Sammlung

Cornelius Gurlitt geht mit eigener Homepage in die Offensive

Auf gurlitt.info versucht der Sammler, sich zu verteidigen. Für Eigentümer von Werken aus der NS-Zeit steht ein „Anspruchsformular“ zur Verfügung. Außerdem berichtet Gurlitt von Rückkaufangeboten.

Foto: Stephan Jansen / dpa

Kunstsammler Cornelius Gurlitt geht zusammen mit seinen Anwälten in die Offensive. Unter www.gurlitt.info hat er eigens eine Internetseite einrichten lassen, die „Fakten und Argumente“ zum Fall der umstrittenen Sammlung auflistet.

In einem persönlichen Statement richtet er sich an die Leser: „Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kunstinteressierte“, schreibt der alte Mann, „so viel ist in den vergangenen Wochen und Monaten passiert und passiert noch immer. Ich habe nur mit meinen Bildern leben wollen, in Frieden und in Ruhe“.

Vor zwei Jahren wurden rund 1400 Werke in seiner Schwabinger Wohnung beschlagnahmt – das Erbe seines Vaters Hildebrand Gurlitt, eines vom NS-Regime wohlgelittenen Kunsthändlers. Erst vor einigen Tagen hatte Gurlitt bekannt gegeben, dass 60 weitere Werke, darunter Picasso, in seinem Salzburger Haus abtransportiert wurden, um sie zu sichern. Sie sollen nun – in seinem Auftrag – begutachtet werden.

„Manches von dem, was über meine Sammlung und mich berichtet wurde, stimmt nicht oder stimmt so nicht“, heißt es weiter in Gurlitts Ausführungen. „Deshalb wollen meine Anwälte, mein Betreuer und ich hier einige Informationen bereitstellen, um die Diskussion um meine Sammlung und um meine Person zu versachlichen.“ Drei Anwälte und ein Sprecher stehen ihm zur Seite.

Rückkaufangebote von deutschen Museen

Ein weiterer Punkt auf der Homepage skizziert die „Haltung Cornelius Gurlitts“. Er sähe, heißt es da, „seine Aufgabe darin, die Sammlung seines Vaters zu erhalten und zu bewahren. Dennoch stellt sich Cornelius Gurlitt offen der historischen Verantwortung.“ Und: Dem 81-Jährigen „war nicht bekannt, dass sich in seiner Sammlung auch vereinzelt Gegenstände befinden, welche heute als Raubkunst qualifiziert werden könnten“.

Offenbar gibt es bereits „Rückkaufangebote von deutschen Museen“. Gurlitt, so heißt es weiter, sei „gerne bereit, solche Rückkaufangebote, so sie dem Marktwert des Werkes und der Rechts- und Sachlage entsprechen, gewissenhaft zu prüfen“. Für mögliche Eigentümer von Kunstwerken aus der NS-Zeit steht online ein „Anspruchsformular“ zur Verfügung.

Bei den Bildern, die aus Gurlitts Haus in Salzburg stammen, habe sich nach einem Abgleich in Verlustregistern keinerlei Verdacht ergeben. Für die Schwabinger Werke meldeten sich vier Anspruchsteller. „Es handelt sich konkret um die vier Rückgabeanfragen der Erben Rosenberg, Friedmann, Dr. Glaser und Littmann“, heißt es. In den Verhandlungen gehe es auch um Max Liebermanns „Zwei Reiter am Strand“.

Das Vorgehen gegen seinen Mandanten kritisiert sein Anwalt Hannes Hartung: „Bis heute weigern viele Museen in Deutschland sich kategorisch, überhaupt nach Raubkunst in ihren Sammlungen zu suchen und Fundmeldungen ins Internet zu stellen.“ Unterdessen wachsen, laut „Spiegel“-Informationen, im bayerischen Justizministerium Zweifel an der Herangehensweise der Augsburger Staatsanwaltschaft. Das Ministerium sehe die Staatsanwaltschaft auf sehr dünnem Eis und habe angefragt, ob sie Gurlitt überhaupt strafbares Verhalten vorwerfen könne.