teuersten deutschen Produktionen aller Zeiten ist.

Das ist die Restsorge, die bleibt. Das Budget war schon riesig, da müssen etliche Leute ins Kino gehen, bis das sich einspielt. Und der Produzent ist ein enger Freund. Da will man nicht versagen. Aber wir bieten eine überbordende Fantasiewelt, etwas, was dem deutschen Kino wirklich fehlt. Das kostet halt auch.

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