Der Chefredakteur der „Leipziger Volkszeitung“, Bernd Hilder, ist bei der Wahl zum Intendanten des Mitteldeutschen Rundfunks gescheitert. Der Rundfunkrat sprach sich mit 29 zu 12 Stimmen überraschend deutlich gegen den einzigen Kandidaten für den Posten aus, wie eine Sprecherin des MDR am Montag in Leipzig sagte. Der 52-Jährige sollte Nachfolger von Udo Reiter werden, der im Mai den Rückzug von seinem Posten angekündigt hatte.
Für die erforderliche Mehrheit hätte Hilder 28 Stimmen der anwesenden 41 Rundfunkräte auf sich vereinigen müssen. Der Verwaltungsrat hatte Hilder vorgeschlagen, der sich dabei gegen MDR-Justiziarin Karola Wille und den Vize-Fernsehdirektor des WDR, Helfried Spitra, durchsetzte.
Hilder verließ unmittelbar nach der Abstimmung das Gelände des MDR und war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Wie die Sprecherin weiter sagte, gab es in dem Verfahren zur Neuwahl des Intendanten nur einen Wahlgang. Dem MDR-Staatsvertrag zufolge muss der Verwaltungsrat des Senders nun einen neuen Vorschlag unterbreiten. Die Mitglieder des Verwaltungsrates wollten noch im Laufe des Tages zusammenkommen, um über die Situation zu beraten.
Verwaltungsrat kommt zusammen
Hilder hatte im Verwaltungsrat erst im vierten Wahlgang die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit der Stimmen bekommen. Im ersten Wahlgang hatte dem Vernehmen nach noch Wille vorn gelegen.
Im Jahr 1991 wurde der Mitteldeutsche Rundfunk als Drei-Länder-Anstalt für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aus der Taufe gehoben. Gründungsintendant war Udo Reiter, der seither die Geschicke des Hauses in der Hand hatte. Nach einer intensiven Vorbereitungsphase ging der MDR am 1. Januar 1992 erstmals auf Sendung.
In Bedrängnis geriet Hilder zuletzt womöglich wegen eines Anmeldebogens der Gebühreneinzugszentrale (GEZ). Wie die „Magdeburger Volksstimme“ am Samstag berichtete, gehe aus dem „mutmaßlich“ von ihm unterzeichneten Formular hervor, dass er nur ungern und nicht aus eigenem Antrieb Rundfunkgebühren zahle. Hinter der Frage „Zahlen Sie Rundfunkgebühren?“ soll er handschriftlich ein „leider“ vermerkt haben. Das Blatt zitierte ihn mit den Worten, „Ich kann dazu nichts sagen. Ich kenne das nicht.“ Womöglich handele es sich um eine Fälschung.
Das Scheitern Hilders wurde von der ARD auf Nachfrage nicht kommentiert.
dapd/EPD/dpa/sei



