Film

Petersen, Schweiger, Schweighöfer: Neustart mit dem A-Team

Comeback in Deutschland: Wolfgang Petersen will in Berlin ab Ende November mit einem Ausnahmeensemble drehen.

„Vier gegen die Wand“ wollen Jan Josef Liefers, Michael Bully Herbig, Wolfgang Petersen, Matthias Schweighoefer und Til Schweiger (l.) neu verfilmen

„Vier gegen die Wand“ wollen Jan Josef Liefers, Michael Bully Herbig, Wolfgang Petersen, Matthias Schweighoefer und Til Schweiger (l.) neu verfilmen

Foto: Franziska Krug / Getty Images

Zumindest weiß er, was er tut. In Berlin hat er seine ersten Filme gedreht, er war an der Deutschen Film- und Fernsehakademie, Theaterwissenschaft hat er auch hier studiert. Nun will Wolfgang Petersen in den drei Monaten drehen, die in Berlin traditionell ziemlich unangenehm werden. Dezember, Januar, Februar. Er wolle das zeigen, das „graue Berlin“, sagt er, er wolle weg „vom sonnigen Berlin-Klischee“.

Nun könnte man einwenden, dass in den Filmen über die Stadt – von „Berlin-Alexanderplatz“ bis zum „Himmel über Berlin und jüngst „Victoria“ – zu keiner Zeit der Filmgeschichte als ein besonders heimeliger, friedlicher Ort dargestellt wurde (wozu auch, solange es München gibt?). Aber Wolfgang Petersen lebt seit knapp 30 Jahren in Los Angeles, da geht manches Detail verloren.

Er möchte einen eigenen Klassiker aktualisieren

Nun kehrt er wieder zurück, ein Kreis würde sich mit seiner Rückkehr schließen, erzählt er bei einer Pressekonferenz in einem Hotel am Potsdamer Platz. Für seinen kommenden Film hat er die gesamte A-Liga eingekauft: Til Schweiger, Jan Josef Liefers, Matthias Schweighöfer und Michael Bully Herbig werden mitspielen.

Die Herren sind schon ausgesucht, sie alle sitzen zusammen mit dem Regisseur auf dem Podium, bei den Damen sucht Wolfgang Petersen noch ein wenig. Alexandra Maria Lara werde mitspielen, die einst „schönste Deutsche“ (Stand „Bild“, 2005) wird die Ehefrau an der Seite von Jan Josef Liefers spielen.

Wolfgang Petersen möchte einen eigenen Klassiker aktualisieren. Eine neue Version von „Vier gegen die Bank“ für das Kino hat er sich vorgenommen. Der Originalfilm, für den Wolfgang Menge das Drehbuch schrieb, strahlte 1976 die ARD aus. Er war eine nette, unbeschwerte, leicht belanglose Kriminalkomödie, deren Thematik und Aussagen im Lauf der Jahrzehnte doch deutlich verstaubten. Damals waren in Petersens Spielfilm vier noble Männer zu erleben, die die Rezession beunruhigte und die ihren wirtschaftlichen Status gefährdet sahen. Zudem nervten die Gattinnen, deren Lebensglück mit der Ausgabenhöhe stieg. Höhöhö. Daher beschlossen die Männer, die sich allesamt über den Golfklub kannten, eine Bank zu überfallen. Also zumindest hatte einer die Idee, die anderen drei zierten und sträubten sich, aber irgendwann war eine Bankfiliale dran.

Das ganze Film-Vorhaben passte in eine Zeit, in der „der gute Gangster“ populär wurde und in der Schauspieler wie David Niven und Peter Ustinov mit einem Augenzwinkern sich an Anderen bereicherten. Irgendwann konkurrieren dann vier „echte“ Bankräuber mit unseren golfspielenden Räubern, und dann wird es auch ziemlich klaumkig.

Ein Remake von „Vier gegen die Bank“ schließt sich daher aus, bestimmte Sachen könne man heute gar nicht mehr machen, sagt Wolfgang Petersen selbst, zum Beispiel, dass wir, also die Zuschauer, den Bankräuber die Daumen drücken und somit hofften, dass die Reichen wieder reich werden. Genau das war aber das Leitmotiv des Films von 1976. 2015 braucht es aber andere Helden.

Ein Boxer, ein Schauspieler, ein Werber, ein Anlageberater sind heute die Protagonisten, allesamt ökonomische Mittelschicht. Die Bank ist heute nicht mehr das Opfer, sondern der Feind. Denn ein Bankdirektor lässt die Investmentkonten von Boxer, Schauspieler und Werber „böswillig in den Totalverlust“ rasseln. Wirtschaftlich geht es also um alles, nicht um ein paar unfeine Dellen in der Vermögensbilanz.

Vier Typen, die ohnehin schon recht kaputt sind

Und natürlich sind sie nicht mehr die gutherzigen Kerle, die auf den falschen Weg geraten, mit denen sich ein großes Publikum identifizieren soll, sondern vier Typen, die ohnehin schon recht kaputt sind. Sie sind zwar nicht gebrochen, aber doch beträchtlich angeknackst, wie sich aus der Pressemitteilung – mit sechs Zeilen mutmaßlich die kürzeste Inhaltsangabe in der Geschichte der Filmindustrie – herauslesen lässt.

Den Boxer, der seine Karriere hinter sich hat und nun eine Boxschule ausbauen möchte, spielt Til Schweiger. Die Rolle des „abgehalfterten Schauspielers“ übernimmt Jan Josef Liefers, erfahren wir, und Til Schweiger kann sich die Anmerkung nicht verkneifen, dass sich Liefers also selber spiele. Matthias Schweighöfer ist ein Marketingmann, der sich aus dem Schatten des reichen Vaters befreien wolle, „cholerisch“ sei er, sagt Matthias Schweighöfer, also „sehr cholerisch. Eigentlich wahnsinnig“. Michael Bully Herbig ist ein „neurotischer Anlageberater“, dass die anderen Drei ihre Altersversorgung verloren, sei nicht seine Schuld, sagt Michael Bully Herbig, „ich bin das Opfer“, das sei „seine liebste Rolle“, fügt er hinzu.

Vor allem am früheren Flughafen Tempelhof wird gedreht

Wie üblich bei solchen Pressekonferenzen versichert jeder auf der Bühne, was für eine wahnsinnige Ehre es doch sei, mit den anderen zu drehen, aber in dem Fall lässt sich tatsächlich festhalten, dass Wolfgang Petersen ein kaum zu überbietendes deutsches Star-Ensemble vereint hat, Michael Bully Herbig und Til Schweiger sind zudem die erfolgreichsten Kinofilm-Regisseure des Landes. Der einzige, dessen großer Erfolge länger zurückliegt, ist ausgerechnet Wolfgang Petersen. 2006 erschien sein letzter Film, „Poseidon“ hieß der Katastrophenfilm, ein komplett sinnloses Spektakel. „The Perfect Storm“ im Jahr 2000 funktionierte vor allem, weil George Clooney und Mark Wahlberg so großartig spielten, sein bester Film, den er in Hollywood drehte – von dem auch alle auf Bühne schwärmten – war „In the line of fire“ mit Clint Eastwood. Das war 1993.

62 Motive in Berlin habe er ausgewählt, sagt Wolfgang Petersen, vor allem am früheren Flughafen Tempelhof werde gedreht, keine Studiotermine, er wolle „Dinge zeigen, die man nicht kennt“. Eine „Komödie mit hohem Standard“ wolle er drehen, sagt er. Weihnachten 2016 wird abgerechnet. Dann soll der Film in die Kinos kommen.