TV-Krimi

Serienmörderjagd in glänzendem Bodensee-"Tatort"

Die idyllische Bodenseeregion wird von einer Mordserie heimgesucht. Den "Tatort"-Ermittlern um Kommissarin Blum (Eva Mattes) hilft schließlich der Zufall auf die Spur.

Foto: dpa / dpa/DPA

Ein guter Krimi lebt von der Konfrontation zwischen Ermittlern und Verdächtigen auf Augenhöhe. Im neuen Bodensee-„Tatort“ gelingt das auf beiden Ebenen: Die Figuren stehen sich in nichts nach, und auch die Schauspieler haben dasselbe Niveau.

In der Rolle des Hauptverdächtigen brilliert Hannes Jaenicke. Als eitler, arroganter, hochintelligenter und auch ein wenig verlogener Autor Ruben Rath bietet er Kommissarin Klara Blum (Eva Mattes) Paroli, die gewohnt ruhig und tiefgründig analysiert.

Ein Serienmörder zerstört die Idylle in einer Künstlerkolonie. Nach und nach tötet der Unbekannte die Vorstandsmitglieder eines Kulturvereins – die stigmatisierter nicht hätten gezeichnet werden können: die schnippische und reiche Galeristin, der bankrotte und hilfsbereite Komponist sowie der Maler, der seine Aktmodels belästigt.

Blum und ihr Kollege Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) erkennen schnell, dass die Todesumstände Raths Krimis mit Titeln wie „Stromunfälle“ und „Auf Messers Schneide“ nachahmen.

Der Schriftsteller will von dem aber nichts wissen. „Die Landpolizei hat nichts zu tun und freut sich jetzt über ein bisschen Abenteuerlust“, erklärt er Blum seine Sicht der Dinge. Von oben herab – sie nimmt's gelassen. Weiter sagt Rath: „Das Dorfgetratsche hat mich noch nie interessiert.“

Glaubwürdige Figuren, gutes Zusammenspiel

Die Kommissarin lässt sich nicht beirren, ermittelt weiter. Auch Raths autistischer Sohn (glaubwürdig gespielt von Jonathan Müller) und dessen Freundin (ebenfalls gut: Annika Blendl) nimmt sie unter anderem ins Visier.

Blum und Perlmann, die weiterhin ihr eigenwilliges Verhältnis zueinander pflegen – sie duzt ihn, er siezt sie -, fahnden gewohnt unaufgeregt nach dem Verbrecher. Dabei ist ihnen die Brisanz der Todesserie und der immer kleiner werdende Kreis möglicher weiterer Opfer aus den Reihen des Vereinsvorstands durchaus bewusst.

Für Drehbuch und Regie zeichnet der „Tatort“-erfahrene Thomas Bohn verantwortlich. Er räumt den Figuren viel Platz ein, sich zu entfalten. Das kommt vor allem im Zusammenspiel von Mattes und Jaenicke zur Geltung. Was den Schauspieler an der SWR-Produktion gereizt hat?

„Nach fast 15 Jahren endlich wieder einmal mit Regisseur Thomas Bohn zusammenzuarbeiten“, sagte Jaenicke laut Presseheft. „Und außerdem die Möglichkeit, mit der Theater-Legende Eva Mattes zu drehen.“

Mattes, die Klara Blum seit 2002 spielt und mit ihr nach eigenen Angaben die Handtasche teilt, besticht in diesem „Tatort“ wieder durch vielsagende, minimale Mimik wie ein kurzes Zucken des Mundwinkels.

Scharfsinnig beobachtet die Kommissarin alle Details, gesteht sich selbst aber bis zum Schluss Unsicherheiten beim Ausschluss der Verdächtigen ein. Daher ist es dann auch eher Zufall, dass Perlmann auf die Spur des wahren Täters stößt.

"Das schwarze Haus“ am Sonntag, 16. Oktober, um 20.15 Uhr in der ARD