Konzert in Berlin

Iron Maiden geben Heavy-Metal-Zeitalter als Nummernrevue

Iron Maiden spielten bei ihrem Konzert in Berlin die ewigen Dauerbrenner und zeigten den üblichen Mummenschanz. Doch sie bewiesen auch: Heavy Metal pfeift noch nicht auf dem letzten Loch.

Foto: pa/ANN/The Strai/The Straits Times

Iron Maiden sind eine ehrliche und ernsthafte Heavy-Metal-Band. Vielleicht sogar die weltweit erfolgreichste Quintessenz einer solchen.

Dementsprechend kratzt es die Konzertbesucher am Dienstagabend in der Berliner O2 World nicht weiter, dass in der Waldbühne zeitgleich Bon Jovi aufspielen. Ende der Achtziger hätte man beide Bands problemlos auf demselben Festival finden können.

Dann haben Bon Jovi dem Hard- und zuletzt dem Rock entsagt und spielen nunmehr nur noch weichgespülte Liebeslieder für Hausfrauen. Behauptet zumindest der Metal-Mund.

Und Metal-Fans vergeben nicht, geschweige denn vergessen gern. Genau das macht Iron Maidens aktuelles Gastspiel unter dem Banner „Maiden England“ so reizvoll. Benannt nach einem Konzert-Video-Mitschnitt aus dem Jahre 1988, steht es ganz unverblümt im Zeichen der Zeitreise und verspricht den Sprung zurück in die Achtziger.

Die Zahlen sprechen für die Band. Sechs Shows ihrer derzeitigen Deutschland-Tournee sind mit insgesamt 110.000 Zuschauern so gut wie ausverkauft. Auch die O2-Arena zählt mit gut 16.000 Zuschauern nahezu maximale Auslastung.

20.45 Uhr. Anpfiff. Maiden, so sagt man als eiserner Insider, eröffnen mit „Moonchild“ ihr Konzert wie einst 1988. Pyrotechnik, flankierende Leinwände und Bühnenbild lassen indes auf ein Update schließen.

Ihr Sprachrohr für britischen Humor bleibt Sänger Dickinson: „Präsident Obama ist heute sicher nicht hier, eher wohl beim Bon-Jovi-Konzert“, unkt der agile 54-Jährige bei seiner ersten Publikumsansprache. Das provoziert „Maiden, Maiden!“-Sprechchöre, wie es sich für gelebte Fan-Zugehörigkeit gehört. Heute sind alle beim selben Verein in der O2 World.

Selbst Jüngere haben die Zeitkapsel geschluckt

Zwischendrin tanzt eine einsame Frau, auffällig zivil und ohne erkennbare Club-Zugehörigkeit, im Takt. Daneben recken und wiegen einst Langhaarige die Fäuste in Siegerposen. Selbst jüngere Semester haben die Zeitkapsel geschluckt. Mittzwanziger feiern die alten Songs der letzten Heavy-Metal-Helden in Second-Hand-Pose genauso als Hymnen ihrer Jugend.

Vor allem natürlich den ewigen Dauerbrenner „The Number Of The Beast“. Dann der übliche Mummenschanz. Zu „Run To The Hills“ stakst ein kostümierter „Eddie“-Lulatsch über die Bühne. Das mit Synthesizern und Soli angereicherte Epos „Seventh Son Of A Seventh Son“ wirkt allerdings eher ermüdend. Da hilft auch eine überlebensgroße Buddha-Statue im „Planet der Affen“-Design mit blitzenden Augen als nächstes Show-Gimmick wenig.

Dann gewinnen Iron Maiden ihr Publikum mit einem Song zurück, der überraschend eben nicht aus den Achtzigern stammt. „Fear Of The Dark“ von 1992 wird von der Halle mit jenen lautstarken Fußballchören gefeiert, die sich jede Band nur wünscht.

Der Themensong „Iron Maiden“ beendet das Set schließlich mit großem Aufblas-„Eddie“. Fehlt noch die Zugabe: Wochenschau-Kriegsbilder paaren sich mit einem programmatischen Songdoppel aus „Aces High“ sowie „The Evil That Men Do“.

Die obligatorische Schlussnummer „Running Free“ legt die Frage noch näher: Sind Iron Maiden nun eigentlich friedliebende Hippies oder Metal-Punks? Monty Pythons traditionelle Ausgangsmusik „Always Look On The Bright Side Of Life“ stellt nach guten 90 Spielminuten plus Halbzeitpause klar: Heavy Metal pfeift noch nicht auf dem letzten Loch. Und kann sowohl albern, kritisch wie auch auch humorvoll sein.