Nach jahrzehntelangem Tauziehen wird Deutschland die Sphinx von Hattuscha an die Türkei zurückgeben. Im Gegenzug will Ankara die kulturelle Zusammenarbeit mit deutschen Museen verstärken. Darauf verständigte sich am Freitag ein deutsch-türkisches Expertengremium in Berlin. Auswirkungen auf die von Ägypten zurückgeforderte Nofretete soll die Entscheidung nicht haben.

Die Sphinx, eine fast 4000 Jahre alte Skulptur aus dem Hethiter-Reich, steht seit 1934 im Pergamonmuseum in Berlin. Sie war 1907 bei deutsch-türkischen Ausgrabungen im heutigen Anatolien gefunden worden. Nach mehreren vergeblichen Vorstößen hatte der türkische Kulturminister Ertugrul Günay im Frühjahr ultimativ eine Rückgabe bis Juni 2011 gefordert und damit gedroht, dass deutsche Archäologen nicht mehr an den Ausgrabungen in Hattuscha teilnehmen dürften.

Die Skulptur werde als „freiwillige Geste der deutsch-türkischen Freundschaft an die Türkei übergeben“, teilte Kulturstaatsminister Bernd Neumann nach dem Treffen in Berlin mit. „Beide Seiten stimmten darin überein, dass es sich bei der Sphinx um einen Einzelfall handelt, der nicht mit anderen Fällen vergleichbar ist.“

Der Transfer soll den Angaben zufolge bis zum 28. November 2011 erfolgen. An diesem Tag vor 25 Jahren wurde die Ausgrabungsstätte der einstigen hethitischen Hauptstadt Hattuscha in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen.

Auf deutscher Seite hatte es Befürchtungen gegeben, eine Rückgabe der geflügelten Löwenfigur könne ein Signal sein, dass auch der Streit mit Ägypten um die weltberühmte Nofretete neu entbrennt. Allerdings wurde die ägyptische Königinnenbüste, die im Neuen Museum in Berlin steht, Deutschland bei einer Fundteilung ausdrücklich zugesprochen. Deutschland versteht sich deshalb als rechtmäßiger Besitzer. Bei der Sphinx gab es keine derartige Vereinbarung.

Staatsminister Neumann hatte seinem türkischen Amtskollegen Günay deshalb bereits im März zugesagt, eine einvernehmliche Lösung zu suchen. „Diese einvernehmliche Lösung ist jetzt gefunden“, sagte der CDU-Politiker am Freitag. „Sie ist eine gute Grundlage für eine intensivierte deutsch-türkische Zusammenarbeit im Kulturbereich.“

Die Sphinx war 1915 zusammen mit einer zweiten Löwenfigur weitgehend zerstört nach Berlin gekommen, um hier restauriert zu werden. Eine der beiden Skulpturen wurde 1924 an Istanbul zurückgegeben, die andere blieb in Berlin. 1938 forderte die Türkei erstmals die Rückgabe, seither war der Verbleib umstritten.

dpa/sei