Asterix-Film

"Bully kann wie Charlie Chaplin spielen"

An diesem Donnerstag startet „Asterix bei den Olympischen Spielen". Im Gespräch mit Morgenpost Online erzählen die beiden Regisseure Thomas Langmann und Frédéric Forestier, wie Michael „Bully" Herbig darin die Franzosen zum Lachen bringt und warum David Beckham nun doch nicht im Film mitspielt.

Foto: AP

Morgenpost Online: Ihr Film ist ein Schaulaufen europäischer Stars. Wie kam es dazu?

Thomas Langmann: Die Schwierigkeit war, einen Film zu machen, der für Fünf- bis 99-Jährige interessant ist, sich quasi an Jedermann richtet. Und damit meine ich vor allem Jedermann in Europa. Denn dies ist die erste europäisch-französische Großproduktion. Und dann war da die Erfahrung mit den vorherigen Asterix-Filmen. Der erste Asterix-Film lief in Europa dreimal besser als der zweite Asterix-Film. In Frankreich war wiederum der zweite Asterix-Film viel erfolgreicher als der erste. Warum? Die Deutschen sagten zum Beispiel: Der erste lief bei uns viel besser, weil man dort mehr von Asterix und Obelix sieht – und das sind bei uns die Stars.


Die Italiener fanden Nummer 1 gut, weil Roberto Benigni mitspielte. Nummer zwei hatte viel mehr französische Stars und französische Witze und lief deshalb in Frankreich viel besser. Der dritte musste also eine Synthese aus beidem sein. Deshalb habe ich für „Asterix bei den Olympischen Spielen“ viele ausländische Stars rekrutiert zum Beispiel Michael „Bully“ Herbig. Das Problem war: Wie bekomme ich Bully ihn im Film unter, obwohl er nur Deutsch spricht?

Morgenpost Online: Sie entschieden, seiner Figur, einem Sklaven, „die Zunge herauszuschneiden".

Langmann: Ja. Ich wusste, dass er wie Charlie Chaplin spielen kann. Er hat eine unglaubliche Körpersprache und Mimik. Er muss nicht sprechen, um lustig zu sein. Das hat geholfen.

Morgenpost Online: Wie klappte es mit der Verständigung bei den Dreharbeiten?

Frédéric Forestier: Ich kannte Bully Herbig vorher kaum, habe zur Vorbereitung einiger seiner Filme gesehen. Die Zusammenarbeit war fantastisch. Er hat sich seine Figur ganz schnell angeeignet. Weil sein Terminkalender so eng war, haben wir ihn leider nicht oft bei den Dreharbeiten gesehen. Wir haben zusammen eine Art Grammatik der Mimik und der Gesten geschaffen.

Langmann: Deutschland ist für „Asterix“ einer der wichtigsten Absatzmärkte. Ich wollte einen deutschen Schauspieler, der nicht nur die Deutschen zum Lachen bringen kann, sondern auch die Franzosen. "Bully“ kann das. Und er hat vieles gemeinsam mit vielen anderen Darstellern in dem Film: Sie machen mehrere Dinge zugleich – sind zum Beispiel nicht nur Schauspieler, sondern auch Produzenten und Autoren. Das führt auch dazu, dass sie sich sehr respektvoll gegenüber den Regisseuren verhalten, weil sie die Schwierigkeiten kennen. Ich habe Bully gesagt, dass das auch ein Weg sein kann - wenn er einen großen Film auf Deutsch macht, französische Schauspieler zu integrieren.

Morgenpost Online: Am Ende von „Asterix bei den Olympischen Spielen“ findet ein großes Wagenrennen statt, eine Anspielung auf den Film "Ben Hur". Ihnen ist ein ganz besonderer Gag eingefallen: Michael Schumacher fährt mit.

Thomas Langmann: Als wir das Rennen schrieben, überlegten wir, wie wir es noch witziger machen könnten. Da fiel uns ein Ferrari-Rennwagen ein. Also haben wir [den ehemligen Formel-1-Chef, Anm. der Red.] Jean Todt und Schumacher kontaktiert. Als sie zusagten, hatten sie sich aus dem aktiven Geschäft noch nicht zurückgezogen. Schumacher fuhr noch Rennen. Er versuchte gerade, die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Am Vorabend vor den Dreharbeiten fuhr er sein letztes Rennen, das er verlor. Am nächsten Tag war er auf dem Set. Als er ankam, standen alle 300 Mitglieder des Drehs im Stadium auf und haben ihm applaudiert. Das war unsere Hommage an ihn.

Morgenpost Online: Gescheitert sind Sie offenbar bei David Beckham, der angeblich auch mitspielen sollte.

Thomas Langmann: Beckham haben wir durch das Internet verloren. Ich war mit seinem Agenten am Verhandeln und ganz nah an einem Abschluss. Aber dann kam das Gerücht in Umlauf, dass David Beckham im neuen Asterix mitspielt. Daraufhin rief mich sein Agent an: „Ich habe gerade im Internet gelesen, dass Sie David Beckham für den Film gewonnen haben. Wir haben noch nicht unterzeichnet. Verkünden Sie nie etwas, was Sie noch nicht haben!“ Mit diesen Worten legte er auf.

Morgenpost Online: Dafür spielt die Kinolegende Alain Delon als Julius Cäsar mit. Dabei wollte er doch nie wieder drehen. Wie haben Sie ihn überzeugt?

Thomas Langmann: Alain Delon überzeugt man nicht. Er überzeugt sich selbst. Ich glaube, das liegt daran, dass er eine Art Julius Cäsar des Kinos geworden ist. Aber ihm war schnell klar, dass wir mit der Rolle schmeicheln und nicht ihn lächerlich machen wollten. Ich hatte ihm ein Drehbuch geschickt, mit rotem Einband, der Titel in goldenen Buchstaben aufgedruckt. Mir wurde gesagt: Alain Delon wird es nicht sofort lesen, weil er mit seinen Kindern erst mal in Urlaub fliegt. Er wird Ihnen danach eine Antwort zukommen lassen. Ich aber hatte schon einer Menge Leuten gesagt, dass Delon Cäsar spielen würde. Wenn er „nein“ gesagt hätte, wäre das eine Katastrophe gewesen. Aber dann sah ich in einer Klatschzeitschrift Urlaubsfotos von Delon, wie er mit seinen Kindern am Strand lag. Alle hatten ein Drehbuch in den Händen und waren am Lesen. Und da wusste ich: Das ist ein gutes Zeichen.

Morgenpost Online: Das interessante Paar des Films sind nicht Asterix und Obelix, sondern Alain Delon als Julius Cäsar und Benoit Poelvoorde als Sohn Brutus spielt. Mögen Sie die Römer lieber als die Gallier?

Fréderic Forestier: Bei Schauspielern heißt es ja, dass es interessanter ist, den Bösen zu spielen als den Guten. Auch beim Schreiben macht es mehr Spaß, Dialoge für die lächerlichen oder pathetischen Bösewichter zu schreiben als für die netten Figuren. Wir haben gespürt, dass im Duo Cäsar-Brutus ein größeres Potenzial steckt. Aber wir haben trotzdem versucht, ein Gleichgewicht zwischen den beiden Paaren zu schaffen. Aber Sie haben Recht: Der Film hat eine leichte Tendenz zum Römischen!