Abstimmung

Wie finden Sie den Entwurf für das Museum der Moderne?

Das Architekturbüro Herzog & de Meuron überzeugt mit ihrem Entwurf des Museums am Kulturforum die Jury beim M20. Was sagen Sie?

„Sieht aus wie eine Skihütte“, meint spontan ein Kollege. Der Mann hat recht. Nur steht das Gebäude eben nicht in den Bergen, sondern wird künftig die Bauten am Kulturforum ergänzen – als Museum der Moderne (M20). Und dann diese Hütte! Der Siegerentwurf, der gestern im Beisein von Kulturstaatsministerin Monika Grütters vorgestellt wurde, stammt vom Basler Stararchitektenbüro Herzog & de Meuron – bei den Schweizern liegt die Assoziation an Wintersport gar nicht so fern. Jacques Herzog steht vorne auf dem kleinen Podium und sagt: „Ein entspanntes Haus für entspannte Berliner.“

Die Architekten bezeichnen das Museum einfach als „Haus aus Backstein“. Egal ob Lagerhalle, Reithalle oder Bahnhofshalle. Mit der Ambivalenz spielen sie ironisch. „Oder ist es nicht vielmehr ein Tempel?“, fragt Herzog. „Der Entwurf entzieht sich völlig den Standardvorstellungen“, erklärt nun Arno Lederer, Vorsitzender des Preisgerichts. Kritik wird es geben an der Lagerhalle, davon ist auszugehen.

Die Jury hat sich beim M20 einstimmig für ein funktionales, zwischen den vorhandenen „Heiligtümern“ Nationalgalerie und Philharmonie moderierendes Haus entschieden. Ein Gebäude, das der Kunst huldigt, seiner Umgebung dient. Das „Vernetzen“ der beiden „Diven“ mit dem „hässlichen Entlein“ Kunstgewerbemuseum, dem Kupferstichkabinett und der Gemäldegalerie sieht er als Hauptaufgabe. Das Museum soll nicht auftrumpfen, sondern als „Tor“ zum Kulturforum fungieren.

Ein Boulevard führt zur Piazzetta hinüber, auf der Nord-Süd-Achse gibt es eine unterirdische Verbindung von der Sigismundstraße hindurch, die Richtung Philharmonie führt. Auf den Entwürfen sind verschiedene Wege zu sehen, neue Plätze, viel Grün, jede Menge schöne Durchblicke und eine imposante Freitreppe, die zum Sitzen und Verweilen einlädt. Genau diese Aufenthaltsqualität fehlt dem Kulturforum bis jetzt. Ein Restaurant wird es geben, das unabhängig von den Museumszeiten geöffnet ist. Wenn man die Entwürfe richtig deutet, wird die Piazzetta in die Wegeführungen integriert und somit aufgelockert. Hoffentlich.

Spröde Fassade, doch ein lebendiges Innenleben

Hinter der spröden Fassade verbirgt sich ein erstaunlich abwechslungsreiches Innenleben mit einer offenen „Verkehrsstruktur“ und sich kreuzenden Straßen, die die Museumsräume erschließen. 9000 Quadratmeter Ausstellungsfläche wird es geben, auf drei Etagen plus Depot für die Kunstwerke der Nationalgalerie. Viel Licht soll durch das Satteldach auf den zentralen Boulevard fließen.

Auf der Kreuzung könnten Großformate präsentiert werden. „Die Entwürfe sind noch nicht fertig“, sagt Herzog. Das sei immer so in seinem Büro. Jetzt käme der Dialog mit den Kuratoren und dem Museumschef, die genau wüssten, was sie brauchen. So begreift Herzog Architektur – als demokratischen Prozess, der mit denjenigen stattfindet, die mit den Gebäuden im Alltag auch leben.

Jacques Herzog und Pierre de Meuron – der an diesem Mittwoch nicht mit nach Berlin gekommen ist – gehören zu den besten Museumsarchitekten in Europa: Miami Art Museum, Erweiterungsbau des Museums Küppersmühle, Unterlinden Museum in Colmar, Parrish Art Museum in New York stehen in ihrem Portfolio, auch Kunsthäuser für Privatsammler.

Der internationale Durchbruch gelang dem Duo mit dem Umbau eines alten Pumpwerkes zur Tate Modern in London. Zu ihren bekanntesten Gebäuden zählen die Allianz-Arena in München und das Olympia-Vogelnest in Peking. Und auch die Elbphilharmonie in Hamburg. Planungschaos begleitet das Konzerthaus, das mit 780 Millionen Euro zehnmal so viel kosten wird als geplant war. Aber davon redet man nicht an diesem Tag.

Was wurde im vergangenen Jahr über dieses prestigeträchtige Museum der Moderne gestritten, diskutiert und geschrieben. Die Krux an diesem Gebäude ist, dass es Städtebau, Architektur und Museumsbedürfnisse gleichermaßen bedienen muss. Es soll – ohne dass ein städtebaulicher Wettbewerb vorausging – die urbane Misere an der turbulenten Potsdamer Straße mit in den Griff kriegen.

Das macht das Herzog-&-de-Meuron-Gebäude auf seine Weise: Wie ein Riegel schützt es die Institutionen am Platz zur Straße hin, lässt den Himmel so weit frei, dass der Turm der St. Matthäus-Kirche sichtbar bleibt. Die Kirche brauche mehr Platz, merkt Grütters an. Tatsächlich „klebt“ sie auf dem Modell geradezu am Museum der Moderne. Ob das ginge?, fragt jemand. Der Architekt nickt. Glasriegel, Tunnel oder Klötzchenform? Am Ende zählt, was dieses Gebäude leisten kann an diesem schwierigsten aller schwierigen Berliner Grundstücke.