Berliner Dom

Barbara Wussow tanzt als Buhlschaft 2011

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Sandra Basan

Foto: David Heerde

Schauspielerin Barbara Wussow ist die Buhlschaft bei den diesjährigen Jedermann-Festspielen im Berliner Dom. Nach der sächselnden Buhlschaft Katarina Witt vor zwei Jahren spricht Jedermanns Objekt der Begierde nun mit warmem Wiener Akzent.

Der Tisch muss noch warten. Barbara Wussow, die diesjährige Berliner Buhlschaft, tanzte am Dienstagvormittag erst mal vor prächtigerer Kulisse: vor dem Berliner Dom. Auf dem grünen Gras im Lustgarten drehte sich die Schauspielerin ganz in Rot für die Fotografen. Und für die Fans, die ebenfalls begeistert Kameras und Autogrammkärtchen zückten. „Grüß Gott“, hieß die 50 Jahre alte Wienerin die Zeugen ihres ersten Werbeauftritts willkommen und lächelte die herbstlichen Temperaturen einfach weg. Nach der sächselnden Buhlschaft Katarina Witt vor zwei Jahren spricht Jedermanns Objekt der Begierde vom 20. bis 30. Oktober 2011 nun mit warmem Wiener Akzent.

„Das ist eine ganz grandiose Besetzung. Ich erwarte eine fruchtbare Zusammenarbeit, sie ist ja eine gestandene Schauspielerin, kommt aus einer großen Theaterfamilie. Ihr muss ich nichts mehr erklären“, freute sich Brigitte Grothum, die die Jedermann-Festspiele seit 25 Jahren inszeniert. Und in der Tat. Die Buhlschaft ist eine neue Rolle für Barbara Wussow, aber sie hat „schon viele Jedermänner kommen und gehen sehen“. In Salzburg, als Kind. Damals stand ihr Vater, Klausjürgen Wussow, als Tod auf der Bühne und ihre Mutter, Ida Krottendorf, als Schuldknechts Weib. Barbara Wussow tritt also in die Fußstapfen ihrer Eltern, die sie seit deren Tod schmerzlich vermisst. „Sie sind in Gedanken immer bei mir. Ich will ihrem und meinem Namen alle Ehre machen.“

Sie selbst wurde mit TV-Produktionen wie „Die Schwarzwaldklinik“ und Rosamunde-Pilcher-Filmen bekannt, spielt gern und viel Theater und will bei ihrer Berliner Bühnenpremiere mit „Sinnlichkeit“ beim Publikum punkten. Mitte September beginnen die Proben, Barbara Wussow pendelt dann zwischen Wien und Berlin und der André-Rieu-Tour, die sie nebenbei noch moderiert. Außerdem kommt Tochter Johanna (6) am Montag in die Schule: „Ich werde zwischendurch immer nach Hause fliegen. Ich will meine Tochter in dieser wichtigen Zeit nicht allein lassen.“

Als Teilzeitberlinerin wohnt sie in Charlottenburg im Hotel, hat schon Pläne für die spielfreie Zeit: „Ich möchte mir Museen anschauen, ins Theater gehen und eine Spreefahrt machen. Ich will Berlin einatmen.“ Ehemann Albert Fortell hütet derweil die Kinder, wird zur Premiere aber stolz in der ersten Reihe sitzen. „Wir haben Glück miteinander gehabt“, erklärt Barbara Wussow das Geheimnis ihrer 29 Jahre währenden Liebe. „Am wichtigsten ist der Humor. Meine Mutter hat immer gesagt: ‚Humor ist der Knopf, auf den man drückt, bevor einem der Kragen platzt'“, sagt sie und fügt mit Blick auf die turbulente Ehe der Eltern hinzu: „Meine Mutter musste den Knopf öfter drücken.“

Winfried Glatzeder spielt nach 2008 und 2010 zum dritten Mal die Titelrolle des Jedermann, den Mammon gibt Ilja Richter. Er zeigte sich über die Besetzung der Buhlschaft erfreut. „Als Schauspieler hat man das Glück, jedes Jahr mit einer anderen Frau zu tun zu haben – und einer immer schöneren“, sagte er. Seiner Ansicht nach trägt das Stück vom Leben und Sterben des reichen Mannes nicht nur die Botschaft von der Suche nach Reue in sich. „Für die Zuschauer ist es eine Ermahnung, das Leben zu genießen. Denn wenn es zu Ende ist, ist es zu Ende.“ Er selbst bringe dem Alter durchaus Respekt entgegen, sagte der 1945 geborene Glatzeder. Es zeige die Grenzen der Kraft.

Regisseurin Brigitte Grothum rechnet in diesem Jahr mit insgesamt 15.000 Zuschauern.

Die Berliner Jedermann-Festspiele werden seit 25 Jahren ausgerichtet, zunächst im Westteil der Stadt in der Kreuzberger Südsternkirche, später in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Seit 1993 ist der Berliner Dom in Mitte Spielort. Das Theaterstück von Hugo von Hofmannsthal erlebte vor 100 Jahren seine Uraufführung - ebenfalls in Berlin. Regie führte damals Max Reinhardt.

In weiteren Rollen der Inszenierung 2011 sind unter anderen Ursula Karusseit, Herbert Köfer, Sascha Gluth und Peter Sattmann zu sehen.

Im Internet: www.jedermann-festspiele.de

( mit dapd )