Er kommt nicht allein. Leander Haußmann kommt gleich mit drei Hand voll Begleitung in den Zoo Palast, um in der Filmreihe „Hauptrolle Berlin“ von Zoo Palast und Berliner Morgenpost noch einmal seinen Erstling - und Klassiker - „Sonnenallee“ zu sehen.
Er bringt Familie mit und Mitglieder des Teams von damals. Und Detlev Buck, der den Film produziert hat und auch als „Abschnittsbevollmächtigter“ zu sehen ist, wird später auch noch dazustoßen.
Mit dem Autor überworfen
Leander Haußmann kommt nicht nur, um den Film zu präsentieren. Er bleibt, um ihn noch einmal zu schauen, weil er ihn so lange nicht mehr gesehen hat. Die Komödie über ein DDR-Leben im Schatten der Mauer kam damals zehn Jahre nach dem Mauerfall in die Kinos und schaut sich jetzt, 25 Jahre nach der Wiedervereinigung, natürlich ganz anders an.
Haußman sieht ihn aber sowieso anders. Denn im Gespräch vorab verrät er – weit offener als damals –, wie er sich mit dem Koautor des Films, Thomas Brussig, zerstritt und wie dieser das Werk im Nachhinein torpedierte. Ungeniert gesteht Haußmann auch, dass er, damals Deutschlands jüngster Theaterintendant, von Kino keine Ahnung hatte.

Wie er irgendwann dachte, gibt es halt keinen Film – bis die Produzenten ihn überzeugen mussten, dass das nicht mehr ginge. Dann habe er sich zwei Tage im Savoy Hotel eingeschlossen und, bekennt er offen, „Drogen genommen“, um alles noch mal zu überarbeiten.
Aber auch als der Film abgedreht war, musste noch mal alles neu gemischt werden – weil der Mischer den Film hasste und entsprechend verunstaltete.
Jetzt wird man den Film ganz anders sehen
Unglaublich bei all diesen Fallstricken, dass der Film doch noch fertig wurde – und heute ein Zeitdokument ist. Heute sieht Haußmann in ihm „nur noch Fehler, aber charmant aneinandergereiht“.
Und doch ist der Filmregisseur, der als nächstes eine Stasi-Komödie drehen will, stolz auf „Sonnenallee“, war es doch der erste Film überhaupt, der die DDR als Thema ins Kino brachte. Wer an diesem Abend im Zoo Palast, hat den Film auf jeden Fall noch mal mit völlig neuen Augen gesehen.
Als Nächstes folgt in der Reihe „Hautprolle Berlin“ am 1. Dezember „Victoria“, den Regisseur Sebastian Schipper vorstellen wird.




