Beckmann, Kirchner und Nolde wandern aus: Weil die Neue Nationalgalerie saniert wird, gehen jetzt erstmals Teile der Sammlung zur „großen Schwester“ in die Alte Nationalgalerie auf der Museumsinsel. Immerhin das gesamte Mittelgeschoss wird mit 160 Bildwerken bespielt. Sinnlich klingt der Titel „ImEx“ zwar nicht, dafür bleibt er im Kopf: Impressionismus und Expressionismus, so unterschiedlich die beiden Stilrichtungen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts auch scheinen, sie haben mehr Gemeinsamkeiten als gedacht. Zwei Stile, zwei Lebenshaltungen, ästhetisch höchst different. Die französischen Maler liebten das Licht und den leichten Pinsel, flüchteten aus den Ateliers in die Natur. Die anderen mischten grelle Farben zusammen und bevorzugten direkte Emotion, was mitunter zur Verzerrung von Perspektiven führte.
Im Zentrum der Schau, im Hauptsaal, wird sich ab 22. Mai in der Alten Nationalgalerie alles um das Thema Stadt als Mittelpunkt urbanen Lebens drehen – die abendlichen Vergnügungen in Cafés, Bars, Varietés, das Flanieren, der Müßiggang, kurz die neu entdeckte Freizeitlust. Ernst Ludwig Kirchner malte das mondäne, quirlige „Treiben am Potsdamer Platz“. Camille Pissarro hielt den belebten „Boulevard Montmartre bei Nacht“ fest und Otto Dix widmete den dickbäuchigen „Straßenlaternen“, den künstlichen Sternen, 1913 ein Ölgemälde.
Die Schau arbeitet häufig mit Bildpaaren, die Vergleiche zwischen den Stilen leicht machen. Die Frau galt im Expressionismus wie im Impressionismus als Ideal, als Verkörperung des Naturhaften. Max Pechsteins zitronengelbes „Sitzendes Mädchen“ ist ein wuchtiger Farbknaller. Renoirs „Badende mit blondem, offenem Haar“ ist dagegen von leichter, zarter Farbigkeit, weniger erotisch, doch beide Ladys sind nackt, posieren und waren für den damaligen Betrachter ein Affront. Widerstand gegen das Bürgerliche und die akademische Maltradition, das verband Expressionismus wie Impressionismus gleichermaßen.
Übrigens war die Berliner Nationalgalerie eines der ersten Museen in Europa, das Impressionisten erwarb, das Haus war auch Vorreiter für den Expressionismus. Die Institution war durchaus Widerständen ausgesetzt – Max Liebermann beispielsweise war kein Freund der wilden Farbigkeit und anarchischen Sujets. Ikonen wie Monets „Charing Cross Bridge“ oder Manets „Im Wintergarten“ werden zu sehen sein. Das Schöne an dieser Schau ist, dass sie dem Publikum vor Augen führt, welche Wertigkeit der Berliner Bestand hat. Durch die Platznot der Nationalgalerie war es bislang nicht möglich, diese Bandbreite in dieser Zusammenschau zu zeigen. Die Ausstellung hat das Potenzial zum Blockbuster, populär sind beide Stilrichtungen als Vorreiter der Moderne allemal. Ein „Best-of“ ist es dennoch nicht. Bei den Freunden der Nationalgalerie hat man sich eingestellt: Die Öffnungszeiten werden gleich an drei Tagen bis 20 Uhr verlängert. 400 VIP-Tickets wurden bereits verkauft.
Alte Nationalgalerie, Bodestr. 1–3. Tickets, 12 Euro, VIP-Tickets (ohne Warteschlange) 30 Euro.




