Interview

Bastian Pastewkas wahres Leben ist langweilig

Am Freitag startet bei SAT.1 die dritte Staffel der Comedy-Serie „Pastewka". Der Hauptdarsteller Bastian Pastewka spricht mit Morgenpost Online über Fernsehen, Fernsehverbote und warum er davon träumt in der amerikanischen Serie "C.S.I. Las Vegas" mitzuspielen.

Foto: car_ck / dpa

Das Interview ist für 11 Uhr im „Hotel Savoy“ in Köln angesetzt, einem beliebten Treffpunkt der Showbranche. Bastian Pastewka kommt wenige Minuten zu spät, entschuldigt sich und wirkt dabei nicht viel anders als im Fernsehen, wo er mit seiner Serie „Pastewka“ Erfolge feiert. Für die zweite Staffel gab es 2006 den Deutschen Fernsehpreis und den Comedy-Preis. Ab Freitag 2. November, zeigt SAT.1 jeweils um 21.15 Uhr die dritte Staffel.

Morgenpost Online: Welchen Bastian Pastewka haben wir denn gerade vor uns, den echten aus dem Leben oder den wahren aus der Serie?

Bastian Pastewka: Tja, wenn ich das noch unterscheiden könnte. Es gibt aber keinen Anlass zu glauben, dass ich Ihnen hier etwas vorspiele. Ich komme zu Gesprächen wie diesen immer recht aufgeräumt. Heute jedoch bin ich vier Minuten zu spät, weil mein Auto vereist war. Aber ich habe mein intellektuelles Lehrerhemd angezogen. Sonst ist nichts weiter passiert.

Morgenpost Online: Sie haben also in Wirklichkeit gar kein besonders aufregendes Leben?

Pastewka: Aus der zugefrorenen Scheibe alleine ließe sich keine 22-Minuten-Folge meiner Serie machen. Da müssten wir schon etwas dazu erfinden. Mein wahres Leben ist eben doch recht langweilig, deshalb habe ich mir ja so ein Parallelleben in die Serie geschrieben; mit aufregender Verwandtschaft, mit vielen Unwägbarkeiten, die mich konkret bedrohen. In diesen Tagen ärgert mich höchstens ein Wasserschaden in meiner Wohnung. Für den ich jedoch nichts kann, weil in der Wohnung über mir eine Waschmaschine ausgelaufen ist. In der Serie würden wir natürlich sofort mich zum Verursacher machen.

Morgenpost Online: Ist dieser komische Serien-Pastewka immer dann gut, wenn er im richtigen Leben verankert ist?

Pastewka: Unsere Geschichten sind immer dann gut, wenn wir gute Gegensätze gebildet haben: also etwa der Fernsehstar und seine Familie, Neurosen-Pastewka und die geerdete Freundin Anne, der durch tiefe Verunsicherung unkritisch gewordene Bastian gegen die „Antifa-Nachbarin“ Frau Bruck. Daraus entsteht eine unglaubliche Dynamik. Wenn die stimmt, sind wir alle am besten.

Morgenpost Online: Ist in der dritten Staffel wieder das gewohnte Personal dabei?

Pastewka: Alle sind wieder dabei.

Morgenpost Online: Auch prominente Kollegen?

Pastewka: Bully Herbig, Maddin Schneider, und als Bastians Dauerfreund haben wir Michael Kessler etabliert. Er wird zu Rate gezogen, wenn gerade wieder alles schief gelaufen ist. In Wahrheit führen sie natürlich eine Art Konkurrenzkampf unter Komikern. Bastian erzählt ihm, Til Schweiger wolle ihn in seinem neuen Film besetzen, um ihm süffisant vorzuführen, dass Schweiger ihn wohl nicht gefragt hat.

Morgenpost Online: Der ja mit Kessler schon in „Manta, Manta“ zusammen gespielt hat.

Pastewka: Eben. Til Schweiger tritt kurz danach tatsächlich auf – und dieses Zusammentreffen mit Bastian und Freundin Anne in unserer zweiten Folge ist die längste Szene, die wir je in „Pastewka“ hatten. Sie dauert acht Minuten.

Morgenpost Online: Wie weit kann man es treiben mit dieser Figur Pastewka? Sie wurde als schwul bezeichnet, der Nachbar starb, die Freundin hat ihn verlassen.

Pastewka: Wann immer wir Pastewka so richtig schön demontieren dürfen, machen wir das auch. Wir haben allerdings in

dieser Staffel versucht, diese extremen Story-Spitzen etwas zu kappen, dafür aber die Grundstimmung zu verschärfen: Etwa durch den Umstand, dass Bastian einfach nicht mehr mit seiner Familie spricht, weil sein Bruder Hagen mit der bösen Nachbarin Svenja zusammen ist und damit in seinen Augen Hochverrat begangen hat.
Morgenpost Online: Wenn man Sie so begeistert reden hört, entsteht der Eindruck, Sie würden lieber im Fernsehen leben.
Pastewka: Ja, natürlich.

Morgenpost Online: In welcher Serie würden Sie gerne leben?

Pastewka: In „C.S.I. Las Vegas”.

Morgenpost Online: Der erfolgreichen amerikanischen RTL-Serie über gut aussehende Tatortermittler. Wer wären Sie da?

Pastewka: Ich möchte keiner von diesen Schönlingen sein, die alle paar Folgen ihre Frisur verändern. Ich wäre gerne der Chef, Gil Grissom: Der ist ein unglaublich smarter Klugscheißer, der sein Wissen charmant verpackt! Außerdem hat er die besten Sprüche drauf: Gestern habe ich eine Folge gesehen, in der das Team zu Beginn einen Tatort mit Leiche untersucht, und eine Kollegin fragt bedeutungsschwanger: „Gil, was siehst du?“ Und er antwortet: „Einen langen Tag.“ Zack. Titelmusik. So etwas würde mir gefallen.

Morgenpost Online: Sie wären doch sicherlich auch ein guter Fernsehkritiker. Sie können gut beobachten, Sie analysieren.

Pastewka: Aber ich beobachte immer alles total subjektiv. Ich würde ungerecht werden und in meiner Kolumne immer wieder anklagen, warum die Leute dies und das nicht gesehen haben. „Da läuft dann mal ein guter Film bei 3sat, und wo sind die Leute? Bei Rosamunde Pilcher!“ Ich habe Freunde, die sagen, seit „Magnum“ und dem „A-Team“ habe es kein gutes Fernsehen mehr gegeben. Die gucken „Tatort“ und „Nur die Liebe zählt“ und sind zufrieden. Aber die durften auch früher alles gucken.

Morgenpost Online: Sie nicht?

Pastewka: Meine Mutter hat sehr genau darauf geachtet, dass ich nicht zu viel fernsehe und ausschließlich in Phantasiewelten lebe. Mit 18 Jahren habe ich mir dann kein Auto oder ein Jahr in den USA gewünscht, sondern einen Videorekorder gekauft. Bis heute versuche ich, meinen Nachholbedarf zu stillen, schaffe es aber nicht.

Morgenpost Online: Wären Sie ohne die Limitierungsversuche Ihrer Mutter nicht das geworden, was Sie heute sind?

Pastewka: Meiner Mutter bin ich sowieso für alles dankbar, aber speziell dafür, dass sie diesen Fehler gemacht hat. Ich habe mit meinen Eltern nicht über die Hausaufgaben diskutiert, sondern warum ich den Heinz-Erhardt-Film, der um 20.15 Uhr lief, nur bis zur Hälfte gucken durfte.

Morgenpost Online: Das war hart.

Pastewka: Ich habe als Zwölfjähriger sogar an die „Hörzu“ geschrieben und mich beschwert, dass „Buddy haut den Lukas“ nicht an einem Samstag lief, sondern sonntags, wenn Montag doch die Schule wieder anfing und ich nicht gucken durfte. Ich habe dann von der „Hörzu“ einen höflichen Formbrief zurückbekommen, den alle, die die Schnauze halten sollten, bekommen haben.

Morgenpost Online: Aber Sie haben die Schnauze nicht gehalten und sich entwickelt.

Pastewka: Ich versuche mit „Pastewka“ das zu machen, was ich kann. Viele meiner Kollegen werfen mir Spießigkeit vor, weil ich nie bei „7 Tage, 7 Köpfe“ gesessen habe. Warum habe ich da nicht gesessen? Weil ich das nicht kann!!! Ich habe keine brandheißen Pointen zu Angela Merkel und der Brücke nach Rügen parat.

Morgenpost Online: Was wünschen Sie sich von den „Pastewka“-Zuschauern?

Pastewka: Ich wünsche mir, dass die Zuschauer da sitzen und fragen: Warum macht der sich eigentlich immer zum Horst? Oder dass sie sagen: So doof war ich auch mal. Ich versuche im wahren Leben immer wieder, Gelassenheit zu leben, aber dann merke ich: Es fehlt mir etwas. Dieses Aufreiben hier und dort.

Morgenpost Online: Nachher steigen Sie noch ganz hoch in die Jauch- und Gottschalk-Liga.

Pastewka: Davor fürchte ich mich. Speziell vor der Verantwortung und auch vor den Widrigkeiten, die so ein Prominentenstatus mit sich bringt. Günther Jauch musste sich verteidigen, weil er zu seiner Hochzeit keine Foto-Journalisten geladen hat.

Morgenpost Online: Sie schotten Ihr Privatleben durch Ihre Kunstfigur Pastewka komplett ab.

Pastewka: Das ist besser so, denn sonst würde auffallen, dass ich kein Privatleben habe. Das klappt ganz gut: Wenn ich mit meiner Freundin zum Fernsehpreis gehe, muss ich Jahr für Jahr wieder erklären, wie sie heißt. Wunderbar! Das soll bitte immer so weitergehen; Bestätigung durch Unauffälligkeit! Probt er noch oder dreht er schon?

Das Gespräch führten Hans Hoff und Willi Keinhorst.