Eklat

Opernpublikum buht Wowereit von der Bühne

In der Deutschen Oper ist Intendantin Kirsten Harms verabschiedet worden. Auch Berlins Kultursenator Klaus Wowereit (SPD) hielt dazu eine Rede. Die musste er allerdings vorzeitig abbrechen - wegen massiver Buhrufe.

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So hatte sich Klaus Wowereit (SPD) den Abend in der Deutschen Oper sicher nicht vorgestellt: Im Anschluss an die gut vierstündige Inszenierung des „Tannhäuser“ stand die Verabschiedung der Intendantin Kirsten Harms an. Wowereit, Regierender Bürgermeister und amtierender Kultursenator, war der erste Redner. Es war schon nach 22 Uhr, als der Applaus für die Künstler verebbte und Bühnenarbeiter ein Stehpult brachten.

Wowereit wurde freundlich empfangen, wählte freundliche Worte, wie man das eben so macht, wenn eine Intendantin geht, die sieben Jahre lang das größte Berliner Opernhaus geleitet hat. Aber die Stimmung kippte schnell. Als Wowereit sagte, dass die Zusammenarbeit zwischen dem Senat und der Intendantin zwar mitunter schwierig, aber immer tadellos und letztlich erfolgreich war, hatte er den wunden Punkt getroffen. Das Publikum reagierte heftig. Es hagelte Buhrufe. Wowereit versuchte dagegen anzureden, musste aber schnell erkennen, dass er die Stimmung nicht beruhigen konnte. Schließlich verließ der Regierende Bürgermeister die Bühne. Ruhig wurde es erst wieder, als danach Stephan Braunfels, der Vorsitzende des Fördervereins der Deutschen Oper, ans Rednerpult trat.

Offenbar war vielen im Publikum bekannt, dass das Verhältnis zwischen Senat und Frau Harms nicht gerade harmonisch war. Als es Zeit war, über eine Vertragsverlängerung der Intendantin zu reden, ließ Wowereit Frau Harms lange warten – sein Kulturstaatssekretär suchte unterdessen schon einen Nachfolger. Beim „Idomeneo“-Skandal mit den vermeintlichen Terrordrohungen ließ der Senat die Intendantin allein, sie reagierte fast so kopflos wie der Prophet, der in der Aufführung sein Haupt verliert. Und schließlich ist da noch das Orchester, das sich im Vergleich zur besser besoldeten Staatskapelle benachteiligt fühlt – der Senat will nicht mehr Geld geben. Jetzt bekam Wowereit dafür die Quittung.