Al Bano und Romina Power sind zwar geschieden, wirken aber wie ein altes Ehepaar bei ihrer Pressekonferenz im „Amano Hotel“. Romina, die seit 20 Jahren in Amerika lebt, übersetzt für den eingefleischten Italiener. Dabei korrigiert die 63-Jährige ihn genervt, während der 72-Jährige den Scherzbold gibt. Am Freitag treten sie in der Waldbühne auf. Ein Comeback nach 20 Jahren, Hits wie „Felicità“ und schweren Zeiten nach dem Verschwinden ihrer Tochter Ylenia im Jahr 1994.

Berliner Morgenpost: Mussten Sie sich nach diesem Drama als Persönlichkeiten verändern, um zu überleben?

Romina Power: Ich habe Dharma entdeckt und bin nun eine praktizierende Buddhistin. Ich fand dadurch Frieden und Antworten auf all die Fragen, die ich hatte. Das hat mir sehr geholfen. Zum Glück habe ich es entdeckt, während ich meine Mutter pflegte, das war auch dabei die richtige Unterstützung, die ich brauchte.

Al Bano: Nein, das ist unmöglich. Man kann sich nicht verändern. Besser zu werden, das geht natürlich. Man wird besser, weiser, aber nicht anders.

Können Sie noch zurückschauen auf die glücklichen Tage oder tut es zu sehr weh?

Bano: Ich schaue immer nach vorne. Ich bin wie Marco Polo. Ich muss hingehen können, wohin ich will, um dann wieder zurückzukehren. Ich schaue immer in die Zukunft.

Power: Wenn man glücklich sein will, dann muss man in der Gegenwart leben, nicht in der Vergangenheit oder der Zukunft. Die Vergangenheit existiert einfach nicht mehr.

Verbringen Sie jetzt mehr Zeit mit Ihren anderen Kindern?

Bano: Es ist toll mit ihnen. Yari, der Größte, ist jetzt 42 Jahre, Christel, die zweite, ist 30 Jahre alt und Romina 28.

Sind Sie schon Großeltern?

Power: Nein, ich wünschte, es wäre so. Ich wäre so gerne schon Großmutter, ich kann es kaum erwarten. Ich würde so gerne Babykleidung kaufen, ganz viele von diesen kleinen Schühchen.

Haben Ihre Kinder Ihr musikalisches Talent geerbt?

Power: Yari ist ein exzellenter Gitarrist und Songwriter. Unsere Tochter Christel hat eine wundervolle Stimme und schon Songs aufgenommen, aber zurzeit ist sie mehr an Mode interessiert und macht tolle Bikinis. Unsere andere Tochter Romina studiert, um Schauspielerin in Hollywood zu werden.

Wie unterstützen Sie sie beruflich?

Power: Yari ist bei vielen von Al Banos Shows dabei. Er wird auch in der Waldbühne als Gast dabei sein.

In einem exklusiven Teil der Waldbühne wird eine „Piazza Italiana“ aufgebaut, mit Wein, den Al Bano angebaut hat, und Olivenöl von Romina Power. Was dürfen die Fans beim einzigen Deutschlandkonzert noch erwarten?

Bano: Wir werden nicht „Felicità“ singen, sondern nur neue Sachen. (lacht)

Power: Wir nehmen gerade gemeinsam neue Songs auf, die wir spielen werden.

Bano: Wir werden aber auch jeder als Solo-Künstler performen. Es gibt also das Beste von jedem von uns und von uns beiden zusammen.

Sie haben sich vor 16 Jahren scheiden lassen, sind über 20 Jahre nicht mehr zusammen aufgetreten. Waren sie verärgert über den anderen?

Bano: Ein bisschen Ärger gab es. Aber wichtiger ist doch, was heute ist und nicht, was gestern war. Jetzt ist es ein schönes Leben mit viel Respekt.

Frau Power, Sie sind nach Amerika gezogen. Brauchten Sie Abstand?

Power: Ja, aber dann bekam ich ganz viel davon, während ich meine Mutter in der Wüste pflegte. Es war wie Isolation.

Was haben Sie in der Zeit getan?

Power: Ich habe einen Roman geschrieben, einen Film gemacht und vier Jahre mit meiner Mutter verbracht. Daneben habe ich gemalt.

Bano: Ich habe in der Zeit ein Weingut gestartet, das nun Jahr für Jahr erfolgreicher wird.

Das heißt, er bringt Ihnen immer Wein mit, wenn Sie sich sehen?

Power: Das hat er noch nie gemacht.

Bano: Ich achte auf ihre Gesundheit.

Power: Das heißt, dein Wein ist nicht so gut?

Bano: Er ist sehr gut.

Warum sind Sie wieder auf der Bühne zurückgekehrt?

Power: Es war ein Zufall. Ich wurde gefragt, ob ich mit ihm in Moskau auftreten möchte, weil sie seine Karriere würdigen und seinen 70. Geburtstag feiern wollten. Ich habe zugesagt, obwohl ich schon seit Jahren nicht mehr mit ihm aufgetreten bin. Danach bekamen wir viele Angebote und die Dingen kamen ins Rollen.

Wie ist es, wieder zusammen aufzutreten?

Power: Für mich war es toll, die alten Musiker wieder zu treffen, es war wie die Rückkehr in eine Familie.

Und genießen Sie es, die alten Hits wieder zu singen?

Power: Es fühlt sich gut an. Man vergisst sie nicht, auch nicht eine Textzeile. Sie waren immer bei mir, auch wenn es Zeiten gab, wo ich sie nicht hören wollte. Ich wollte weg von allem, alles fühlte sich wie eine Routine an. Nun ist es wundervoll, all die Menschen zu sehen, die zu unseren Auftritten kommen und uns nach all diesen Jahren überhaupt noch sehen wollen.