Seinen langen blonden Strähnen ist er treu geblieben. In Schlabberhose und zu großem Jackett hüpft Otto Waalkes „Johadiliti“ rufend über die Bühne. Er macht dieselben Witze wie zum Beginn seiner Blödel-Karriere in den 70er Jahren, zieht dieselben Grimassen und schrammelt dieselben bekannten Melodien auf der Gitarre. Wären nicht die Falten in seinem Gesicht und die Glatze unter der Mütze, an deren Seiten Flügel angebracht sind, könnte man meinen, der „Außerfriesische“ sei in einer Zeitschleife stecken geblieben.

Am 22. Juli wird Otto 60 Jahre alt. Die Geburtstagsgala verlegte RTL schon vor, als eine Art Castingshow für die Gästeliste der „echten“ Otto-Party. Völlig humorfrei moderierte sich Nazan Eckes durch eine Sendung, in der Otto nur zur Nebenrolle verdammt war. In den besten Momenten zeigten Archivaufnahmen Otto als jungen Spund auf der Bühne und weckten Erinnerungen an fast vergessene Momente mit „English for Runaways“, Harry Hirsch und Susi Sorglos mit ihrem verzauberten Föhn.

Immerhin: Seine „Hänsel und Gretel“-Neuvertonungen fügte Otto eine weitere Version hinzu. Diesmal verwurstete er Xavier Naidoos Hit gekonnt zur Lebkuchen-Häuschen-Melodie mit dem treffenden Text: „Dieser Keks wird kein weicher sein“.

In der restlichen Zeit versuchte sich die Riege der RTL-Comedians im Nachäffen. Jämmerlich wirkte Maddin als Robin-Hood-Verschnitt und wie eine Schülertheatergruppe rezitierten die übrigen Kollegen von den „Sieben Zwergen“ den legendären „Leber an Großhirn“-Sketch.

Echte Gefühle blieben zwischen den auswendig gelernten Floskeln eine Seltenheit

Dazwischen verrieten unter anderem eine aufgekratzte Gülcan, Thomas Anders, Lilo Wanders und Mark Medlock, was sie immer schon mal über Otto sagen wollten. Hören wollte man das nicht.

Nur ein alter Bekannter hatte es in die Sendung geschafft: Udo Lindenberg. Der Panikrocker hauste einst mit Otto und 14 anderen in einer Wohngemeinschaft. Mit Sonnenbrille und Schlapphut stimmten die beiden Urgesteine im Duett eine Hymne auf alte Männer an. Auch Michael Holm war zum Singen gekommen: Ottos in „Dänen lügen nicht“ umgedichteter Schlager durfte in der Show schließlich nicht fehlen.

Echte Gefühle blieben zwischen den auswendig gelernten Gala-Floskeln dennoch eine Seltenheit. Bei Michael Mittermaier blitzte die gegenseitige Sympathie durch: „Ohne dich wäre ich heute nicht da“, bekannte der Comedian. „Ein junger Ostfriese legte den Grundstein für Comedy“, erkannte auch Christian Tramitz in seiner Laudatio und bedankte sich mit einer otto-würdigen Hommage an „Theo, wir fahr’n nach Lodz“: Im Predigerton analysierte er den Culcha Candela Hit „Hamma“.

Selbst Rudi Carrell huldigte dem Jubilar – zumindest im Geiste. Bei einer Parodie auf „Dinner for one“ ließ „Miss Otti“ ihre verstorbenen Freunde Hans Moser, Heinz Rühmann, Heinz Erhardt und Rudi Carrell Platz nehmen. Den schweren Part des Butlers, der permanent über einen Ottifanten-Kopf stolpern und alle vier imaginären Gäste nachahmen musste, überließ Otto dabei bereitwillig Comedian Ralf Schmitz. Beweisen muss sich Otto schon lange nichts mehr.