Museum in Berlin

Harsche Kritik an Siegerentwurf für Museum der Moderne

Museum des 20. Jahrhunderts: Architekt kritisiert Siegerentwurf als städtebaulich misslungen. Seine Kollegen sind bislang zurückhaltend

Museum der Moderne: Architekt kritisiert Siegerentwurf. Kollegen sind zurückhaltend

Museum der Moderne: Architekt kritisiert Siegerentwurf. Kollegen sind zurückhaltend

Foto: © Herzog & de Meuron Basel Ltd., Basel, Schweiz mit Vogt Landschaftsarchitekten AG, Zürich/Berlin

Für Senatsbaudirektorin Regula Lüscher ist es „ein kongenialer Entwurf, ein Haus mit Charakter“, für Architekt Stephan Braunfels gerade mal „ein Bierzelt, das wie ein Billigdiscounter ohne Bezug zu seiner Umgebung auf dem Kulturforum steht“. Harte Worte! Der am Donnerstag öffentlich präsentierte Siegerentwurf der Schweizer Star-Architekten Herzog & de Meuron für das Neue Museum der Moderne am Kulturforum stößt bei Braunfels auf vehemente Kritik, ja, mehr noch totale Ablehnung.

Kommentar: Der Grundgedanke des Museums ist gut

Der Architekt, der zuletzt Anfang September bundesweit Aufsehen erregte, als er mitten in der Erweiterung des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses am Reichstagsufer dem Bund kündigte, sagt: „So kann man doch nicht an dieser Stelle, an diesem überaus komplizierten städtebaulichen Beziehungsgeflecht am Kulturforum planen“.

„Man kann an dieser Stelle keinen Riegelbau hinknallen“

Dass er als Architekt des unstrittig angesehenen Baus der Pinakothek der Moderne in München und Planer weiterer internationaler Museen nicht zu diesem wichtigen Wettbewerb eingeladen und zudem auch seine Bewerbung abgelehnt wurde, ärgere ihn sehr, gesteht Braunfels ganz offen. Innen sei der Entwurf ja toll, aber man könne doch nicht zwischen Mies van der Rohes Neuer Nationalgalerie und Scharouns Philharmonie einen solchen Riegelbau hinknallen. „Das geht doch nicht, das steht doch da wie ein Solitär“ wettert er.

Museum des 20. Jahrhunderts: Siegerentwurf von Herzog & de Meuron

Mit seiner vehementen Ablehnung des Siegerentwurfs steht Braunsfels allerdings im Kreise seiner renommierten Kollegen bislang allein. Nicht nur die Jury, die einstimmig für die Arbeit der Schweizer Architekten votierte, auch Planer, die selbst an dem Wettbewerb teilgenommen haben, betrachten die Entscheidung für den Siegerentwurf von Herzog & de Meuron eher gelassen. So sagt der Berliner Architekt Volker Staab, der für seinen „nicht so hermetischen Entwurf eines eher durchlässigeren Pavillonsystems“ mit einem der vier Anerkennungspreise gewürdigt wurde, „ich vertraue einfach diesem sehr arrivierten Büro, das bislang sehr anerkannte Projekte realisiert hat.“

Man müsse doch erst einmal abwarten , wie die genauen Pläne aussehen, so Staab. Ähnlich zurückhaltend äußerte sich am Freitag auch Max Dudler auf Nachfrage der Berliner Morgenpost. „Ich finde den Entwurf interessant, aber ob er das Richtige für diesen Ort ist, wird man wohl auch noch diskutieren müssen“, sagt der Schweizer Architekt, der auch in Berlin ein Büro und als eingeladener Teilnehmer des Wettbewerbs einen Entwurf eingereicht hat, „der etwas mehr in die Höhe geht als der Siegerentwurf“.

Wie finden Sie den Entwurf für das Museum der Moderne?

Erstmal abwarten

Hochhaus-Experte und -Architekt Christof Langhof, Planer des Upper West am Tauentzien betont: „Ich halte es seit jeher grundsätzlich so, mich öffentlich nicht über Kollegen zu äußern.“ Es sei zu früh für eine Positionierung, die genauen Pläne seien ihm noch nicht bekannt, sagte gestern Jürgen Mayer H., der in der Szene als Trendsetter innovativer amorpher Bauten gilt und in Berlin aktuell ein Einkaufscenter plant . Sein Kollege Axel Schultes, der mit dem städtebaulichen Entwurf für das Band des Bundes an der Spree und dem Bau des Bundeskanzleramtes bekannt wurde, betonte ebenfalls, man müsse erst einmal die anderen Entwürfe kennen, bevor man dazu etwas sagt.

Sogar Hans Kollhoff, bekannt für seine klaren Worte und seine wertkonservative Architektur, sagte im Gespräch mit der Berliner Morgenpost: „Angesichts des langen Vorlauf für die Gestaltung des Kulturforums, sollte man doch jetzt grundsätzlich erst einmal auf das Ergebnis der Jury vertrauen. Der Entwurf muss sicher noch offen diskutiert werden, aber ich denke, letztlich wird man dann auch feststellen, dass der Entwurf gar nicht so schlecht ist“.

„Dieser Entwurf entzieht sich völlig den Standardvorstellungen"

Wie berichtet, planen Herzog & de Meuron ein äußerlich einfaches Backstein-Haus, das nach den Worten des Jury-Vorsirtzenden Arno Lederer Lagerhalle, Festzelt oder auch Tempel sein könnte. „Dieser Entwurf entzieht sich völlig den Standardvorstellungen, wie ein Museum an diesem Ort aussehen muss“, sagte Lederer bei der Päsentation des einstimmig prämierten Siegerentwurfs. „Er vertritt eine ganz eigene Position, die zurückhaltend und gleichzeitig ein starker Auftritt ist.“

Anders als Braunfels, betrachten die Basler Architekten Herzog & de Meuron ihren Siegerentwurf, der als Riegelbau an der Potsdamer Straße steht, durchaus als Einbindung in die bestehenden Gebäude und Freiräume am Kulturforum. Dort fehle „eine Verbbindung der unterschiedlichen Orte miteinander, wodurch heutige ‘Freiräume’ zu Plätzen werden könnten und die verloren wirkenden Architekturen der Neuen Nationalgalerie, Philharmonie. Kunstgewerbemsueum, Kupferstichkabinett und Gemäldegalerie zu wichtigen und gleichwertigen Akteuren in einem städtebaulichen Ganzen eingebunden werden“, so im Text zu dem Entwurf. Das Büro Herzog & de Meuron sieht nach eigenen Angaben gerade vielmehr gerade das, was Braunfels in seiner Kritik als misslungen betrachtet - das Verbinden und Vernetzen der vorhandenen Architekturen und Räumlichkeiten als eine Hauptaufgabe unseres Projektes für ein Museum des 20. Jahrhunderts“.

Themenwechsel am Kulturforum?

Matthias Sauerbruch von „Sauerbruch und Hutton“ bedauert allerdings, dass mit dem ausgewählten Entwurf ein deutlicher Themenwechsel am Kulturforum erfolge, die Idee der Stadtlandschaft von Hans Scharoun werde damit verlassen. An dieser Stelle ein solches Haus, wie es die Jury nenne, hinzustellen, sei äußerst eigenwillig und zumindest irritierend, meint der Berliner Planer. Wobei auch er betont: „Herzog & de Meuron sind so gute Architekten, dass ich davon ausgehe, dass sie mit ihrem Museumsbau etwas wirklich Gutes realiseren.“

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