Museumsinsel, Staatsoper, Philharmoniker - keine andere Stadt kann mit einem so hochkarätigen Kulturangebot aufwarten wie Berlin. Das Amt des obersten Kulturchefs in der Hauptstadt hat deshalb deutschlandweite Strahlkraft - auch wenn einige wichtige Institutionen unter Bundesregie stehen.

Klaus Lederer
Klaus Lederer © dpa | Britta Pedersen

Erstmals seit zehn Jahren wird die Verantwortung nun wieder in einem eigenständigen politischen Ressort gebündelt. „Gut so!“, jubelte der Deutsche Kulturrat am Mittwoch sogleich. Der 42-jährige Linken-Landeschef Klaus Lederer soll das Amt in der neuen rot-rot-grünen Landesregierung übernehmen.

Müller wollte Zusatzamt gern behalten

Der promovierte Jurist und Spitzenkandidat seiner Partei hatte schon im Wahlkampf seine Ambitionen auf die schönen Künste deutlich gemacht - und sich damit einen Rüffel des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller zugezogen. „Das ist nicht Demut und Respekt. Das sind Machtspielchen“, tadelte der SPD-Politiker seinen Koalitionspartner in spe.

Denn Müller hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er das von seinem Vorgänger Klaus Wowereit (SPD) ererbte Zusatzamt gern behalten hätte. „Ich fühle mich mit dem Ressort sehr wohl und glaube, dass es auch der Kultur etwas bringt“, sagte er im vergangenen Jahr.

Das sind Berlins neue Senatoren

Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop wird Senatorin für Wirtschaft und Energie.
Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop wird Senatorin für Wirtschaft und Energie.© picture alliance / dpa | Kay Nietfeld
Dirk Behrendt (Die Grünen) übernimmt das Ressort Justiz und Verbraucherschutz.
Dirk Behrendt (Die Grünen) übernimmt das Ressort Justiz und Verbraucherschutz.© Glanze/Berliner Morgenpost | Sergej Glanze
Die parteilose Regine Günther wurde von den Grünen als  Verkehrs- und Umweltsenatorin nominiert.
Die parteilose Regine Günther wurde von den Grünen als Verkehrs- und Umweltsenatorin nominiert.© picture-alliance/Sven Simon
Andreas Geisel (SPD) gibt das Ressort Stadtentwicklung ab und wird Nachfolger von Frank Henkel als Innensenator.
Andreas Geisel (SPD) gibt das Ressort Stadtentwicklung ab und wird Nachfolger von Frank Henkel als Innensenator.© dpa | Paul Zinken
Das Finanzressort bleibt in der Zuständigkeit von Matthias Kollatz-Ahnen (SPD).
Das Finanzressort bleibt in der Zuständigkeit von Matthias Kollatz-Ahnen (SPD).© picture alliance / dpa | dpa Picture-Alliance / Soeren Stache
Dilek Kolat (SPD), bisher Arbeitssenatorin, bekommt ein neues Ressort mit den Aufgabenbereichen Gesundheit, Verbraucherschutz und Frauen.
Dilek Kolat (SPD), bisher Arbeitssenatorin, bekommt ein neues Ressort mit den Aufgabenbereichen Gesundheit, Verbraucherschutz und Frauen.© Reto Klar | Reto Klar
Die Ressorts Bildung und Jugend bleiben bei Sandra Scheeres (SPD). Sie verliert aber ihre bisherige Zuständigkeit für Wissenschaft.
Die Ressorts Bildung und Jugend bleiben bei Sandra Scheeres (SPD). Sie verliert aber ihre bisherige Zuständigkeit für Wissenschaft.© picture alliance / dpa | dpa Picture-Alliance / Sophia Kembowski
Michael Müller bleibt nicht nur Regierender Bürgermeister, sondern übernimmt von Sandra Scheeres auch die Zuständigkeit für den Bereich Wissenschaft.
Michael Müller bleibt nicht nur Regierender Bürgermeister, sondern übernimmt von Sandra Scheeres auch die Zuständigkeit für den Bereich Wissenschaft.© dpa | Paul Zinken
Linken-Chef Klaus Lederer übernimmt sein Wunschressort und wird künftig für Kultur  zuständig sein.
Linken-Chef Klaus Lederer übernimmt sein Wunschressort und wird künftig für Kultur zuständig sein.© dpa | Britta Pedersen
Katrin Lompscher (Linke) war schon mal Umweltsenatorin. Nun übernimmt sie von Andreas Geisel das Ressort Stadtentwicklung.
Katrin Lompscher (Linke) war schon mal Umweltsenatorin. Nun übernimmt sie von Andreas Geisel das Ressort Stadtentwicklung.© picture alliance / dpa | dpa Picture-Alliance / Soeren Stache
Elke Breitenbach (Linke) erhält das Ressort Arbeit und Soziales.
Elke Breitenbach (Linke) erhält das Ressort Arbeit und Soziales.© Gabriele Senft/Elke Breitenbach | Gabriele Senft

Erfinder der Konstruktion war 2006 der damals frisch wiedergewählte Regierungschef Wowereit. Er berief den eher glücklos agierenden Linken-Politiker Thomas Flierl, heute 59, nach vierjähriger Amtszeit als Wissenschafts- und Kultursenator nicht wieder auf den prominenten Posten.

Ihn verband nicht nur eine herzliche Abneigung mit Flierl. Nach einem Debakel um die Einführung von Studiengebühren und ungeschicktem Agieren im Umgang mit Stasi-Opfern fürchtete er von seinem Kulturchef auch weitere Patzer - und nahm die Sache lieber selbst in die Hand.

Unter Wowereit entwickelte sich Berlin zur Kulturmetropole

Wowereit, Premierenstammgast mit Glamourfaktor, machte den Job selbst nach Meinung von Kritikern ausgesprochen gut. Unter seiner Ägide entwickelte sich die Bundeshauptstadt zu einer der angesagtesten Kulturmetropolen weltweit, ohne ihren Charme als schrille Szenehochburg zu verlieren.

Nachfolger Müller, langjähriger SPD-Fraktionschef und zuletzt Stadtentwicklungssenator, buk seit Wowereits Ausscheiden Ende 2014 kleinere Brötchen. Vor allem die Nachfolgeentscheidungen bei den Leuchtturm-Institutionen Berliner Ensemble, Volksbühne und Staatsballett sorgten für anhaltenden Ärger. Dennoch galt er zunehmend als gut vernetzt und Fürsprecher der Szene.

Zukunft von Tim Renner ungewiss

Offen blieb zunächst, was aus dem bisherigen Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) wird. Ist ein eigenständiges Ressort mit einem Jahresetat von gut 500 Millionen Euro überhaupt groß genug, um einen Senator und einen Staatssekretär zu beschäftigen? Und: Würde ein Linker einen SPD-Mann als Zuarbeiter wollen?

Allerdings hat sich Renner womöglich schon selbst aus dem Rennen gekegelt. Er verärgerte den künftigen Koalitionspartner im Wahlkampf mit einer saloppen SMS, die ungewollt durchsickerte. „... mit den Linken werde ich wenig zu lachen haben“, schrieb Renner. „Dass ich ihren Säulenheiligen F(rank) Castorf (von der Volksbühne) nicht verlängert haben, werden die mir nie verzeihen.“

dpa