Neu auf CD

Die Metaller von Anthrax beenden ihren Sängerkrieg

Nach acht Jahren Pause melden sich die Metal-Veteranen Anthrax wieder zurück. Außerdem: Neue Platten von Rapper DJ Shadow und Musiker Example.

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Weltberühmt wurde die Gruppe Anthrax vor zehn Jahren. In Amerika erhielten einflussreiche Stellen damals Post mit den Bakterien der Milzbrand- oder Anthrax-Seuche. Um die Terrorangst zu bannen, landete die gleichnamige Band vorübergehend auf dem Index. Anthrax waren gerade 20 Jahre alt geworden.

Zwar hatten sie immer schon die Weltübel besungen und vertont, aber so unpolitisch wie man es nur sein kann im amerikanischen Thrash Metal. Scott Ian Rosenfeld, der Gitarrist und Gründer, pflegte seine eigenen Konflikte. Seinen ewigen Sängerkrieg: Joey Belladonna wurde 1993 von John Bush besiegt, der vor acht Jahren noch das bislang letzte Album einsang, „We've Come For You All“. Für eine Nostalgietour wurde Bush wieder ersetzt durch Belladonna.

Sänger-Hick-Hack führt zu Zwangspause

Bush reichte die Kündigung ein, auch Belladonna zog sich anschließend entnervt zurück. Der nächste Sänger hieß Dan Nelson. Er wurde entlassen, nachdem er den Bandfrieden mit kapriziösen E-Mails unterwandert hatte, und seine Gesangsbeiträge zum Comeback-Album wurden gelöscht. Sie wurden neu von Joey Belladonna eingesungen. Nun sind Anthrax nach acht Jahren wieder da mit einem neuen Album. Auch der Sängerkrieg ist beigelegt.

Zuletzt waren sie beim G-4-Gipfel des Heavy Metal unterwegs mit Megadeth, Metallica und Slayer. Anthrax feiern ihren 30. Geburtstag mit Humor: mit Zombies auf der Plattenhülle und mit einem Stück, das „Judas Priest“ heißt, sich aber weder nach Judas Priest anhört noch von den Metal-Veteranen handelt. Ernste Themen kommen ebenfalls zur Sprache. In „The Devil You Know“, „Fight 'Em 'Til You Can't“ und „Earth On Hell“. Die Welt ist krank, doch Anthrax haben ihre Stimme wieder.

4 von 5 Punkten.

DJ Shadow: The Less You Know, The Better

Was macht eigentlich die Postmoderne? Und wer war ihr Star? Jacques Derrida oder John Davis? Davis trat als DJ Shadow 1996 auf den Plan mit seinem Album „Endtroducing...“ Auf der Hülle waren HipHopper beim Plattenkauf zu sehen. DJ Shadow sah im HipHop die Kulturrevolution des späten 20. Jahrhunderts. Nicht weil sich die Rapper gegenseitig originell beleidigten oder weil Kriminelle über Nacht zu Königen wurden. Sondern weil das Sampeln als Kulturtechnik gesellschaftsfähig wurde durch den HipHop.

Das Debüt von DJ Shadow gilt als erstes ausschließlich mit einem Sampler aufgenommenes Album der Musikgeschichte. Er mischte die Aufnahmen der Beastie Boys mit Tonspuren aus „Blade Runner“, Metallica mit „Twin Peaks“ und die schönsten Stellen seiner uferlosen Plattensammlung. Es ging DJ Shadow nicht um listige Zitate und verwegene Bedeutungen. Es ging ihm um den angenehmen Fluß des großen Rauschens, das zwei Plattenspieler in den Händen eines 24-jährigen weißen Kaliforniers zu erzeugen in der Lage waren.

Mittlerweile ist er 38, und „The Less You Know, The Better“ ist, fünf Jahre nach „The Outsider“, sein viertes Album. Es beginnt mit einer Männerstimme, die erschrocken feststellt: „I forgot my drums!“ Auch Kalauer lassen sich sampeln. Es wirkt alles falsch an dieser Platte.

Die von DJ Shadow eingeladenen Rapper, Postdnuos von De La Soul und Talib Kweli, und die Gastsänger Tom Vek und Little Dragon. Man hört Dampflokomotiven, Schreibtischtelefone und Musikstücke, die sich darum bemühen, wieder Rock und Rap zu sein, und Songs, die auch für sich alleine stehen und kein Album brauchen. DJ Shadow stellt sich selbst in Frage: Wozu war die Postmoderne eigentlich erfunden worden?

2 von 5 Punkten.

Example: Playing In The Shadows (Vertigo)

Der Engländer an sich gilt als besonnener Zeitgenosse. Er ist irritiert, wenn seine Kinder in Kapuzenpullis durch die Straßen rennen, Schaufenster einwerfen, Läden plündern und Gebäude anzünden. Wer Urlaub vom Verstand braucht, geht zum Fußball oder ins Konzert. Zu Fußballern und Musikanten pflegt der Engländer eine hysterische Beziehung, die er gern mit Abertausenden an öffentlichen Orten teilt.

Die Musiker sollten dafür geschaffen sein. Die liebste deutsche Band der Engländer heißt nicht mehr Kraftwerk, sondern Scooter. Aber Elliot Gleave aus London tut es auch. Ein 29-jähriger, der sich Example nennt und in den Hitparaden Englands auf dem ersten Rang landet, sobald er den Computer hochfährt und dazu aus seinem Leben rappt. „If we don't kill ourselves we'll be the leaders of a messed-up generation“, bellt er allen zu in „Stay Awake“.

Er rät vom Selbstmord ab, um die erledigte Generation zu führen. Hört sich blitzgescheit an, ist es aber nicht. Das sind so Weisheiten, die nach drei Nächten Ibiza unter betrunkenen Engländern mit beiden Armen durchgewunken werden wie die altbackene Tanzmusik dazu.

1 von 5 Punkten.