Sinkende Marktanteile

Wie der RBB attraktiver werden will

Im Kampf gegen sinkende Zuschauerzahlen setzt der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) auf eine neue Programmstruktur. Der Sender will vor allem Reportagen und Dokumentationen ein größeres Gewicht einräumen. Zwei Formate fallen weg – die Änderungen sollen ab Spätsommer greifen.

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Von einem „nie dagewesenen Kahlschlag“ beim Fernsehprogramm des Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) könne keine Rede sein, versucht der Pressesprecher des Senders, Justus Demmer, im Gespräch mit der Morgenpost Online zu beschwichtigen. Die rabiate Formulierung hatte am Donnerstag innerhalb kürzester Zeit im Internet die Runde gemacht, nachdem „Spiegel Online“ sich auf „einige im Haus“ des RBB beschäftigte Mitarbeiter berufen hatte und von einer geplanten „Selbstrasur“ des öffentlich-rechtlichen Senders berichtete.

Was Sender-Pressesprecher Demmer bestätigen kann, sind eine Reihe von Neuerungen im Programm des RBB-Fernsehens, die bis Sommer umgesetzt werden sollen. Am Donnerstag seien die Programmverantwortlichen durch die einzelnen Redaktionen gegangen und hätten die Mitarbeiter über die anstehenden Änderungen informiert.

Bekanntestes Opfer der Umstrukturierungen des TV-Programms dürfte die Gesprächssendung „Klipp & Klar“ sein, die nach ihrem Start im Jahr 2011 nun schon bald wieder eingestellt werden soll. Die nationale Fernseh-Talk-Konkurrenz ist zu stark und schnappt dem Regionalsender nebenbei die wichtigen Gäste vor der Nase weg. Der 40 Jahre alte Moderator Marco Seiffert soll weiterhin im Sender verbleiben.

Eingestellt werden soll bald auch das Ratgeber-Format „Die Jury hilft“, das der RBB bereits am kommenden Wochenende durch die Reportage-Reihe „360 Grad Berlin“ ersetzt. Auf 30 Minuten stutzen will der Sender außerdem das Service-Magazin „was! Wirtschaft Arbeit Sparen“, das sich seinen neuen Mittwochsplatz künftig mit dem Politikmagazin „Klartext“ teilen muss.

Die nun anstehende Programmreform ist Ausdruck des Bemühens des RBB, vor allem das Hauptabendprogramm attraktiver zu gestalten. Nach den durchaus erfolgreichen Regionalprogrammen „zibb“, „Abendschau“ und „Brandenburg aktuell“ nimmt das Zuschauerinteresse zur Primetime ab 20.15 Uhr meist rapide ab. Zusammen mit dem Fernsehen des Südwestrundfunks ist der RBB bundesweites Schlusslicht, was die Einschaltquote im eigenen Sendegebiet angeht.

Dieser Entwicklung möchten die RBB-Oberen nun entschieden entgegensteuern. „Wir wollen leichter zugänglich sein für die Zuschauer“, sagt Sprecher Demmer. Helfen soll dabei vor allem ein neues Programmschema, das an den verschiedenen Abenden der Woche unterschiedliche Akzente setzt. So soll es am Dienstag einen festen Sendeplatz für Dokumentationen geben, was dabei helfen könnte, „unsere Stärken im dokumentarischen Fernsehen besser“ zu zeigen, wie Programmdirektorin Claudia Nothelle sagt. Am Mittwoch um 21 Uhr schaffe man Raum für ein noch zu entwickelndes Format, am Donnerstag gehe es um Innovation, am Freitag dominiere auch künftig Unterhaltsames wie das schon derzeit beliebte „Kesslers Expedition“ mit dem „Switch“-Comedian Michael Kessler. Überhaupt will das RBB-Fernsehen die noch recht häufig anzutreffende „Schwere“ aus dem Programm verbannen, wie Demmer sagt.

Neu konzipierte Unterhaltungssendungen sollen ihren Teil dazu beitragen. Von einer Anbiederung an den Publikumsgeschmack will der Pressesprecher hingegen nichts wissen. Sendungen wie die von Dieter Moor mit dem augenzwinkernden Titel „Bauer sucht Kultur“ sollen dem RBB-Fernsehen längerfristig dabei behilflich sein, „im Kern öffentlich-rechtlicher“ zu werden, wie er sagt. Claudia Nothelle, Programmdirektorin des Senders, hatte den Hauptabend im vergangenen Jahr als „unsere große Baustelle“ bezeichnet. Neben dem omnipräsenten Druck Gebührengelder einzusparen, sei es erklärtes Ziel der anstehenden Programmreform, „einen anderen Ton zu treffen“, „neue Formate zu entwickeln und bestehende zu entstauben“, sagte sie der „Berliner Zeitung“ damals. Eine vom Sender in Auftrag gegebene Studie habe außerdem ergeben, dass der RBB kein „Ost-West-Problem“ mehr habe, was dem angestrebten Imagewandel sehr zuträglich sei, sagte Nothelle.

Am Donnerstag nun tagte der Programmausschuss, wo sie die Details zur Reform des Fernsehens bekanntgab. Am 1. März dann kommt der Rundfunkrat zusammen. Werden die geplanten Neuerungen abgenickt, könnte der RBB Ende des Sommers sein neues Programmschema einführen. Ein anderes Drittes Programm habe man sich nicht als Vorbild genommen, sagt Pressesprecher Demmer. Im Hinblick auf die Einschaltquote wäre der Mitteldeutsche Rundfunk ein echtes Vorbild. Auch seine besonders hohe Zuschauerakzeptanz wird ARD-intern bewundert.