Noch so ein Ermittlerduo, dem die Zeit davonläuft. Während die Berliner Kommissare Till Ritter und Felix Stark ihren letzten gemeinsamen Auftritt schon hinter sich haben, erzählt auch diese Leipziger Tatort-Folge nebenbei die Geschichte eines angekündigten Abschieds. Nachdem die Dreharbeiten für die heutige Episode im Oktober vergangenen Jahres abgeschlossen waren, erhielten Simone Thomalla und Martin Wuttke vom MDR postwendend die Kündigung. Noch dreimal, heute Abend eingeschlossen, werden wir ihnen als Eva Saalfeld und Andreas Keppler zusehen können, wie sie dem Bösen in den Garaus machen.

Schon die ersten Minuten machen klar, dass wir es diesmal nicht mit den sozialen Großproblemen zu tun haben, die uns in den vergangenen Wochen sonntagabends beschäftigten. Keine Migrantenclans also, keine wild um sich ballernden Mafiosi wie in Bremen oder Hamburg, auch kein Wiener Pädophilennetzwerk, das die Gesellschaft krebsartig durchwuchert. Es ist etwas ganz Alltägliches, um das es diesmal geht: Das Leben von Singles jenseits der 40 und die schwierige Suche nach einem Partner in der zweiten Lebenshälfte.

Etwas ganz Alltägliches

Und das könnte nach Aktenlage eigentlich eine spannende Sache werden – unter anderem, weil es mit Regisseurin Claudia Garde, Drehbuchautorin Katrin Bühlig und Kamerafrau Birgit Gudjonsdottir drei Frauen sind, die der Geschichte die Perspektive geben. Sie erzählen wiederum von drei Single-Frauen jenseits der 40, deren lässige Fröhlichkeit auch etwas Demonstratives, etwas traurig Aufgeschminktes hat. Denn natürlich geht es Julia Marschner (Oana Solomon) und ihren beiden Freundinnen nicht nur ums Feiern und ums Küssen und ums Tanzen auf Ü-40-Partys, es geht immer auch um die große Frage, was denn werden soll mit dem eigenen Leben, ob man sie noch findet, die Liebe, oder ob man allein bleibt, bis man auch zu alt für solche Nächte ist.

Das ist der Kern dieser Geschichte: das Älterwerden. „Frauen in unserem Alter verschwinden einfach“, heißt es einmal. Sie werden nicht mehr angesehen und nicht mehr begehrt, fast ist es, als wären sie gar nicht da. An einer Stelle fragt Andreas Keppler seine Kollegin, ob sie den Satz verstehe, und natürlich tut sie das, und er als Mann kann nur ahnen und nicht ganz begreifen, wie viel Angst und Einsamkeit sich in ihm versteckt.

Die attraktive Julia Marschner wird am Morgen nach der Partynacht tot aufgefunden, mit großflächigen Würgemalen am Hals und mit einer Fußfessel in der Scheide. Keppler und Saalfeld versuchen den Nebel zu lichten, der über diesem Abend und seinen letzten Stunden liegt. Hatte es nicht Ärger gegeben mit einem Mann, der sie auf der Tanzfläche bedrängte? War da nicht auch ein anderer Mann im Spiel gewesen? Ihre Freundinnen sind sich nicht sicher, sagen sie. Es war ja spät, Alkohol floss.

Warum ein SM-Handlungsstrang?

Dann ist da Julia Marschners Tochter Caro (Helen Woigk) und deren selbstgewiss in der Gegend herumflirtender Freund (Franz Dinda), der Julia Marschner schon lange auf die Nerven ging. Hat er was mit der Sache zu tun? Oder der Flirtcoach Römer, bei dem Julia offenbar Hilfe suchte bei der Partnerwahl und mit dem sie wohl eine Affäre hatte? Er ist es, der den kalten männlichen Blick auf die Suche der Frauen richtet: „Die sehnen sich nach Komplimenten“, sagt er, „gerade in der Zeit, in der sie kippen, zwischen 40 und 50“.

Vielleicht hätte es diesem Tatort gut getan, wenn er es bei diesem Thema belassen hätte: bei der Frage, wie wir altern, wie sehr uns das stresst und wann es zu spät ist. Warum bloß musste, Stichwort Fußfessel, noch ein SM-Handlungsstrang eingezogen werden? Weil „50 Shades of Grey“ so erfolgreich war? Weil wir noch etwas über Dominanz und Unterwerfung lernen müssen?

Wie auch immer: Es funktioniert nicht. Zumal der Sadomasochismus in der Figur des peitscheschwingenden Schönheitschirurgen Peter Hauptmann (Filip Peeters) auch eher als Karikatur denn als leidenschaftliche Kraft daherkommt. Weil die Konflikte der Frauen, die sich um ihn scharen, so kurios zusammenfantasiert sind. Und so beginnt es sich nach einer halben Stunde rostig und quietschend zu drehen, das Karussell der Verdächtigen, und man sieht ihm erst ratlos zu und dann genervt: weil hier eine Chance vertan wurde.

ARD: Frühstück für immer, 20.15 Uhr