Dunkelblauer Blazer, weiße Bluse. Die blonden Haare hochgesteckt. Hanseatisch zurückhaltend der Auftritt. Auch das Büro ist kühl und modern eingerichtet. Von ihrem Schreibtisch aus schaut Ortrud Westheider aufs glitzernde Wasser. Die Elbe ist es nicht mehr. Die 51-Jährige hat Hamburg im März verlassen. Ihr Büro hat sie jetzt am Griebnitzsee in einer Immobilie von Hasso Plattner. Seit ihrem Antritt am 1. April steuert sie von hier aus als Direktorin des künftigen Museums Barberini das Projekt des Software-Milliardärs Plattner. Der Wahl-Potsdamer schenkt Potsdam ein modernes Museum.
Bald wird sie mit ihrem Team umziehen in Potsdams historischer Mitte, ganz in die Nähe des wiederaufgebauten Palais mit dem Kunstmuseum am Alten Markt. „Wir sind noch auf der Suche nach den passenden Räumen für das Büro“, sagt sie lächelnd.
Es klingt nicht so, als wäre es ein Problem.
Ortrud Westheider hat eine sanfte Stimme und einen offenen Blick. Nach nur ein paar Minuten fällt das Kühl-Hanseatische von ihr ab. Sie sprüht vor Esprit. Spätestens, als sie anfängt, über ihre bisherige Arbeit an Museen in Hamburg, Bremen und Münster – und die neue Aufgabe in Potsdam zu sprechen.
Eine Leihgabe kommt aus der Sammlung von Bill Gates
Das Museum Barberini ist derzeit noch im Bau und wird voraussichtlich am 23. Januar 2017 mit der Ausstellung „Impressionismus. Die Kunst der Landschaft“ eröffnet. Gezeigt werden Werke aus der umfangreichen Privatsammlung des Museums-Stifters Hasso Plattner. Darunter mehrere Bilder von Claude Monet, Auguste Renoir und Alfred Sisley. Ein ganzer Raum soll Seerosenbildern gewidmet werden. Auch Leihgaben werden dabei sein. Microsoft-Gründer Bill Gates wird laut Plattner eines der Gemälde aus seiner Kunstsammlung zur Verfügung stellen. Die Schau läuft bis 28. Mai 2017.
„Die Ausstellung wird durch ein öffentliches Symposium im Hasso-Plattner-Institut am 28. Juni dieses Jahres vorbereitet“, kündigt Westheider an.
Ihr Volontariat machte sie in der Hamburger Kunsthalle
Als langjährige Direktorin des Bucerius Kunst Forums in Hamburg hat sie gute Erfahrungen damit gemacht, zuvor Experten und interessierte Laien einzuladen. Zehn Jahre leitete die gebürtige Westfalin zuletzt das Kunst Forum der privaten Stiftung. Nach dem Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik in Münster und Hamburg hatte sie in der Hamburger Kunsthalle ihr Volontariat absolviert, dort betreute sie als Wissenschaftliche Referentin die Einrichtung der Galerie der Gegenwart. Weitere Stationen waren die Kunsthalle Bremen und das Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster.
Geplant ist auch bereits die zweite Schau vom 17. Juni bis 3. Oktober. Sie trägt den Titel „Von Hopper bis Rothko. Amerikas Weg in die Moderne“. In der dritten Ausstellung gegen Jahresende 2017 wird DDR-Kunst gezeigt. Plattners ostdeutsche Kunstsammlung wird auch den Kernbestand des Museums ausmachen.
Sie und Plattner haben sich gleich verstanden
Nervös ist die promovierte Kunsthistorikerin nicht. „Meine Kollegen und ich sind freudig aufgeregt.“ Eine befreundete Kuratorin aus Südfrankreich hatte sie Hasso Plattner empfohlen. Er suchte einen Nachfolger für Peter Joch, der eigentlich Gründungsdirektor werden sollte. Nach etwa zweieinhalb Jahren der Aufbauarbeit aber trennten sich die Wege Plattners und des ehemaligen Direktors der Kunsthalle Darmstadt Anfang 2015. „Es hat nicht gepasst“, sagte Plattner damals.
Zwischen ihm und Ortrud Westheider könnte es passen. Zumindest sieht es derzeit so aus. In den ersten Gesprächen haben sie sich großartig verstanden. „Wir waren uns gleich einig“, sagt sie. „Es soll ein lebendiger Umgang mit der Sammlung werden.“ Gedacht vor allem für die Brandenburger und Berliner, die mehrmals im Jahr kommen sollen. Von 9 bis 11 Uhr soll es täglich für Schulklassen geöffnet sein. Sie rechnet aber auch mit vielen Touristen. Denkbar ist für sie auch eine Zusammenarbeit mit Berlin. „Ich könnte mir Doppelausstellungen vorstellen.“
Bei der Vorstellung wird ihr Fingerspitzengefühl gelobt
Die Vorstellungen stimmten überein. Auch wenn Plattner und Westheider schnell herausgefunden, dass er ihre Begeisterung für Max Beckmann nicht teilt. „Das hatte ich auch nicht erwartet, von jemandem, der französische Kunst sammelt“, sagt sie. „Beckmann ist stark und herb und polarisiert.“ Die Kunsthistorikerin hat über die Farbe Schwarz in den Werken des Expressionisten promoviert. „Mich hat sehr gefreut, dass Plattner mir trotzdem anbot: ‘Sie können auch gern einmal eine Beckmann-Ausstellung machen.’“
In Westheider glaubt Plattner das gefunden zu haben, was ihm offenbar beim Vorgänger gefehlt hat. „Wir sind mit ihrer Hilfe etwas bescheidener und etwas freundlicher geworden“, lobte er ihr Fingerspitzengefühl, als er sie jüngst in Potsdam vorstellte.
Eine Wohnung hat sie in Potsdam schon gefunden
„Ich habe als Westfälin einen Dickschädel und verfolge meine Ziele“, sagt sie mit ihrer sanften Stimme, „doch versuche ich, es mir und allen möglichst nett zu machen.“ Es klingt ziemlich glaubwürdig, als sie sagt: „Ich liebe meinen Beruf sehr.“ Selbst die Aussage, dass sie ihr Hamburg bislang nicht allzu sehr vermisse, nimmt man ihr ab. Mit ihrem Mann, einem freischaffenden Wirtschaftsjournalisten, ist sie in eine Wohnung in der Brandenburger Straße nahe des Brandenburger Tors gezogen. Also mitten in die Fußgängerzone. Ohne Balkon. Dafür aber mit dem Park Sanssouci fast vor der Tür. Sie sagt: „Ich fühle mich, als würde ich dort in einem 3-D-Landschaftsbild spazieren.“ Wenn das keine zusätzliche Inspiration ist.





