Ratesendung

Die ARD in den Seichtgebieten des TV-Quiz

Faktenchecker Frank Plasberg ist kein Entertainer: Gebremst unterhaltsam sollte der "Quiz der Deutschen" im Ersten sein. Immerhin ist man beim Zuschauen nicht dümmer geworden.

Weder allzu hart noch besonders fair ging’s zu gestern Abend beim "Quiz der Deutschen". Aber schließlich traf ja auch nicht Politik auf Wirklichkeit, sondern Frank Plasberg einmal mehr auf die leichte Muse.

Schon in den vergangenen beiden Jahren hatte der ARD-Polit-Talker mit dem Quiz ehrenwerte Ausflüge in die Untiefen der Unterhaltung gemacht. Doch auch nach diesem dritten Anlauf bleibt festzustellen: An dem knallharten Faktenchecker ist kein begnadeter Entertainer verloren gegangen.

Ein Kai Pflaume oder Jörg Pilawa wird der spröde Plasberg auch in 100 Jahren nicht. Aber das ist auch gut so, denn von der Sorte verschleimen schon viel zu viele aalglatte Knallchargen bundesdeutsche Bildschirme.

Gerade Plasbergs deutlich sichtbares Fremdeln mit der ihm zugedachten Rolle macht ihn dagegen umso authentischer und damit vertrauenswürdig. Und sein doch eher unbeholfener Charme, wenn er zum Beispiel zunächst Tagesschau-Sprecherin Linda Zervakis aus dem Frauenteam beim Kräfte zehrenden Klettfußball-Spiel wegen ihrer Schwangerschaft auf die Trainerbank schickt und im selben Atemzug den immer noch rüstigen Norbert Blüm bei den Männern bittet, sich ebenfalls lieber auszuruhen, passt zum bodenständigen Konzept der Show.

Heiter soll es sein, so ein Ratespiel unter der Woche zur besten Sendezeit in der ARD, aber bitte schön nicht zu seicht oder gar niveaulos. Da kommt ein Frank Plasberg mit seiner, seien wir ehrlich, ab und an arg schulmeisterlichen Art des Fragenstellens gerade recht.

Fragen, deren Antworten man getrost vergessen darf

Und obwohl ein Großteil der Fragen zur deutschen Heimatkunde, Geographie, Politik, zu Sport und Musik eher in die Kategorie nutzloses Wissen gehört und man die Antworten getrost schon beim Ausschalten wieder vergessen haben darf (wie etwa, dass Klaus Töpfer den Rhein 1988 nicht durchschwommen hat, um auf die gute Wasserqualität aufmerksam zu machen, sondern weil er eine Wette verloren hatte), blitzte ab und an auch immer wieder der Bildungsanspruch der Öffentlich-Rechtlichen auf.

So wird sich zum Beispiel nun wohl, nachdem sie zwar einwandfrei die nord- von den ostfriesischen Inseln geschieden hatte, ihr deren Lage dann aber etwas durcheinander geriet, nicht nur Bärbel Schäfer bis an ihr Lebensende merken, dass Norderstrand südlich von Pellworm liegt.

Doch so nett die Idee einer virtuellen Deutschlandreise für ein Quiz auch ist, birgt sie auch ihre Tücken. Zumindest für die ARD. Denn die, wie wir sie kennen selbst in einer Show um Proporz bemüht, musste in der föderalen Republik natürlich jedem Bundesland eine eigene Frage zugestehen. Im Ergebnis führte das zum einen dazu, dass Plasberg ganz schön durchs Programm hetzte, um auch ja alle 16 Länder in der vorgesehenen Sendezeit unterzukriegen.

Zum anderen wurde es absurd, als zum Thema Sachsen nur noch eine Musik-Frage überblieb, weil man offenbar auch diese Kategorie noch irgendwie einbauen wollte. Aber was bitte schön hat das Erkennen und Nachträllern von "1000 Mal berührt", "Über sieben Brücken musst du gehen" und "Ich war noch niemals in New York" mit dem Feistaat zu tun?

Jetzt wissen wir, Christine Neubauer geht nie zum Musical

Immerhin können wir nach der gewöhnungsbedürftigen gesanglichen Darbietung von Christine Neubauer ziemlich sicher darauf hoffen, dass wir sie wohl niemals in einem Musical sehen müssen.

Ansonsten hielt sich das patente Vollweib des deutschen Fernsehfilms allerdings ziemlich bedeckt und auch mit Norbert Blüm, Markus Lanz und Linda Zervakis war kein großer Staat zu machen. Einzig die wie immer aufgedrehte Bärbel Schäfer und Oliver Pocher, der sich nach einem Fußball-Spiel sein Hemd herunterriss und Christine Neubauer vergeblich zum Trikottausch aufforderte, sorgten für Stimmung.

Dass Pocher aber nicht nur blödeln kann, bewies er in der Schnellraterunde zum Schluss. In 100 Sekunden beantwortete er satte 14 Fragen korrekt und musste nur viermal passen. Schöner noch als richtige Antworten sind allerdings die Patzer der Promis und von denen leistete sich Bärbel Schäfer einige.

Immerhin: Dümmer wird man nicht von diesem Quiz

Erst verlegte sie die Völkerschlacht von 1813 von Leipzig nach Nizza und ließ dann aus Werra und Fulda die Donau entspringen. Zur Krönung fiel ihr auf die Frage, welcher Kaiser der Sage nach im Kyffhäuser schläft, nichts Besseres ein als: "Wer kifft wo?"

Alles in allem bot die Show gediegene Abendunterhaltung, die keinem wehtat. Wer also am kommenden Donnerstag eh nichts Besseres vorhat, ist beim "Quiz der Deutschen" gut aufgehoben. Dümmer wird man nicht davon. Und das ist bei dem Stuss, der einem im Fernsehen sonst so vorgesetzt wird, schon ein echtes Merkmal von Qualität.