Elektronik

Radiohead verhelfen Modeselektor zum Durchbruch

"Monkeytown" heißt das neue Album des Elektronik-Duos Modeselektor. Mit dabei sind auch Thom Yorke von Radiohead und R'n'B-Sängerin Miss Platnum.

Eigentlich war das Interview schon gelaufen. 2003 traf Charlotte Roche für Viva Fast Forward Thom Yorke von Radiohead . Sie sprachen über Blair und Schröder, über Bush, die großen Konzerne und wie schlecht die Welt nach dem 11. September doch sei. Dann die letzte, aber wirklich letzte Frage.

Welche Musik er denn gerade höre, will Roche zum Abschluss wissen. "Da gibt es dieses deutsche Label, Bpitch Control", führt Yorke aus. Paul Kalkbrenner veröffentlichte auch dort. "Die haben diesen Typen, Modeselektor. Sein Zeug ist der ganz heiße Scheiß."

Bei Sebastian Szary und Gernot Bronsert bimmeln danach die Telefone um die Wette. Modeselektor sind zwar ein Duo, aber auf einmal Thema Nummer 1 der Musikpresse. Inzwischen gehören die beiden Produzenten zum etablierten Kreis der Elektronik-Elite und bringen ihr drittes Album "Monkeytown" auf den Markt.

Gespartes Geld für Synthies

Sebastian Szary, 36, sitzt im schwarzen Arbeits-Overall im noch nicht eingerichteten Büro seiner Plattenfirma. "Modeselektor" ist in zackiger Schrift auf den Rücken genäht, so wie man es eigentlich von Metal-Bands kennt. "Das mit dem Anzug ist praktisch. Nach dem Konzert zieht man ihn aus, am nächsten Tag wieder an, als ob man zur Arbeit ginge, so wie das tausende jeden Tag machen."

In Rüdersdorf bei Berlin tat er das tatsächlich. Als Betonfertigteilbauer sparte er sich das erste Geld zusammen, steckte es in Synthies und Drum-Computer. Die Techno-Welle hatte gerade Berlin erreicht.1992, kurz nach der Wende, gab es keine aufregenderen Orte als den Tresor oder das E-Werk.

Champagner für das Publikum

Bronsert und Szary organisierten Techno-Partys in leerstehenden Fabriken vor den Toren Berlins, "mit dem Festnetztelefon", wie sich Szary lachend erinnert. Mit "Hyper, Hyper" von Scooter beginnt die Kommerzialisierung der neuen Musik. Techno, das hört bald jeder. Den beiden wird es fad. Erstmal keine Partys mehr.

Andere Projekte, getrennte Wege. Unter dem Namen Modeselektor erscheint erst 2005 ihr Debüt "Hello Mom!". Mit dem Humor, Tracks "Die Club-Nummer", "Kill Bill Vol. 4" oder "Tetrispack" zu nennen, mit dem Ruf, stets eine Flasche Champagner ins Publikum zu spritzen und dabei doch grandiose Stücke zu spielen, avanciert die Gruppe zum Geheimtipp.

Sie kennen keine Grenzen, Hip-Hop, Dub, Dancehall, Indie-Einflüsse, alles spielt mit rein bei ihrem ganz eigenen Modeselektor-Sound. Sie kollaborieren mit Maximo Park, Bonaparte, Fettes Brot und natürlich auch Tom Yorke.

"Kill Bill" wird nicht mehr gespielt

Zum zweiten Mal wirkt der auf einem Album des Duos mit. Ein bloßes Feature, wie man dazu sagt, ist das nicht mehr. Neben Yorke sind auf "Monkeytown" noch Otto von Schirach, der Produzent aus Florida, Miss Platnum, die R’n’B-Sängerin aus Berlin, und noch viele andere zu hören.

"Das sind richtige Freundschaften geworden. Über die Jahre haben wir uns kennengelernt. Dann läufst du nachts durch Berlin und vor dem Studio von Apparat trifft man zufällig Otto wieder, geht was trinken. Das schweißt zusammen." Auf der gemeinsamen Japan-Tour mit Radiohead feierte man sogar zwei Geburtstage zusammen. Den vierzigsten von Yorke und den ersten von Szarys Tochter.

Auf der kommenden Tour werden nur Stücke vom neuen Album gespielt. Kein "Kill Bill" und auch nicht der "Hyper Hyper"-Remix. Modeselektor wollen weg vom Klamauk. Die Tochter muss aus dem Kinderladen abgeholt werden, das neue Büro wird von Szarys Frau eingerichtet. Getourt wird bald nur noch in den Schulferien. Ein ganz normales Leben eigentlich, so wie das Tausende jeden Tag leben.