Entdeckte Werke

Kulturpolitikerin will Museum für Gurlitt-Sammlung bauen

Cornelius Gurlitt hortete über 60 weitere Werke in seinem Haus in Salzburg – Kulturpolitikerin Tabea Rößner will die Sammlung im Museum ausstellen. Dafür komme nur ein Neubau infrage.

Foto: WILDBILD / AFP

Es geht um Monet, Picasso und Renoir, die ganz großen Maler: Die Sammlung des Kunsthändlersohnes Cornelius Gurlitt ist noch größer als bislang gedacht. Auch in seinem verlassenen Haus in Salzburg befanden sich mehr als 60 wertvolle Kunstwerke.

Diesmal kam die Nachricht allerdings von Gurlitt selbst: Sein Sprecher Stephan Holzinger teilte mit, die Bilder seien am Montag in Salzburg gesichtet und gesichert worden. "Im Auftrag von Cornelius Gurlitt werden diese Exponate von Experten auch hinsichtlich eines etwaigen Raubkunstverdachts geprüft", teilte er mit. Nach vorläufiger Einschätzung "auf Basis einer ersten Sichtung hat sich ein solcher Verdacht nicht erhärtet". Gurlitt steht seit Ende vergangenes Jahres unter Betreuung. Sein Betreuer, der Rechtsanwalt Christoph Edel, hatte die Sicherstellung der Salzburger Werke veranlasst, um sie vor Einbruch und Diebstahl zu schützen. Kaum zu glauben, aber bis jetzt lagen diese kostbaren Arbeiten ungesichert im Haus – jeder Einbrecher hätte sie dort herausholen können.

Die Berliner Taskforce zum "Schwabinger Kunstfund" sieht sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht zuständig. "Die Salzburger Aktion ist Gurlitts eigene Maßnahme", so ein Sprecher. Die Staatsanwaltschaft Augsburg hatte vor einigen Monaten in Gurlitts Münchner Wohnung mehr als 1400 Kunstwerke sichergestellt. Knapp 400 davon stehen im Verdacht, Raubkunst aus der Nazizeit zu sein. Nach Ansicht Gurlitts und seiner Anwälte wurden die Bilder allerdings zu Unrecht beschlagnahmt.

Berlin wäre ein guter Standort

Für Tabea Rößner, Obfrau im Kulturausschuss, ist der Gurlitt-Fund eine "einmalige Chance". Die Kulturpolitikerin plädiert dafür, die Sammlung öffentlich zugänglich mache, also in einem Museum zu präsentieren, – und dabei auch gleich das Thema Raubkunst zu thematisieren beziehungsweise ein Zentrum für Restitutionsfragen einzurichten.

Für die Bundestags-Abgeordnete kommt dafür nur ein Neubau in Frage, allein schon, um eine historisch unbelastete Architektur zu haben. Das neue Museum sollte aus ihrer Sicht an einem zentralen Ort stehen, also beispielsweise in München oder Berlin.

Die Exponate gehören allerdings nicht dem Bund. Tabea Rößner verweist darauf, dass der 81-jährige Gurlitt signalisiert habe, dass ihm der Verbleib der Werke nach seinem Tod egal sei. Aber einen Deal wird man mit Gurlitt schon eingehen müssen, wenn man die Bilder ausstellen will. Zumal ein Teil der Sammlung eines Tages wohl an die früheren Besitzer zurückgegeben werden wird, also müssten die Erben einer Dauerleihgabe zustimmen – oder einem Verkauf. Wahrscheinlich wird das Thema am Mittwoch den Bundestagskulturausschuss beschäftigen, wenn die Parlamentarier über das Programm der Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) diskutieren.

Die Augsburger Staatsanwaltschaft wollte am Dienstag die Mitteilung Holzingers nicht kommentieren. Die Staatsanwaltschaft leitet die Ermittlungen gegen Gurlitt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Um die Recherche zur Herkunft der Bilder kümmert sich eben die Taskforce "Schwabinger Kunstfund". Beide – sowohl Staatsanwaltschaft als auch Taskforce – stehen inzwischen mit Gurlitt in Kontakt. Mehr will man nicht sagen. Der leitende Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz bekräftigte in der vergangenen Woche: "Ganz klar ist: Es wird keinen Deal, Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen Rückgabe der Bilder oder Ähnliches geben."

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