Interaktive Sendung

Gottschalk zielt mit ARD-Show auf junges Publikum

Leichtverdauliches vor der "Tagesschau": Thomas Gottschalk geht in der ARD auf Sendung und will mit Twitter, Facebook und Skype jüngere Zuschauer ansprechen.

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Sein Leben ohne „Wetten, dass..?“ wird in der ARD stattfinden: Thomas Gottschalk hat sich nach längerem Hin und Her für das Erste und somit gegen seinen Stammsender, das ZDF, entschieden. Von Januar kommenden Jahres an wird er eine halbstündige Unterhaltungsshow vor der 20-Uhr-„Tagesschau“ präsentieren – deren genaues Konzept allerdings noch ebenso offen ist wie der Titel.

Durchsickern ließ man beim Sender lediglich die Information, dass Gottschalk in der Live-Show Gäste „aus den Bereichen Lifestyle, Entertainment und Kultur empfangen und das aktuelle Zeitgeschehen mit zugeschalteten Experten diskutieren werde“. Also keine Couch, keine Wetten – und kein Überziehen.

Denn damit der Beginn der „Tagesschau“ verschoben wird, müsste mindestens die Welt untergehen.

Dennoch: Der Entertainer, dem trotz seiner Verhandlungen mit dem ARD-Apparat offensichtlich noch nicht der Humor vergangen ist, sieht sich ab kommendem Jahr für den „ganz normalen täglichen Wahnsinn“ zuständig, den es „ja Gott sei dank neben Politik, Seuchen und Finanzkrisen“ auch noch gebe.

Zeitschiene vor 20.15 Uhr ist schon länger Sorgenkind

Ein Gottschalk um halb acht ist tatsächlich genau das, was das Erste dringender denn je braucht. Die Zeitschiene vor 20.15 Uhr, die in Fachkreisen auf den klingenden Namen Access Primetime hört, ist seit geraumer Zeit ein Sorgenkind der ARD.

Unpraktisch gerade deshalb, weil die Werbeeinbuchungen zu dieser Zeit zuletzt unter dem quotenschwachen Rahmenprogramm erheblich gelitten haben müssen. Ranga Yogeshwars Tüftlerkolumne „Wissen vor 8“ und die biedere „Börse im Ersten“ dümpeln vor sich hin – erst die „Tagesschau“ selbst holt dann die Millionen wieder zurück ins Programm.

Gottschalk ließ indes schon verlauten, er fühle sich dieser Herausforderung „durchaus gewachsen“. Das ist beim federführenden WDR naturgemäß ebenso. Intendantin Monika Piel soll schon von „Kostenneutralität“ geschwärmt haben, sie träumt davon, dass der frisch eingekaufte Entertainment-Veteran die Werbepreise derart in die Höhe jagt, dass sogar dessen dem Vernehmen nach exorbitante Gage davon bezahlt werden könnte.

Ein mediales Luftschloss? Oder eine wegweisende Finanzierungsstrategie, um als öffentlich-rechtliche Anstalt effektiv zu wirtschaften? In Sachen Integration junger Menschen wähnt man sich in Köln in jedem Fall auf dem richtigen Weg: So will man den Zuschauern ermöglichen, per Twitter, Facebook und Skype an der Show teilzunehmen.

Diese Sendung, sie kann eigentlich nur ein Hit werden.