Kunstwoche

Berlin bietet Kunst von heute für Menschen von heute

Die Berlin Art Week und die Messe „Berliner Liste“ bieten dem künstlerischen Nachwuchs eine Bühne und Sammlern die Chance, Kunstwerke preiswert zu kaufen.

Foto: Thomas Rosenthal / Berliner Liste / Thomas Rosenthal

Es wird ein kultureller Marathon. Ab dem 16. bis zum 21. September steht die Stadt wieder ganz im Zeichen der Berlin Art Week. Zwei Tage später, am 18. September, beginnen die Messen „abc art berlin contemporary“ und „Positions Berlin“ ebenso wie die „Berliner Liste“. Wer das Gros der geplanten Ausstellungen und Veranstaltungen erleben will, braucht garantiert Ausdauer. Im doppelten Sinne, denn das Angebot ist nicht nur inhaltlich, sondern auch territorial breit gestreut. So sind in diesem Jahr neben traditionellen Partnern wie der Akademie der Künste, Berlinische Galerie, der Nationalgalerie, den KW Institute for Contemporary Art und der Deutsche Bank Kunsthalle auch der me Collectors Room und das Haus am Waldsee mit von der Partie. Die Villa im Grunewald zeigt Arbeiten des Konzeptkünstlers Michael Sailstorfer (B-Seite/ B-Side).

Während die „abc“ bereits Tradition hat, gibt „Positions Berlin“, hervorgegangen aus der „Preview Berlin Art Fair“, ihren Einstand. Das Messeformat will die zeitgenössische Kunstszene nicht nur schlaglichtartig beleuchten, sondern einen Überblick und Diskurs der Entwicklungen des Kunstmarkts in Berlin ermöglichen. Die „abc“ mit etwa 110 Einzelpositionen zeitgenössischer Kunst nebst einer Vielzahl von Veranstaltungen, darunter Künstlergesprächen und Performances und zwei Galerie-Nächten, findet wie schon 2013 in der Station Berlin am Gleisdreieck statt. Die „Positions Berlins“ verwandelt das frühere Kaufhaus Jandorf an der Brunnen-/ Ecke Veteranenstraße in Mitte in eine temporäre Ausstellungshalle.

„Schwindel der Wirklichkeit“

Eröffnet wird die Berlin Art Week am 16. September in der Akademie der Künste am Hanseatenweg. Ab 19 Uhr sorgen Bands mit Diskopunk, Hip-Hop und Pop für akustische Abwechslung. Im Haus selbst startet die Ausstellung „Schwindel der Wirklichkeit“, die sich mit der Frage beschäftigt, wie die Künste heute die Wirklichkeit verändern.

Für die Schau konzipierte der britische Konzeptkünstler Hamish Fulton die Aktion „Walking East – Walking West“. Am 21. September werden auf der Straße des 17. Juni zwei Gruppen von jeweils 400 Personen langsam aneinander vorbeilaufen und damit symbolisieren, wie sich Ost nach West und West nach Ost verschiebt. Fulton führt schon seit 1967 weltweit „Wanderungen“ durch.

Installation im Hamburger Bahnhof

Der Hamburger Bahnhof gibt derweil Mariana Castillo Deball, Gewinnerin des Preises der Nationalgalerie für junge Kunst 2013, für ihre raumgreifende Installation „Parergon“ eine Bühne. Die Deutsche Bank Kunsthalle zeigt in Kooperation mit der Tate Modern Meschac Gabas „Museum of Contemporary African Art“. Eine zwölf Räume umfassende Installation, die sich kritisch mit der Wahrnehmung afrikanischer Kunst in der westlichen Gesellschaft auseinandersetzt.

Nach Angaben von Susanne Kumar-Sinner, für die Kommunikation der Berlin Art Week verantwortlich, sollen die Veranstaltungen zeigen, dass Berlin eine der dynamischsten Kulturmetropolen weltweit ist. Die Veranstaltungen sollen Künstler, Sammler und Kunstliebhaber zusammenbringen und viele neue Einblicke in die aktuelle Kunstproduktion gewähren.

Neue Kunst-Orte kennenlernen

Allerdings lassen sich laut Kumar-Sinner während der Tage nicht nur Kunstpositionen entdecken, ebenso laden sie dazu ein, neue Orte kennenzulernen. So kommen in diesem Jahr auch neun unabhängige Projekträume als temporäre Partner der Art Week dazu, darunter „die raum“, ein fünf Quadratmeter großes non-profit Zimmer in Mitte, „Archive Kabinett“ als Plattform für kulturelle Debatten in Neukölln und „Ozean“, eine ehemalige Garage, die in Kreuzberg für Ausstellungen umgebaut wurde.

Traditionell während der Berlin Art Week findet in diesem Jahr auch die „Berliner Liste“ statt. Das Spektrum der Messe mit 112 Ausstellern aus 24 Ländern reicht von zeitgenössischer Malerei, Skulpturen, Zeichnung und Grafik bis hin zu Installation, Video-Kunst und Performance. Vertreten sind neben deutschen und europäischen Galerien Aussteller u.a. aus den USA, China, Israel, Japan, Korea, Nigeria oder Kolumbien. Präsentiert werden vom 18. bis 21. September im ehemaligen Postbahnhof in Mitte erneut eine Vielzahl junger, aufstrebender Künstler, deren Arbeiten auch für Sammler ohne großes Vermögen finanzierbar sind.

Kein Angebot für irgendeine Elite

„Wir handeln nicht mit extrem hochpreisiger Kunst für eine Elite oder eine kleine Schicht von Höchstverdienern, sondern mit Kunst von heute für Menschen von heute“, sagt Kurator Peter Funken. „Und das sind durchaus junge Menschen, die heute damit anfangen, Begriffe der Kunst, des ästhetisch Neuen und Spannungsvollen individuell und selbstbewusst für sich zu definieren.“ Nach Angaben von Funken gibt es auf der Messe erstmals auch einen Bereich mit Editionen und Auflageobjekten.

Ein Highlight wird nach seinen Angaben zudem ein integriertes Festival mit zehn Performances sein. Ein besonderer Fokus der „Berliner Liste“ liegt laut Funken wieder auf der „Photography Section“. Denn die Fotografie habe eine lange Tradition in Berlin, zudem komme ihr als zeitgemäßem, modernem Medium eine wachsende Bedeutung zu.

Während der Messe werden u.a. Arbeiten von Torsten Schumann zu sehen sein. Der in Berlin lebende Künstler konnte bereits einige internationale Preise gewinnen und wurde in diesem Jahr auch für die weltweit Beachtung findende Ausstellung der britischen Royal Photographic Society ausgewählt.

Kafkas Briefe an Felice Bauer

Für Funken besitzt auch mit dem früheren Postbahnhof am Ostbahnhof die diesjährige Location ein besonderes architektonisches und historisches Flair. Denn man könne davon ausgehen, dass in dem Gebäude in Friedrichshain „die Briefe, die der Schriftsteller Franz Kafka von Prag an Felice Bauer in Berlin geschrieben hat, angekommen sind“. Für Funken eine wundervolle Vorstellung.

Foto: Courtesy the artist and Film and Video Umbrella