Ausstellung

Mick Flick und seine großen Geschenke

Eine Ausstellung im Hamburger Bahnhof würdigt nun das Engagement des Millionärs. Die Auswahl der Werke ist beeindruckend.

Historische Halle: Im Hintergrund ist die begehbare Installation „Saloon Theater“ (1995 - 1999) von Paul McCarthy zu sehen.  Vorne: „5050 Stacked Paintings", gemalt vom Künstlers Richard Jackson. Eine bunte Schnecke, die auch begehbar ist

Historische Halle: Im Hintergrund ist die begehbare Installation „Saloon Theater“ (1995 - 1999) von Paul McCarthy zu sehen. Vorne: „5050 Stacked Paintings", gemalt vom Künstlers Richard Jackson. Eine bunte Schnecke, die auch begehbar ist

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Der alte Western-Saloon ist die Hölle. Wer eintritt kriegt kein Bier, sondern eine Peepshow, „bitch“ und „f***“ schreit eine Lady und zeigt uns nicht nur ihre Strapse – und das auf gleich sechs Videos. Paul McCarthys Holzverschlag ist ziemlich windschief, allemal größer als jede Berliner Dreizimmerwohnung. Am Saloon in der Historichen Halle kommt keiner vorbei, ein künstlerisches Statement in der neuen Ausstellung „A Few Free Years“ im Hamburger Bahnhof. Sie zeigt ausschließlich Werke aus der Sammlung von Friedrich Christian Flick. Die „freien Jahre“, wie es im Titel anklingt, ist ganz klar eine Hommage an den einstigen Jetsetter.

Der Millionär hat dem Museum 2008 zwei kapitale Schenkungen gemacht, dieses Jahr stockte er 104 Werke auf, macht zusammen rund 270 „Geschenke“. 120 sind zu sehen, auf 13.000 Quadratmetern, mehr passt nicht hinein in die Rieck-Hallen. Flick sammelt mit Vorliebe raumfüllende, museale Arbeiten, die nie für den privaten Raum gedacht waren. Dieter Roths monströse „Gartenskulptur“ gehört dazu, über 40 Meter wuchert sie mittlerweile in die Halle hinein. Oder das „Truth Study Centre“ des Turnerpreisträgers Wolfgang Tillmans, 37 unterschiedliche Vitrinentische gehören dazu. Eine gewaltige Archiv-Arbeit.

1500 Werke gehören zur Sammlung

„Es ist die größte, wertvollste Sammlung der Nationalgalerie seit dem Zweiten Weltkrieg“, resümiert Generaldirektor Michael Eissenhauer. Die Leihgabe für die gesamte Sammlung, die 1500 Arbeiten umfasst, wurde wiederum bis 2021 verlängert. Mit der Option auf Verlängerung und weitere Schenkungen. „Ein Glücksfall“, sagt Hermann Parzinger.

Der Stiftungspräsident hat sich an diesem Morgen ins Museum bemüht, um Flicks Engagement zu würdigen. „Eine außergewöhnlich positive Zusammenarbeit“, bestätigt auch Udo Kittelmann. „Sammler sind nicht mehr wegzudenken.“ Allein schon deshalb, weil Museen heute über so gut wie keinen Ankaufsetat mehr verfügen. Parzinger: „Sie bekommen sonst noch einen Bilderrahmen, aber nicht mehr das Bild selbst.“ Mit Flick hat der Hamburger Bahnhof offenbar so etwas wie einen Idealsammler, der erkennt, was ein Haus braucht, das kein Geld hat, sich aber nicht einmischt. „Wir hatten jede kuratorische Freiheit“, so Kittelmann. Man tausche sich aus über Werke, wie etwa über die grandiose Arbeit von Brian O’Doherty. Er hat 1966 Marcel Duchamps Herztöne messen lassen und diese später in einer Lichtbox magisch visualisiert. Zwei Jahre später gehörte Duchamps Kunstherz dem Hamburger Bahnhof.

Seit 2004 läuft die Kooperation

Das Verhältnis von Sammlern zu den Museen hat sich in den letzten Jahren verändert. Christian Boros oder Thomas Olbricht haben sich ohnehin gleich ihren eigenen Kunsttempel bauen lassen, dort können sie nach eigenem Gustus schalten und walten. Welchen Einfluss Berliner Sammler mittlerweile haben, zeigte zuletzt die Sonderausstellung mit ausgewählten Exponaten bei der Art Week Berlin. Flick kooperiert bereits seit 2004 mit den Staatlichen Museen. So eine Verbindung kann dann gefährlich sein, wenn Sammler dirigierend in den Ausstellungsbetrieb eingreifen. Das gab es schon. Dabei stand Flicks Sammlung anfangs unter gar keinem guten Stern. Der Vorwurf lautete: Als Enkel des Rüstungsindustriellen Friedrich Flick, habe er die Kollektion mit jenem Geld erworben, das sein Großvater in der NS-Zeit durch Zwangsarbeiter verdient habe.

Marcel Broodthaers „Interview with a Cat“ im Kellergeschoss muss man unbedingt anschauen. Sie wird gefragt, ob sie einige Bilder gut finde oder akademischen Mist. Und was sagt das Pfötchen? Sie miaut sich einfach hinein in unser Herz, Kunst hin oder her.

Nationalgalerie, Invalidenstr. 50/51.
Di–Fr 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr,
Sa/So 11–18 Uhr. Bis 13. März.