Frischer Wind weht aus dem Norden. Mit vielen neuen Ideen startet Markus Fein in seine erste Saison als Intendant der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Der Kulturmanager leitete schon die Musiktage Hitzacker und die Niedersächsischen Musiktage. Er gilt als fantasievoller Format-Erfinder.
Für die Festspiele vom 20. Juni bis zum 21. September hat er mehrere „Festivals im Festival“ kreiert. Eines heißt „360° Streichquartett“. Drei Tage sollen die Zuhörer verschiedene Streichquartette aus nächster Nähe und ungewöhnlichen Perspektiven erleben − nicht nur in Konzerten, sondern auch mit Künstlergesprächen, einer Filmnacht, offenem Unterricht und Spaziergängen. Jedes Jahr soll eine andere Gattung unter die Lupe genommen werden.
Von Schubert zu Caspar David Friedrich
Eine andere neue Festivalinsel sind die „Pavillons der Jahrhunderte“. Sie ziehen Verbindungslinien zwischen den verschiedenen Künsten einer Epoche. In dieser Saison stellt der „Pavillon Romantik“ den Greifswalder Maler Caspar David Friedrich in den Mittelpunkt von Gesprächen, Konzerten und Waldspaziergängen. Der „Pavillon Wiener Klassik“ bietet unter anderem ein Bilderkonzert zu Schuberts Streichquintett C-Dur. Das Publikum bekommt außerdem die Möglichkeit, mitten im Orchester zu sitzen, während die Musiker Beethovens 5. Sinfonie spielen.
„Wir möchten mehr bieten als Konzerte. Wir wollen das Publikum den Sog der Musik spüren lassen, die Menschen so nah wie irgend möglich an die Musik heranführen“, sagt der neue Intendant. So gibt es Hörexperimente und andere spielerische Formen, Werkstatteinblicke und Interpretationsvergleiche. Markus Fein will den Zuhörern zeigen, wie lebendig die klassische Musik sein kann. Der „Jahrmarkt der Sensationen“ ist ein anderes neues Format. Musiker, Pantomimen, Akrobaten und ein historisches Jahrmarktkino stellen einen Jahrmarkt aus der Zeit um 1900 nach und machen an acht Orten im Land Station.
Festival unter neuer Führung
Auch wenn der Kern der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern nach wie vor aus klassischen Konzerten mit einem Repertoire zwischen Haydn und Schönberg besteht, ist man doch offen für viele Genres. Der Gründungsintendant Matthias von Hülsen zieht sich aus Altersgründen zurück. Gleichzeitig räumt Daniel Hope das Feld, der ihm als künstlerischer Leiter zur Seite gestanden hat. Beide bleiben dem Festival aber eng verbunden.
Als eines der größten deutschen Festivals sind die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern gut aufgestellt, Markus Fein muss und will nicht alles neu erfinden.„Junge Elite“ heißt das Förderprogramm für den internationalen Spitzennachwuchs. Die Festspiele haben über die Jahre ein Netzwerk aus Hochschullehrern und anderen Musikexperten über die ganze Welt gespannt, die für das Festival Ausschau nach Ausnahmetalenten halten. Die Preisträger der Festspiele bleiben dem Festival auch verbunden, wenn sie sich einen Namen gemacht haben. Daniel Hope, Julia Fischer und Daniel Müller-Schott sind
Jedes Jahr darf ein Preisträger das Festspiel-Programm mitgestalten. In dieser Saison ist der Pianist Igor Levit „Preisträger in Residence“ und geht in 21 Konzerten seinen Vorlieben für Beethoven und das russische Repertoire nach. Eine zweite Hauptrolle spielen immer die Landschaft und die vielen reizvollen Festspielorte. Ohne die Open Airs in Redefin, Klütz, Hasenwinkel und Ludwigslust wären die Festspiele kaum denkbar.
Immer wieder finden sich neue Spielorte
Diesmal gibt es 127 Veranstaltungen in 86 Schlössern, Parks, Gutshäusern, Scheunen, Ruinen und Kirchen. Erstaunlich, dass sich immer noch neue Orte finden, dieses Jahr unter anderem die Klosterruine Eldena, das Eisenbahnmuseum Schwerin und das Gut Ulrichshusen ganz in der Nähe der Festivalzentrale. Auch Stars wie Sabine Meyer, Albrecht Mayer, Tabea Zimmermann, Sol Gabetta und Klaus Florian Vogt dürfen nicht fehlen. Der Geiger Gidon Kremer gestaltet gleich eine ganze Woche, und die Berliner Philharmoniker geben ihr lang erwartetes Debüt.
Wer dabei sein will, sollte sich beeilen: 75 Prozent aller Festival-Karten sind schon verkauft.
Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, 20. Juni bis 21. September, www.festspiele-mv.de





