Gleich wird Florian Silbereisen „Schlager ist geil und macht jede Party steil“ sagen. Und um zu beweisen, wie geil der Schlager tatsächlich ist, wird im Verlauf des Abends Klopapier im Tempodrom verteilt werden, und kübelweise romantischen Glitter wird es ebenfalls regnen. Es wird ein bisschen geschwärmt werden dürfen, gebusselt und ordentlich geherzt sowieso. Zum Höhepunkt wird DJ Ötzi sein Strickmützchen lüften und ein paar Sekunden lang Gerry Friedle sein.
Spoiler: Der Abend ist eine Parade der Grenzüberschreitung. Ein gnadenloser Genre- und Generationenmix, zwischen seligen „Babicka“-Gesängen, Lederhosen-Jodlern, Breakdance-Einlagen, Herzschmerz und Ballermann-Gejohle. Wer launige Stadl-Musik erwartet, irrt. „Das Beste aller Feste“ ist eine Schlagerparty, so perfekt inszeniert, wie die Beziehung zwischen Silbereisen und Frau Fischer.
Silbereisen muss breakdancen
Jung, spontan, cool und natürlich sexy – so steht es in der Ankündigung. Das bestuhlte Tempodrom ist schlag halb acht brechend voll. Die meisten Fans sind weit über fünfzig, auch ein paar brave Kinder sind da. Per Einspieler drohen fünf junge Herren, die jeweils zweimalige Breakdance-Weltmeister sind, dem Publikum mit coolen Moves, die zu merken und nachzumachen seien.
Silbereisen kommt in legerer Abendgarderobe auf die Bühne. „Hallo Berlin“, begrüßt er das Publikum zur heutigen, auf einen Montag gelegten, Samstagabendshow. Dann schwört er alle ein, mit eben jenem Song über die Geilheit des Schlagers. Anschließend wirft er sein grau-beiges Jackett in die Ecke und präsentiert seinen tätowierten Arm.
Das schwarz-weiß-Portrait von Helene Fischer ist ein Liebesbeweis, den auch konservativere im Publikum tolerieren. Steile Romantik ist das. „Mehr geht nicht“, sagt die Sitznachbarin und drückt die Hand ihres Begleiters. Die Oberarm-Fischer verzieht ihre Miene, weil Silbereisen jetzt mit der „Dancefloor Destruction Crew“ eine Breakdancenummer mitmachen muss.
Ein Bussi und eine rote Rose
„Feuerherz", die angeblich erste Schlager-Boyband der Welt, überzeugen nicht mit ihren Stimmen, sondern mit einer Mini-Version eines Chippendale-Strips. Zunächst legen sie schwere Feuerwehrmann-Uniformen ab, dann singen sie ein Lied, das wie weichgespülter Eurotrash klingt. Applaus gibt es aber erst für die vierstimmig intonierte Andreas Bourani-Hymne „Ein Hoch auf uns“, die alle mitsingen.
Zum Schluss geben die vier Feuerherzen noch „Tage Wie Diese“ zum Besten – der Tote-Hosen Song ist nur ein halb gewagter Stilbruch, weil er ohnehin nie zum Punk gezählt werden konnte. Im Interview mit Silbereisen kommt heraus, dass keiner der Jungs vergeben sei, in der ersten Reihe aber bereits heiße Damen entdeckt worden wären. Silbereisen drückt später lieber Petra, die weiter hinten sitzt. Sie darf sich an seinen Kopf schmiegen, während er von romantischen Männern singt, am Ende gibt es ein Bussi und eine rote Rose.
Es ist keine Party-, aber immerhin steile Wirtshausstimmung
Die Stimmung ist reif für noch mehr Herzschmerz. Es folgt der Auftritt der amtierenden Schlagerprinzessin Vanessa Mai, die angeblich einmal Helene Fischer beerben soll. Mai tanzt in lässigen Jeans und gurrt „Ich sterbe für dich“. Das kommt gut an, auch die Kinder sind aufgeregt – sie kennen die brünette Frau, weil sie in der aktuellen Jury der Bohlen-Superstars sitzt.
Danach muss DJ Ötzi ran. Bei dem geht es nicht ums Sterben: „Ich bin geboren, um dich zu lieben“ singt er ins Mikro. Hier fällt einem Unheilig ein: der Graf ward schließlich geboren, um zu leben. Die Wendung birgt einen wahren Schatz an Songs.
Als Pausen-Act tauscht der Anton aus Tirol seine weiße Markenzeichen-Haube mit einer Pudelmütze. Ross Antony schießt Klopapier von der Bühne. Zum krönenden Abschluss tritt die zweite Frau aus Bohlens DSDS-Jury auf. Michelle singt „Wer Liebe lebt“ und zeigt in einem engen Lederkleid eine Auswahl ihrer vielen Schmetterlingstatoos. In der Abschluss-Revue dürfen alle mitsingen. „Oh wie ist das schööön“. Es ist keine Party-, aber immerhin steile Wirtshausstimmung.





