Kein neuer Look, kein neuer Sound, nicht mal ein neues Thema. Als wäre denen in vier Jahren Musikpause absolut nichts Neues eingefallen. Das könnte man der Indie-Band Nada Surf vorwerfen. Eine Halbwahrheit, wie die Indie-Rocker auf ihrem Konzert am Montag Abend im Huxleys beweisen. Denn wozu soll man sich neu erfinden, wenn man eigentlich weiß, wer man ist?

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Die Jungs, die eigentlich keine mehr sind, zeigen das mit den Stücken ihres aktuellen Albums „You know who you are“. Der Name ist Programm. Die Band macht einfach das, was sie seit ihrem Debüt vor 20 Jahren ziemlich gut kann. Indie-Rock.

Nostalgie und Klassentreffengefühl

Nach acht Studioalben ist natürlich trotzdem nicht alles so wie früher. Falten ziehen sich über das Gesicht des Bassisten Daniel Lorca und auch in die blonde Mähne von Sänger Matthew Caws haben sich aschgraue Strähnen eingeschlichen. Dennoch wird seine Surfermatte den ganzen Abend beleuchtet wie eine menschliche Diskokugel. Auch wenn das Licht gedimmt ist, strahlt sein heller Schopf bis in die letzte Reihe.

Da kommt unterdessen ein bisschen Klassentreffengefühl auf. Man erkennt sich an den Kapuzenpullis der Nada Surf Tour von 2003, neu sind Kastenbrillen und graue Schläfen. Man lächelt ein bisschen verlegen. Dann stimmt die Band die Zeilen des ersten Stücks ihrer aktuellen Platte an, „Cold to see clear“.

Morgen ist noch weit weg

Matthew Caws singt mit seiner hohen, hellen Stimme, über die man tatsächlich behaupten kann, dass man sie überall heraushören könne, und da summt man ganz leise mit, etwas verkniffen noch, etwas aus der Übung. Und doch erinnert man sich an früher, als irgendwie alles noch unkompliziert war, hach, so wie diese Musik. So wie dieses neue Album.

Dabei ginge es auf dem, wie Caws neulich in einem Interview sagte, eigentlich um Entscheidungen. Von denen müsse man ja mit dem Alter immer mehr treffen. Das Leben würde einfach schwieriger. Da bietet Nada Surf eine Alternative. Die hört man, als Caws mit geschlossenen Augen in sein Mikrophon jauchzt.

„One day I´ll love somebody else. One day I´ll take care of myself“, singt er da aus der neuen Single „Believe you´re mine“. Diese Botschaft - morgen ist noch weit weg, alles lässt sich noch ändern und zum Guten wenden - ist so zeitlos wie unkompliziert, und auch ein bisschen naiv. Die in der letzten Reihe tanzen jetzt übrigens ausgelassener, hinweg über die vergangenen Jahre.

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Reise in die eigene Teeniezeit

Und auch die Band kann das. Kaum spielen sie die Rockballade „Inside of Love“ von 2002, sind die Jahre wie weggefegt. Caws wird hibbelig, sein Kopf wackelt beim Singen wild, Schlagzeuger Ira Elliot lässt die Drums kreisen, Bassist Lorca seine Dreads fliegen. Die ersten fangen zu knutschen an, andere schlagen sich kumpelhaft auf die Schulter, so ein Abend ist das.

Von dort streben alle weiter der Vergangenheit entgegen. Zu „Blonde on Blonde“ und „80 Windows“, Hits, die auf keiner Indie-Party der 00er-Jahre fehlen konnten. Genau da merkt man, dass die neuen Lieder doch nicht so ganz wie die alten sind. Früher war etwas mehr Wut, mehr Verzweiflung, mehr Postpubertät. Wie in ihrem ersten Hit, der Anti-Collage-Hymne „Popular“. Die können sie zwar noch spielen und flippen dabei aus, mit Gitarrensoli und Kopfschwingern, aber trotzdem sind sie der entwachsen wie dem alten Uni-Pulli.

Genauso die Fans. Aber je später der Abend und je weiter die Reise in die eigene Teeniezeit, desto begeisterter werden die Hände in die Luft gestreckt, desto mehr alte Freunde springen leere Biergläser reckend in die Höhe. Dann die größte Hymne des Abends, „Always Love“, da grölen alle gemeinsam, als wäre nie ein Herz gebrochen, nie ein Tinder-Date nicht erschienen. Die vier New Yorker geben zwei Akustikzugaben. Und da erklingt sie sogar ohne Mikro, die helle Stimme Matthew Caws. Der eigentliche rote Faden der Band. Sie hat sich nicht verändert in 20 Jahren.