"The Voice of Germany"

Erniedrigungsfestspiele à la Dieter Bohlen sind out

Ohne Erniedrigung, ohne Fremdschämen, dafür mit sehr vielen Talenten: "The Voice of Germany" rettet die Ehre der Castingshows.

Dieter Bohlen lümmelt in seinem Sessel. Er hat sichtlich Spaß daran, jemanden vor der Kamera mal richtig fertig zu machen. Warum? Weil er es kann. So ungefähr sieht das Rezept von "Deutschland sucht den Superstar" aus, der bisher erfolgreichsten Casting-Show im deutschen Fernsehen.

Doch die Erniedrigungsfestspiele des Dieter Bohlen haben Konkurrenz bekommen: " The Voice of Germany ". Hier dürfen nur Leute antreten, die schon singen können und die prominenten "Coaches" werben um die Talente. Harte Worte gibt es so gut wie nie. Das wundert zwar bei ausgemachten Kuschel-Promis wie Nena oder Rea Garway wenig und auch der dauermelancholische Xavier Naidoo ist nicht dafür bekannt, grundlos andere Menschen runterzuputzen.

Selbst die Großstadt-Cowboys von „The BossHoss“ halten sich trotz harter Schale zurück. Das wirklich Spannende an dem neuen Format ist, dass die Softie-Show von Sat.1 und Pro 7 sehr erfolgreich ist. Am vergangenen Freitagabend sahen 5,02 Millionen Deutsche die Sendung. Das entspricht einem Marktanteil von 16,4 Prozent. Nur "Wer wird Millionär" hatte noch mehr Zuschauer.

Der Erfinder der Show ist einer, der schon seit Jahren erfolgreiche Sendungen für den Deutschen Markt entwickelt. Der Produzent John de Mol, der Deutschland schon mit der "Traumhochzeit" und "Big Brother" beglückte, erklärt den Erfolg der Sendung in der "Bild am Sonntag" so: "Affenzirkus will keiner mehr sehen.“

Bei "The Voice of Germany" wird nicht auf Menschen herumgetrampelt, sondern ernstes Bemühen von begabten Künstlern belohnt. Eine Erfrischung, die sich die Casting-Show-Gemeinde redlich verdient hat.