Ausstellung

Mario Adorf kann auch böse

Die Berliner Akademie der Künste zeigt eine Ausstellung über das Leben des 81 Jahre alten Schauspielers. Besonders beeindruckend ist die mütterliche Sammlung von Zeitungsausschnitten über den berühmten Sohn.

Foto: Reto Klar

Ein bisschen unheimlich ist es schon, sich das vorzustellen, wie da eine alte Frau in einer Kammer sitzt und jeden Zeitungsausschnitt über ihren Sohn ausschneidet, der Mario Adorf heißt und Schauspieler ist. Mit dabei ist auch ein Artikel aus dem „Goldenen Blatt“ aus dem Jahr 1995, dessen Überschrift lautet: „Alles was ich bin, verdanke ich meiner Mutter“.

Diese Ausschnittsammlung ist jetzt in der Ausstellung „Mario Adorf – böse kann ich auch“ in einem von fünf Räumen der Akademie der Künste am Pariser Platz zu sehen. Rund 500 Stücke aus dem Nachlass des noch aktiven Schauspielers – sein Film „Bettspaziergang“ hat bald Premiere – wurden auf 600 Quadratmetern ausgebreitet, an die Wand gehängt oder werden jetzt so in Vitrinen beleuchtet, dass Besucher sogar in Mario Adorfs Personalausweis Schwarz auf Weiß nachlesen können, wie er im Jahr 1951 aussah. Seine Augen waren schon damals braun, er war 176 Zentimeter groß und seine Gestalt wird als „gedrungen“ beschrieben. Unveränderliche Merkmale: Keine.

Im Raum dahinter finden sich neun große Kisten, die Filme zeigen werden, in denen der mittlerweile 81-Jährige oft den Bösewicht spielte, ob als schießwütiger Cowboy in „Winnetou“, als Spielzeug-Dieb und strenger Vater in „Die Blechtrommel“ oder als Lustmörder in „Nachts, wenn der Teufel kam“. Insofern ist der Untertitel „Böse kann ich auch“ ironisch zu verstehen. Auch in den späteren Fernseh-Mehrteilern, die in einem Raum erläutert werden, spielt er oft die großen, unsympathischen Männer: „Der große Bellheim“ oder „Der Schattenmann“.

Doch der wirklich besondere Raum, der nach dem Verlassen der Ausstellung nachwirkt, ist der, der den Zeitungsausschnitten der Mutter gewidmet ist. Gerade in einer Zeit, in der Online-Medien viel schneller solche Archive erstellen, ist es etwas besonderes, zu sehen, welche Mühe sich Adorfs Mutter mit dem gedruckten Wort über ihren Sohn gegeben hat – selbst mit den Artikeln, die versuchten, den Schauspieler bis ins Schlafzimmer zu verfolgen: „Und dann erlosch das Licht“ steht unter einem Foto, das den Schauspieler im Februar 1969 mit der Kollegin Brigitte Bardot zeigt. Beide liefen mit Bardots Lichtdouble hinauf in das Hotelzimmer, steht dort, die drei seien erst am nächsten Morgen zum Frühstück erschienen.

Überhaupt lohnt es sich, bei dieser Ausstellung die Nase fest an die Glasscheiben zu pressen. In einer der Notizen zu seinen Musikauftritten in der Berliner Waldbühne findet sich ein Witz, den er dort Mitte der 90er-Jahre erzählt hat: Eine Maus entwischt der Katze in ihr Loch und hört dort, wie die Katze wiederum vom Hund vertrieben wird. Als die Maus erleichtert herauskommt, steht dort die Katze und sagt: „Ohne Fremdsprachen bekommt niemand heute einen Bissen.“