Pergamonmuseum

Berlin bekommt eine neue Sphinx

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Foto: dpa / dpa/DPA

Nach der Rückgabe der Sphinx von Hattuscha an die Türkei bekommt Berlin eine neue Löwenfigur. Voraussichtlich im Oktober soll das Duplikat im Pergamonmuseum aufgestellt werden.

Bei den Reichen läuft es ja oft so: Sie haben den teuren Schmuck, aber der ist einfach zu wertvoll. Deshalb bleibt er im Safe, und man fertigt sich eine billigere Kopie an. Merken tut das sowieso keiner. So ähnlich läuft das jetzt auch auf der Berliner Museumsinsel. Wie vermeldet, ist die mehr als 3000 Jahre alte Sphinx von Hattuscha – nach jahrzehntelangem Tauziehen – am Mittwoch an die Türkei zurückgegeben worden. Dennoch behält Berlin eine Sphinx, oder vielmehr: bekommt eine neue dafür. Eine Gipskopie. Vermutlich im Oktober soll sie im Pergamonmuseum aufgestellt werden.

Die Originalfigur stammt aus der alten Hethiter-Stadt Hattuscha im heutigen Anatolien. 1915 war sie mit einer zweiten Löwenfigur weitgehend zerstört nach Berlin gekommen, um hier restauriert zu werden. Die besser erhaltene Skulptur ging 1924 an Istanbul zurück, die andere blieb in Berlin. Seit 1934 war sie zusammen mit einem Abguss ihres Gegenstücks im Pergamon-Museum zu sehen. Künftig werden dort also zwei Kopien stehen.

Nach mehreren vergeblichen Vorstößen hatte der türkische Kulturminister im Frühjahr ultimativ eine Rückgabe des Originals bis Juni gefordert. Andernfalls dürften deutsche Archäologen nicht mehr an den Ausgrabungen in Hattuscha teilnehmen. Im Mai verständigte sich eine Expertenkommission dann auf die Rückgabe. Ursprünglich war der Rücktransport erst bis Ende November vereinbart gewesen.

Auswirkungen auf die von Ägypten zurückgeforderte Nofretete soll die Rückgabe nach dem Willen der deutschen Seite nicht haben. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hatte bei der Einigung mit der Türkei ausdrücklich betont, die Sphinx werde als „freiwillige Geste der deutsch-türkischen Freundschaft“ an die Türkei übergeben. „Beide Seiten stimmten darin überein, dass es sich bei der Sphinx um einen Einzelfall handelt, der nicht mit anderen Fällen vergleichbar ist.“

Im Gegenzug sagte die Türkei zu, die kulturelle Zusammenarbeit mit Deutschland zu verstärken. Der Transfer sollte der Vereinbarung zufolge bis zum 28. November erfolgen. An diesem Tag vor 25 Jahren wurde die Ausgrabungsstätte der einstigen hethitischen Hauptstadt Hattuscha in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen. Auf deutscher Seite hatte es Befürchtungen gegeben, nach der Rückgabe der geflügelten Löwenfigur könne der Streit mit Ägypten um die weltberühmte Nofretete neu entfachen. Allerdings wurde die ägyptische Königinnenbüste, die im Neuen Museum steht, Deutschland bei einer Fundteilung ausdrücklich zugesprochen. Die Bundesrepublik versteht sich deshalb als rechtmäßige Besitzerin. Bei der Sphinx gab es keine derartige Vereinbarung.

( BMO )