Der Brite an sich hatte schon immer etwas mehr Ahnung von Popkultur als der Amerikaner. Dass er auch im neuen Jahrtausend die Zeichen der Zeit treffsicher erkennt, bewies er bei der Verleihung seines wichtigsten Musikpreises, dem Brit Award.
Dort ehrte man in diesem Jahr Lady Gaga (23) gleich in drei Kategorien: als beste Künstlerin, für das beste Album und als bester internationaler Newcomer. Zu Recht! Es gibt auf diesem Planeten derzeit keinen Menschen, der die Zukunft des Pop so hoffnungsvoll vertritt wie die bizarre Kostüme und aufwendige Frisuren liebende Sängerin aus New York.
Die so hoch Prämierte nahm die Auszeichnungen voller Rührung entgegen. Sieht man Lady Gaga sonst nur als abgeklärtes Pop-Produkt, das Scheinwerfer an ihren BH montiert, erlebten die Zuschauer diesmal ein sichtlich gerührtes Mädchen (freilich mit Opernmaske), das mit den Tränen rang.
„Ich habe die ganzen Kämpfe hinter mir, all die Rückweisungen“, sagte sie an dem Ort, wo sie vor Jahresfrist mit ihren Idolen, den Pet Shop Boys, aufgetreten war und damit einen wichtigen Schritt unternommen hatte, um das alte Europa zu erobern, dem sie künstlerisch doch so viel verdankt.
Es muss für Lady Gaga überdies eine gewaltige Genugtuung gewesen sein. Schließlich hatte sie ausgerechnet in ihrer Heimat jüngst bittere Niederlagen einstecken müssen. Bei den wichtigsten US-Musikpreisen, den Grammys, stahl ihr die Göre Pink erst mit dem spektakuläreren Auftritt die Show (sie schwang sich halbnackt und nass durch die Lüfte), dann wurde die spießige R&B-Tusnelda Beyoncé gleich mit sechs Awards überhäuft.
Wie demütigend musste das für jemanden wie Lady Gaga sein? Als Fortschritts-Künstlerin ansehen zu müssen, wie das eigene Heimatland dem abbröckelnden Sex-Appeal der welkenden Pomeranze Beyoncé huldigt, deren Alben die ganze Durchschnittlichkeit einer verzogenen Generation reflektieren und deren Stimme nur mit Hilfe von Soft- und Hardware-Türmen der totalen Lächerlichkeit entrissen werden kann. Korrekterweise war Beyoncé bei den Brit Awards nicht mal nomniert worden.
Gott sei Dank haben die Briten Lady Gaga mit der Welt versöhnt. Sie ist eine von ihnen, sie ist eine für höhere Aufgaben, ein menschgewordenes Gesamtkunstwerk. Das kann man bei ihr auch in jungen Jahren nicht genug würdigen. Danke Great Britain!




