Konzert in Berlin

Bei ZAZ springt trotz Paris-Romantik der Funke nicht über

Lange bleibt das Konzert der französischen Sängerin ZAZ in der Max-Schmeling-Halle eher verhalten. Bis endlich die Hits kommen.

ZAZ im Anzug

ZAZ im Anzug

Foto: picture-alliance

Es ist schon verrückt: Da bemüht man sich um ein vereinigtes Europa und weiß in der Regel noch nicht einmal, was sich in der Pop-Landschaft der Nachbarländer abspielt. Eine Ausnahme bildet seit längerem die in Tours geborene, in Paris beheimatete Isabelle Geoffroy alias ZAZ, die mittlerweile ohne Probleme Konzerthäuser in Belgien, Polen und Deutschland voll bekommt.

Auch die Max-Schmeling-Halle ist mit mehr als 3000 Gästen gut besucht, als die 36-Jährige Französin in schwarzem Blazer und streng bis oben zugeknöpftem Hemd die Bühne betritt. Von der hibbeligen, hippiesken Newcomerin, die im Jahr 2010 ihr gefeiertes Debüt gab, ist nur noch wenig zu spüren. Begleitet von einer siebenköpfigen Band beginnt die Grande Dame in spe ihren Auftritt mit „Paris sera toujours Paris“, einem Klassiker von Maurice Chevalier, den die ehemalige Straßenmusikerin für ihr Cover-Album „Paris“ neu aufgenommen hat. Es ist nur eine von vielen Liebeserklärungen an ihre Heimatstadt, stilecht vorgetragen mit schwelgerischem Akkordeon, Kontrabass und perlender Gitarre. Den Bühnenhintergrund bilden Stadtansichten mit den kleinen charakteristischen Schornsteinen.

Sehnsucht nach Paris

ZAZ' Grenzen überschreitender Erfolg hängt natürlich auch damit zusammen, dass sie die Sehnsucht nach einem Paris bedient, das es so wohl nie gegeben hat. Man denkt bei ihrer Musik nicht an die Banlieues, den Uringeruch oder die spitzen Beton-Poller, die verhindern sollen, dass sich die unzähligen Obdachlosen unter Brücken schlafen legen. ZAZ' Paris beschwört ein mystisches Arkadien, an dem sich von Baz Luhrman („Moulin Rouge!“) bis Woody Allen („Midnight in Paris“) schon unzählige Künstler abgearbeitet haben. Belle Epoque, Savoir Vivre, Montmartre im Mondlicht, Baskenmütze und Baguette.

Zum Glück kann und will die klassisch ausgebildete Musikerin mehr als nur eine diffuse frankophile Nostalgie befriedigen. Mal spielt sie wie Jean-Michel Jarre im sich kreuzenden Scheinwerfer-Licht das Theremin, mal steigert sie sich, wie im Song „Déterre“, auf Knien rutschend in harten Synthie-Rock. "Si jamais j'oublie" bekommt live einen Country-Einschlag verpasst, und beim Édith-Piaf-Cover „Dans ma rue“ wird die Stimmung geradezu finster.

Die Hits kommen zuletzt

Vielleicht liegt es auch an dieser stilistischen Vielseitigkeit, dass trotz ihrer virtuos aufspielenden Band und mehreren Kostümwechseln, der Funke lange Zeit nicht richtig überspringen will. So ist „lauter!“ dann auch das einzige deutsche Wort, das ZAZ mehrmals im Laufe des Abends über die Lippen dringt.

Erst bei den bis zum Ende aufgesparten Single-Hits „On ira“ und „Je veux“ kommt endlich flächendeckend Bewegung in die Menge. ZAZ, die mittlerweile einen luftigen Hosenanzug mit Nadelstreifen trägt, hüpft auch nach knapp zwei Stunden auf und ab wie ein Fliegengewicht in der ersten Runde. Zwischendurch hält sie immer wieder das Mikro in die Menge, wobei die Energie zwischen den laut zurückschallenden Refrains immer wieder einbricht. „Ihr könnt auch einfach ‚lalala’ singen wenn ihr kein französisch versteht“ sagt sie und lächelt dazu ihr charmantes, breitestes Lächeln. Die Zuschauer verstehen sofort und lassen sich nicht lange bitten: „Je veux d’l'amour LALALA!“ „La bonne humeur LALALA!“ „Liberté, oubliez, vos clichés LALALA!“ Völkerverständigung kann so einfach sein.