Schlosspark Theater

Reich oder Nichtreich - das ist für Wigald Boning die Frage

Wigald Boning und Thomas Koschwitz haben am Schlosspark Theater ihr Theaterdebüt gegeben. "Die Selbstanzeige". Zusammen entzünden sie ein Pointenfeuerwerk auf der Steglitzer Bühne.

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Die Ballonseide kehrt ins Theater zurück. Also nicht in den Zuschauerraum, aber auf die Bühne des Schlosspark Theaters: Wigald Boning trägt eine ziemlich mehrfarbige, liladominierte Trainingsjacke, dazu eine schwarze Hose und Gummischlappen. Sein Francois Pignon ist ein armes Würstchen. Die Frau hat ihn längst verlassen, die Arbeit auch, er lebt von Stütze und ziemlich allein in seiner 400 Quadratmeter Wohnung in Paris. Die gehört seinem Patenonkel, den er eigentlich gar nicht kennt, der ihm aber das Appartement zum Hüten überlassen hat, weil er sich selbst irgendwo in der Welt herumtreibt.

Boning gibt in "Die Selbstanzeige" sein Theaterdebüt. Der Comedian wird gleich bei seinem ersten Auftritt mit Applaus begrüßt. Es scheint ihm ein bisschen unangenehm zu sein, schließlich weiß ja niemand, wie er sich in den kommenden zwei Stunden schlagen wird. Übrigens ganz ordentlich. Stimmlich und körperlich agiert er auf der Bühne zurückhaltender als seine Kollegen, aber das könnte ja auch der Rolle geschuldet sein.

Der zweite Theaterdebütant ist da von ganz anderem Kaliber: Thomas Koschwitz, die Radiolegende, spielt den Steuerfahnder Maurice Toulouse als eine Art humorfreien Terrier mit Zubeißreflex. Er ist vom ersten Augenblick an voll präsent - und der heimliche Star des Abends.

Pignon nutzt die Chance, dass der Steuerfahnder Informationen über seinen Patenonkel haben will. Er schlägt Toulouse einen Deal vor. Er soll auch gegen ihn, den armen Schlucker ermitteln, weil dann alle denken würden, er habe irgendwo Geld versteckt. Reich oder Nichtreich - das ist für ihn die entscheidende Frage. Und es funktioniert.

Geld macht eben doch sexy

Christine Lefèvre, die von Astrid Kohrs gespielte Innenarchitektin, die bei jedem Auftritt ein neues modernes Kunstwerk für die Wohnung mitbringt, findet den Ballonseidenjackenträger plötzlich hochattraktiv. Geld macht eben doch sexy. Kontakt zu Pignon sucht auch die Ex-Frau Marie, Anne Rathsfeld pendelt fein zwischen cholerischen Ausbrüchen und bemutterungshaften Annäherungsversuchen.

Pignon spielt lieber mit seiner russischen Nachbarin Olga (das Berlin-Debüt der litauischen Schauspielerin Elze Gudaviciute) Skrabble und macht sich über den anbiedernden Banker Maurin (Oliver Nische) lustig, der ein gutes Geschäft wittert.

Das Stück wirkt zwar ein bisschen konstruiert, funktioniert aber bestens und überrascht im zweiten Teil mit etlichen Wendungen, darunter dem Auftritt des Patenonkels (Harald Heinz). Bühnen- und Kostümbildner Stephan von Wedel hat einen rot dominierten Raum entworfen, die Tapete harmoniert mit dem ersten Kleid der Innenarchitektin, die Kunstwerke wie ein aus gebrauchten Abflussrohren zusammengebasteltes Kreuz ("ein echter Strobinski!") sorgen für Running Gags. In dem Stück geht es nicht nur um nervige Steuerfahnder und zwischenmenschliche Beziehungen, sondern auch um die moderne Kunst; seit Yasmina Reza ein durchaus beliebtes Sujet auf der Boulevardbühne.

Dieter Hallervorden, der Intendant des Schlosspark Theaters, hat die Komödie von Francis Weber aus dem Französischen übersetzt. In den deutschen Dialogen schimmert auch Hallervordens Humorverständnis durch. Regisseur Thomas Schendel vertraut auf den Text und seine Schauspieler. Alle zusammen entzünden sie ein Pointenfeuerwerk auf der Steglitzer Bühne.

Schlosspark Theater, Schloßstr. 48, Steglitz. Termine: 7.-9. und ab 28. September. Kartentelefon: 789 56 67-1000