Film

Knatsch bei den Comichelden: „The First Avenger: Civil War“

Man verliert schon mal den Überblick: Im neuen Comicfilm beharken sich die Helden gegenseitig. Daniel Brühl hat dabei eine undankbare Rolle.

Foto: Film Frame/Marvel 2016 / dpa

Man kann schon langsam den Überblick verlieren im Marvel-Universum. Zwölf Filme gab es bislang mit den ­Comic-Helden, mal Solo-Abenteuer von einzelnen Superfiguren, mal solche, in denen sie geballt als „Avengers“ auftreten.

Und weil all diese Filme aufeinander aufbauen, muss man sie auch alle brav gucken, um die Zusammenhänge wirklich zu verstehen. Und am besten den letzten vorab noch einmal schauen, um zu wissen, auf welchem Stand man gerade ist.

Jede Menge Neuzugänge

Film Nr. 13 ist eigentlich der dritte Film von Captain America (Chris Evans), dem „First Avenger“. Und doch treten hier auch ganz viele andere Helden an. Nicht nur Black Widow (Scarlett Johansson) und Falcon (Anthony Mackie), die zum engeren Captain-Kreis gehören. Auch Iron Man (Robert Downey Jr.), War Machine (Don Cheadle), Hawkeye (Jeremy Renner) und und und. Nicht nur ein Superhelden-, auch ein Superfilmstar-Aufgebot.

Einzig Thor und Hulk fehlen, die haben wohl Urlaub. Dafür gibt es eine Reihe von Neuzugängen: Der Winzling Ant- Man (Paul Rudd), der jüngst erst mit einem eigenen Film eingeführt wurde, darf jetzt mit den großen Jungs spielen. Als Black Panther kommt außerdem Chadwick Boseman dazu. Und dann gibt es noch auch einen neuen, den inzwischen dritten Spider-Man.

Die Spinne gehört ja eigentlich zum Konkurrenz-Studio Sony. Aber da deren Zweitaufguss mit Andrew Garfield deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb, darf Spider-Man nun, wie schon in den Comic-Heften, bei den Avengers mitmischen. Tom Holland, gerade mal 19, spielt den jüngsten Spinnenmann. Der sich erst mal von Iron Man anhören muss, dass er wohl eher ein Spiderling, ein Spider-Boy sei. Vielleicht denkt Iron Man ja ähnlich wie wir: Wer kommt denn da noch alles auf uns zu?

Man kann schon langsam den Überblick verlieren. Speziell in diesem Film. Weil die Helden hier nicht vereint gegen das Böse, sondern gegen sich selbst kämpfen. Irgendwie kennen wir das ja aus dem letzten Blockbuster „Batman v Superman“, wo die anderen Comic-Alphatierchen sich bis aufs Blut kabbelten. Derzeit braucht es offensichtlich keine Superschurken, die Helden sind sich selbst genug.

Daniel Brühl hat eine undankbare Rolle

Allerdings geriet die Begründung, warum Bat- gegen Superman antrat, doch ein wenig mau und thesenhaft. Bei den Avengers wirkt das schlüssiger. Bei ihren letzten Heldentaten haben sie nicht nur halbe Stadtteile in Schutt und Asche gelegt. Ihre Einsätze haben auch Menschenleben gefordert. Wegen der Kollateralschäden will die UN sie deshalb unter Kontrolle bringen.

Die einen, allen voran Iron Man, findet das ganz okay und erweisen sich als kooperativ. Die anderen, um Captain America, wollen sich auf keinen Fall vorschreiben lassen, was sie tun und lassen sollen. Da erhält die Bruderschaft merkliche Risse. Und es bleibt nicht bei verbalem Austeilen.

Die traurigste Rolle muss dabei der Berliner Schauspieler Daniel Brühl übernehmen. Auch er ist ein Neuzugang im Comic-Kosmos, er spielt den Schurken Baron Zemo. Aber er begegnet den Helden nicht auf Augenhöhe, er intrigiert aus dem Hintergrund. Ein eher undankbarer Auftritt. Brühls Figur darf nicht mal, wie der Zemo in den Comics, eine eigene lila Fantasykluft tragen. Das Böse bleibt zivil. Aber es sorgt immerhin dafür, dass die Superhelden aufeinander losgehen. Und weil die wie gewohnt Masken und Helme tragen, ist es gar nicht immer so leicht, zuzuordnen, wer da gerade auf wen losgeht.

Man kann schon langsam den Überblick verlieren. Das liegt auch an den geographischen Fallstricken, die die Regisseure Anthony und Joe Russo hier auslegen. Ihr Filmplot hetzt von London nach Wien über Bukarest bis Berlin. Allerdings befinden wir uns schon längst in Berlin, bevor die Handlung auch hier angelangt ist. Wenn ein UN-Gebäude in Wien in die Luft geht, ist das nämlich auf der Rückseite des Sony-Hauses am Potsdamer Platz aufgenommen.

In Bukarest stehen dann seltsamerweise Polizisten in deutschen Uniformen herum, und eine spektakuläre Verfolgungsjagd dort führt direkt in den Tunnel unter dem Berliner Messedamm – der hier ewig lang sein muss, so lange, wie die hier durchrasen. So ist das eben bei Blockbuster-Produktionen dieser Ausmaße: Da leiht eine Stadt schon mal das Gesicht für eine andere. So wie Berlin für den zweiten „Bourne“-Film ja auch schon mal Moskau sein durfte.

Warum kein Showdown am BER?

Irgendwann landen die Avengers dann aber wirklich an der Spree. Da sind dann erst mal ein paar touristische Postkartenbilder zu sehen wie die Siegessäule von oben oder die Spree am Regierungsgebäude. Irgendwann versucht Captain America aber auch, auf dem Dach des Paul-Löbe-Hauses einen Helikopter am Start zu hindern, was an dem Gebäude nicht spurlos vorbei geht.

Der Showdown, bei dem die Helden dann von zwei Seiten aufeinander zu rennen, wurde dann auf dem Leipziger Flughafen gedreht. Wobei die Gebäude teils in den Londoner Pinewood-Studios nachgebaut wurden, mit der Begründung, dass man einen laufenden Flughafentakt ja nicht unterbrechen kann.

Die Stars Paul Bettany, Robert Downey Jr., Daniel Bruehl und Emily van Camp (v.l.) bei der Berlin-Premiere des Films REUTERS FABRIZIO BENSCH

Das lässt uns staunen: Warum hat man diese Schlüsselszene dann nicht einfach am BER gedreht? Da hätte man nur etwas Unkraut wegschnibbeln müssen, und die Superbuben hätten sich in aller Ruhe kloppen können. Und ein paar positive Bilder wären hier doch auch mal schön: Captain America mischt den Negativ-Airport auf.

Irgendwann, mitten im allgemeinen Gekämpfe, fragt Johanssons Schwarze Witwe Renners Falkenauge: „Aber wir sind immer noch Freunde, hm?“ Schon klar: Die Avengers müssen sich wieder vertragen. Denn der nächste gemeinsame Film „Infinty War“ ist bereits angekündigt. In zwei Teilen. Und dann werden wohl auch Thor und Hulk wieder aus dem Urlaub zurück sein.