Deutschland-Tournee

Es überlebt nur eine – Rihanna, das letzte Mädchen

Um 21.16 Uhr ging am Freitagabend in der Frankfurter Festhalle die Welt unter. Nur ein 22-jähriges Mädchen überlebte: Rihanna, Popstar aus Barbados, beim Auftakt ihrer Deutschlandtournee. Die Sängerin hat ihr Plastikpuppen-Image abgelegt, gibt sich tougher, mit einem Blick im melancholischen Dauermodus.

Zwischen einem monströsen pinkfarbenen Panzer, breakdancenden Roboterwesen und grauen Atompilzen auf der Video-Leinwand war Rihanna die Protagonistin ihrer Science-Fiction-Show „Last Girl On Earth“. In Frankfurt startete das Pop-Phänomen aus Barbados, das sich immer mehr zur unnahbaren Kunstfigur à la Lady Gaga stilisiert, seine Frühlingstournee durch Deutschland. Vom Insel-Mädchen zur Amazone

Als „Barbiepuppe aus Barbados“ (FAZ) schmiss Produzent Jay-Z Rihanna einst mit Hits wie „SOS“ auf den Musikmarkt. Und schuf dabei fast einen Klon seiner Frau Beyoncé. Seither hat sich Rihanna zweimal neu erfunden. Oder wurde erfunden – so genau weiß das keiner.

Rihanna, die zweite: Mit „Umbrella“ und dem dazugehörigen „Ella-Ella“-Gejuchze kamen 2007 der internationale Durchbruch und die Haare ab bis zum Kinn. Das Insel-Mädchen wandelte sich mit sexy Bodys, coolen Hüten und freien Beinen zur modischen Stil-Ikone. Die Beine brachten ihr nicht nur Frauen-Neid ein, sondern auch den von Gillette gesponserten Preis „Celebrity Legs of a Goddess“.

In der ausverkauften Festhalle zeigte sie ihr neuestes Alter Ego: Die blond-gesträhnten Haare sind inzwischen burschikos-kurz, links halb abrasiert, ein überlanger Pony hängt ihr punkig-lasziv ins Auge.

Die zig Kostümchen sind abgedrehter, aber immer noch extrem sexy. Zum Beispiel ein weißer Cat-Suit: als hätte sie ihren Körper nur mit ein paar Klebebandstreifen umwickelt. Dazu trug sie eine eckig-futuristische weiße Brille. Arg an extravagante Lady-Gaga-Mode erinnerte das schwarz-weiße Minikleid mit abstehendem Rock und abstehenden Schulter-Klappen mit Airbag-Kissen.

Im „Gala“-Interview im November 2009 nannte sie einmal Grace Jones und Cruella De Vil aus „101 Dalmatiner“ ihre „absoluten Stilikonen. Sie sind beide so gemein, aber eben auch perfekt“.

Rihanna hat ihr perfektes Plastikpuppen-Image abgelegt, gibt sich tougher, wirkte aber beim Konzert auch anrührend verletzlich, mit einem Blick im melancholischen Dauermodus. Man hatte sofort wieder die Fotos aus dem Februar 2009 vor Augen, als ihr Ex-Freund und Musiker-Kollege Chris Brown sie vor den „Grammys“ krankenhausreif geschlagen hatte und Bilder davon um die Welt gingen.

Heute appelliert Rihanna an junge Frauen, sich so etwas nicht gefallen zu lassen. Auf dem aktuellen Album „Rated R“ – ihrem vierten und bisher düstersten – arbeitet sie die Beziehung auf. „I’m terrified, but I’m not leaving“ heißt es etwa in dem Refrain zu „Russian Roulette“: „Ich fürchte mich, aber ich gehe nicht.“

Ihre 12.000 Fans wollten am Freitagabend auch nicht gehen, darunter viele euphorisierte Teenies mit Rihanna-Haarschnitt - sowohl Jungs als auch Mädchen.

Die dreifache Grammy-Gewinnerin überraschte mit einem Cover des Oasis-Klassikers „Wonderwall“. Die 90-minütige Show war perfekt durchkomponiert und Rihannas Stimme beeindruckend. Auch Ex-Bro’Sis-Sängerin Indira (30) war fasziniert: „Rihanna ist einfach super diszipliniert und professionell.“

Weniger diszipliniert zeigte sich Rihanna bei ihrem nächtlichen Auftritt auf der offiziellen Aftershow-Party, für die es ein extra Taschengeld gab. Erst gegen 2.15 Uhr – etwa drei Stunden später als angekündigt – tauchte sie im Frankfurter King Kamehameha Club auf.

Mit gesenktem Kopf und einer Army-Eskimo-Mütze rauschte sie an ihren Fans vorbei, die frierend am Eingang warteten. Im einsehbaren VIP-Bereich deutete sie dann nur kurz einige Tanzschritte an und machte Small-Talk. Als der DJ ihren Hit „Umbrella“ auflegte, setzte sich Rihanna jedoch hin.