Die Jury hat geurteilt und den Entwurf des Schweizer Architekturbüros Herzog & de Meuron zum Wettbewerbssieger für das geplante Museum der Moderne in Berlin gekürt. Während Befürworter wie die Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) den „grandiosen Entwurf“ lobten, reagierten andere entsetzt und sprachen wie der Berliner Architekt Stefan Braunfels von einem „Designer-Oktoberfestzelt mit dem Charme einer Messehalle“. Ab sofort können sich nun alle Berliner selbst ein Bild davon machen, ob der Entwurf der Schweizer auch ihr persönlicher Favorit gewesen wäre. Seit Freitag sind die Entwürfe aller 42 Finalisten im Kulturforum auf dem Matthäikirchplatz zu sehen.

Bei den Entwürfen, die es in die zweite Runde geschafft haben, zeigt sich, dass die Aufgabenstellung durchaus unterschiedlich interpretiert wurde. So hat etwa der in Berlin mit vielen Arbeiten vertretene Architekt Max Dudler gleich einen ganzen Museumscampus konzipiert, der wie ein Fabrikkomplex aus dem 20. Jahrhundert wirkt. Anstelle des Fabrikschlotes steht allerdings ein Punkthochhaus an der Potsdamer Straße.
Einen ganz anderen Weg schlägt das japanische Team Kazuyo Sejima + Ryue Nishizawa vor: Sie plädieren für „einen Park im Museum in Form eines großen öffentliche Wintergartens“, in denen sich die Kunst wie in einem Großstadtdschungel versteckt.
Die Idee, das Museum in einem transparenten Glaskasten einzuquartieren und damit dem Gebäudeensemble auf dem Kulturforum nicht noch einen weiteren aufsehenerregenden Solitär hinzuzufügen, hatten nicht nur die Japaner. Unter den ausgestellten Entwürfen finden sich die unterschieldichten Glashäuser.
Die Bevorzugung transparenter Baustoffe kommt nicht von ungefähr: Der Neubau muss sich immerhin unter architektonischen Highlights wie der unmittelbar benachbarten St. Matthäuskirche, der Nationalgalerie von Mies van der Rohe, der Philharmonie Scharouns und der Staatsbibliothek behaupten. In dieser Situation ein möglichst unauffälliges Gebäude zu entwerfen, liegt da nahe.
Offenbar aus dem gleichen Grund der vornehmen Zurückhaltung ist auch der praktische, aber wenig aufsehenerregende Messehallentypus vertreten. Und eine weitere Arbeit erinnert doch sehr an ein Einkaufszentrum aus den 1990er Jahren - inklusive eines Anbaus, der original aussieht wie eine Parkhausspindel für Autofahrer.
Extrem unterschiedliche Lösungen
„Wir waren von der hohen Qualität der Beiträge sehr angetan“, würdigte Arno Lederer, der Vorsitzendes Preisgerichts, ausdrücklich alle Wettbewerbsarbeiten. Alle Arbeiten würden zwar extrem unterschiedliche Lösungen aufzeigen. „Aber genau das hatten wir uns ja erhofft“, so Lederer weiter. Das Museum soll bis 2021, spätestens 2022 zwischen der Berliner Philharmonie und der Neuen Nationalgalerie in der Nähe des Potsdamer Platzes entstehen. In ihm sollen die öffentlichen Bestände zur Klassischen Moderne sowie mehrere Privatsammlungen unterkommen.Der Bundestag hat für das ambitionierte Projekt 200 Millionen Euro bewilligt.
Ausstellung: Alle Wettbewerbsteilnehmer sind vom 18. November 2016 bis 8. Januar 2017 im Kulturforum, Matthäikirchplatz, 10785 Berlin zu sehen. Öffnungszeiten: Di., Mi., Fr. 10–18 Uhr; Do. 10–20 Uhr; Sa., So. 11–18 Uhr. Eintritt frei.


