Wer mehr sein will als er ist, endet oft mit weniger als er hatte. Monsieur Jourdain zum Beispiel endet in pinken Strumpfhosen. In denen stecken die Beine von Dieter Hallervorden, der sich als bekennender Molière-Fan mit der Inszenierung von dessen Ballettkomödie „Der Bürger als Edelmann“ an seinem Schlosspark Theater einen Wunschtraum erfüllt.

Sein Monsieur Jourdain dagegen ist eher ein Albtraum, ein ziemlich alberner: Er trägt Schönheitsfleck zur Allongeperücke und ein senfgelbes, pompöses Hosenrock-Mantel-Irgendwas, das ihm sein Schneider als „dernier cri“ aufgeschwatzt hat. Er tanzt das Menuett als sei’s ein Schuhplattler, und bei seinen Fechtübungen droht stets die Gefahr eines Blutbades.

Jourdain selbst findet sich dabei famos und mehr als reif, um endlich den Bürgerstand zu verlassen und fortan als adeliger Edelherr Ansehen zu ernten. Weshalb er mithilfe des verarmten Edelmannes Dorante um die Marquise Dorimène wirbt, von beiden erhofft er sich Zugang zu den ersehnten Kreisen. Wie üblich bei Molière gibt es dazu noch ein paar amouröse Verwicklungen, doch Regisseur Folke Braband, der auch die sehr modernisierte Textfassung erarbeitete, tut gut daran, den Möchtegern-Parvenü Jourdain ganz klar im Zentrum zu platzieren.

Ein liebenswerter, lächerlicher Tölpel

Hallervorden stattet ihn mit der ganzen Palette seiner herrlichen „Didiismen“ aus, mit diesen retardierenden „Öhms“, der stets in höhere Stimmlagen strebenden Intonation und den kieksigen Wortverstolperungen. Sein Monsieur Jourdain ist kein verkniffener Bürgertyp, sondern ein lebenslustiger, liebenswerter, lächerlicher Tölpel. So selbstvergessen, dass er natürlich nicht bemerkt, wie er bei seinen lächerlichen Verführungen selbst vorgeführt wird. Von seinen Fecht-, Musik- und Tanzlehrern, die nur an sein Geld wollen. Von der begehrten Marquise und dem engagierten Liebesvermittler, die in Wahrheit nur einander wollen. Und von dem rappenden vermeintlichen Großtürkensohn, der nur die Hand seiner Tochter will.

Allein Jourdains Gattin durchschaut die ganze große Farce im holzgetäfelten Bürgersalon. Bei Dagmar Biener ist sie eine resolute, zur Derbheit neigende Hausherrin, die die Eitelkeiten ihres Gatten mit einem gepfefferten „Liberté, Egalité, Maternité! Vive la Femme!“ pariert und auch sonst die Zügel patent in die Hand nimmt.

Vielleicht schürft dieser Abend nicht eben wirklich tief, aber er ist ehrliche, außerordentlich sympathische Unterhaltung mit acht Darstellern in immerhin 13 Rollen. Und außerdem eine echte Augenweide, denn alle Kostüme (Ausstattung: Stephan Dietrich) wurden nach den Barockoriginalen eigens opulent und detailverliebt nachgeschneidert.

Es endet dieses knallbunte Sittenbild im Schlosspark Theater übrigens mit einem großen Triumph der Frauen, eine jede von ihnen bekommt nämlich genau das, was sie wollte. Während vom Größenwahn der Herren nur ein paar saftig vorgeführte Waschlappen in Strumpfhosen übrig bleiben.

Schlosspark Theater, Schloßstraße 48, Steglitz. Wieder: 19. bis 23. November, jeweils 20 Uhr. Kartentel: 789 56 67 100